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„Nur mal schnell die Hand schütteln“ Trump trifft Kim an innerkoreanischer Grenze

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Trump geht das Risiko des Scheiterns bewusst ein

Auch für Südkoreas Moon, der sich in Panmunjom auffällig im Hintergrund hielt, ist die Mission heikel. In Südkorea und auch im benachbarten Japan regen sich Stimmen, die die Politik der Annäherung für gefährlich halten. Das stalinistische Nordkorea werde sich nie ändern und sein Faustpfand, die Atomwaffen, niemals völlig aus der Hand geben. Alles andere wäre demnach eine Selbstaufgabe des Systems. Andere betonen, wie wichtig der Dialog für den Friedensprozess sei. Der Weg zur Wiedervereinigung, den Moon gerne gehen möchte, bleibt ein langer und steiniger. Seit dem 1953 zu Ende gegangenen Korea-Krieg gibt es keinen offiziellen Friedensschluss auf der koreanischen Halbinsel - ein entsprechender Vertrag ist ein mittelfristiges Ziel.

Ob in Trumps Amtszeit tatsächlich viel passiert ist, ist Auslegungssache: Nordkorea hat schon seit der Zeit vor dem Gipfel in Singapur Vorleistungen erbracht und weitgehend auf Raketen- und Atomtests verzichtet. Nach eigenen Angaben hat Nordkorea durch Sprengungen sein Atomtestgelände Punggye-Ri unbrauchbar gemacht. Außerdem hat Pjöngjang nach eigenem Bekunden begonnen, eine Raketentestanlage abzubauen.

Allerdings: All diese Schritte sind nicht hundertprozentig überprüfbar. Im US-Kongress wird darauf hingewiesen, dass Nordkorea eine lange Geschichte hat, wenn es um Täuschungsversuche der USA gehe. Die CIA hat nach US-Medienberichten Informationen, wonach Kim munter weiter an der Entwicklung moderner Waffensystem arbeitet. Experten wie der US-Sonderbeauftragte Yun gehen davon aus, dass Nordkorea sein Arsenal seit dem Singapur-Treffen nicht ab-, sondern aufgebaut hat. Jedes Jahr kämen acht bis zwölf Sprengköpfe hinzu. Das wäre ein klarer Verstoß gegen die Absichtserklärung, die Kim und Trump in Singapur unterzeichnet hatten.

In dem Papier ist die überprüfbare, endgültige und vollkommene Denuklearisierung vereinbart. Aber schon über die Frage, ob eine Atomabrüstung auch für die Amerikaner gelte, ist strittig. Nordkorea vermutet, dass die USA in den Gewässern vor der koreanischen Halbinsel unter anderem mit Atomwaffen bestückte U-Booten liegen haben.

Trump geht mit dem Treffen nun das Risiko eines späteren Scheiterns bewusst ein: Die spektakulären Bilder von der am stärksten gesicherten Grenze der Welt, an der sich noch immer eine Million Soldaten aus Süd- und Nordkorea gegenüberstehen, sind für den Wahlkämpfer Trump ein unschätzbarer und mächtiger Trumpf. Nicht umsonst verweist er darauf, dass eine solche Begegnung, wie er sie erreicht hat, unter seinem Vorgänger Barack Obama nicht möglich gewesen wäre.

Der damalige US-Präsident Bill Clinton hatte nach seinem Besuch an der innerkoreanischen Grenzlinie im Jahr 1993 noch von „einem der angespanntesten Orte der Welt“ gesprochen. Trump sah am Sonntag einen Ort, der einige Schritte der Entspannung hinter sich hat. Der „Waffenstillstandsort“ Panmunjom ist inzwischen entmilitarisiert. Und die Soldaten an anderen Stellen entlang der Grenze tragen keine Helme mehr, wie US-Medien detailgenau beobachteten. „Es ist ein anderer Ort geworden“, sagte Trump.

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