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Pekings neuer Flughafen Hier kann Berlin noch etwas lernen

BER: Warum der Bau des Hauptstadtflughafen in Peking so viel besser klappt Quelle: imago images

Peking und Berlin haben etwas gemeinsam – beide arbeiten an einem neuen Hauptstadtflughafen. Der Unterschied: Was in Deutschland schon 13 Jahre dauert, klappt in China in Rekordzeit.

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In der neuen Abflughalle wuseln Hunderte Arbeiter mit gelben Helmen umher. Mit Hilfe von Hebebühnen isolieren sie die letzten Fenster der gewaltigen Dachkonstruktion. Kabel werden verlegt, Schweißnähte kontrolliert, Rolltreppen und Fahrstühle installiert.

So sieht es aus, wenn in der chinesischen Hauptstadt Peking ein neuer Flughafen kurz vor der Fertigstellung steht. „Wir arbeiten in zwei Schichten“, sagt Projektleiter Li Jianhua beim Rundgang über die Baustelle: „Unser Ziel ist es, diesen Flughafen betriebsbereit zu machen.“

Keine Zeit darf verloren gehen. Auf einer Anzeigetafel am Eingang läuft für jeden Arbeiter sichtbar die Uhr herunter. 121 Tage, 8 Stunden, 23 Minuten und 09 Sekunden. Am 30. Juni soll alles fertig sein.

Anders als in Berlin steht in Peking fest, dass der gesetzte Termin für den neuen Hauptstadtflughafen 60 Kilometer südlich vom Stadtzentrum auch eingehalten wird. Im September 2015 begannen die Arbeiten – keine vier Jahre später ist der „Seestern“ mit seinen sechs charakteristischen Seitenarmen, die später zu den Flugzeugen führen werden, so gut wie fertig. Vorteil der Architektur mit den gleich langen Seitenarmen: Bis zu jedem Gate ist der Laufweg nie länger als 600 Meter.

200.000 Kubikmeter Stahl und 100.000 Kubikmeter Beton wurden für den neuen Airport verbaut. „Das ist so, als würde man jeden Tag ein 18-stöckiges Gebäude hochziehen“, sagt Bauleiter Li.

Die Chinesen haben es mit ihrem penibel geplanten Großprojekt so eilig, weil der bisherige Flughafen im Osten der Hauptstadt, der erst 2008 zu den Olympischen Spielen ein neues Terminal erhielt, aus allen Nähten platzt. Angefragte Flugrouten müssen abgelehnt werden, weil dort mit 100 Millionen Passagieren im vergangenen Jahr schon mehr Fluggäste starteten und landeten, als eigentlich zugelassen sind. Nur der Flughafen von Atlanta erreicht weltweit ein ähnlich hohes Passagieraufkommen.

So sieht der größte Flughafen der Welt aus

Der neue Airport im Pekinger Stadtteil Daxing soll Entlastung bringen. Bis 2025 rechnen die Planer dort mit 72 Millionen Passagieren. Langfristig soll die Zahl auf mehr als 100 Millionen Fluggäste und mehr als 880.000 Flüge pro Jahr steigen. Es wird dann „der größte Flughafen der Welt“, sagen die Chinesen selbstbewusst vorher.

Auch für Sheng Guangyao, einem Stadtforscher der Akademie der Sozialwissenschaft in Shanghai, steht fest, dass der Zeitplan des Mammut-Projektes auf jeden Fall eingehalten wird. „Europa ist entwickelt und hat es vielleicht nicht mehr so eilig“, sagt der Wissenschaftler. Anders als in Deutschland, wo die Interessen viele verschiedener Seiten unter einen Hut gebracht werden müssten, würden in China Großprojekte aus einer Hand geplant.

Dass in China alles etwas schneller geht, hat aber sicher noch einen anderen Grund. Hürden räumt die kommunistische Führung rigoroser aus dem Weg, als es in westlichen Demokratien möglich wäre. Noch bevor die Arbeiten am Flughafen in Peking begannen, rückten Planierraupen an, um Platz zu schaffen. Dutzende Dörfer wurden dem Erdboden gleich gemacht. Die Anwohner wurden zwar entschädigt. Eine Wahl hatten sie aber nicht.

„Das ist so, als würde man jeden Tag ein 18-stöckiges Gebäude hochziehen“, sagt Bauleiter Li. Foto: Jörn Petring

China ist schon heute die Nation mit den meisten Flughäfen der Welt. Als in Berlin 2006 der Grundstein für den BER gelegt wurde, waren in China 142 Flughäfen in Betrieb. Bis Ende 2018 sind noch einmal knapp 93 dazugekommen. Bis 2025 sollen nach Plänen der Regierung noch einmal 85 neue Flughäfen entstehen.

Doch werden all diese Airports wirklich gebraucht?

„China verfügt derzeit besonders im mittleren Westen des Landes nicht über genügend Flughäfen“, sagt Zhao Jian, Professor an der Pekinger Universität für Transport. Die Region, die von Bergen durchzogen ist und in der die Großstädte weit entfernt voneinander liegen, sei für Flüge besser geeignet als für Schnellzüge.

Anders sehe das aber im dicht besiedelten Osten und Süden des Landes aus, wo das massiv ausgebaute Zugnetz immer mehr mit dem Flugverkehr konkurriert.

China verfügt schon heute über das mit Abstand längste Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt. Bis 2020 sollen es 30.000 Kilometer werden. In Verbindung mit all den neuen Flughäfen „ergeben sich Risiken für überflüssige Konstruktionen“, sagt Professor Zhao. Daran, dass der neue Pekinger Flughafen zu einem Erfolg wird, zweifelt aber auch er nicht.

Dafür ist das Projekt auch politisch von zu großer Bedeutung. Der neue Hauptstadtflughafen ist eines der Lieblingsprojekte von Chinas Präsident Xi Jinping. Schon mehrfach besuchte er die Baustelle und rief zu einer pünktlichen Fertigstellung auf. Für ihn ist der Flughafen nicht weniger als ein Symbol für den „Wiederaufstieg“ des chinesischen Volkes in der Welt.

Dementsprechend gewählt ist auch der Eröffnungstermin. Nach der Fertigstellung des Baus im Juni soll die Einweihung genau zum 1. Oktober erfolgen – dem 70. Geburtstag der Volksrepublik.

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