US-Präsidentschaftswahlen Donald Trump siegt triumphal – und lässt die Welt zittern

Sensation bei der US-Wahl: Donald Trump, den alle Demoskopen und US-Medien abgeschrieben hatten, wird neuer US-Präsident. Die Clinton-Wähler verharren in Schockstarre, die Welt reagiert besorgt.

Die wichtigsten Stationen im Leben des Donald Trump
1946Geboren am 14. Juni als viertes von fünf Kindern von Mary und Frederick C. Trump (links): Donald Trump ist der Sohn deutscher Einwanderer und erfolgreicher Immobilienunternehmer. Quelle: AP
1959-1964Schüler der New York Military Academy. Quelle: AP
1964-1966Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Fordham University in New York. 1966-1968Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Wharton Business School in Philadelphia (im Bild). Quelle: Wharton School
1968Eintritt ins Familienunternehmen
ab 1974Investitionen in Hotels, Casinos und Luxus-Apartment-Gebäude; Rechte an Miss-Wahlen, mehrere Biografien, eigene Möbel- und Modemarken. Quelle: AP
1977Hochzeit mit dem Model Ivana Marie Zelnickova und Geburt von Sohn Donald Jr. (im Bild). Quelle: AP
1981Geburt von Tochter Ivanka. Quelle: AP

Die Hillary-Clinton-Fans sind auf dem Heimweg von Philadelphia nach New York. Sie haben ein rauschendes Fest gefeiert. 32.000 Menschen säumten den Platz vor der Independence Hall am Montagabend und jubelten der demokratischen Präsidentschaftskandidatin zu.

Im Zug nach Hause wird um Punkt Mitternacht eine Sektflasche geköpft. „Wahl-Tag! Noch 24 Stunden, dann ist Hillary unsere neue Präsidentin“, ruft eine brünette Mittzwanzigerin im „Frauen-for-Hillary“-Pullover.

Die Clinton-Unterstützer, die Kandidaten und ihr Team selbst, die Medien und Demoskopen: Sie alle waren sich sicher, dass die Demokraten die Präsidentschaftswahlen gewinnen. Die New York Times bezifferte Clintons Siegchancen am Morgen des Wahltages auf 85 Prozent.

Doch wie schon beim Brexit-Votum wichen Prognosen und Wahlverhalten dramatisch voneinander ab. Am Wahlabend füllte sich die US-Landkarte nach und nach rot – die Farbe der Republikaner. Trump holte die umkämpften Bundesstaaten Florida, North Carolina und Ohio. Spätestens da brach unter den Clinton-Wählern Panik aus. Als Trump dann auch noch in Michigan und Wisconsin früh die Führung übernahm, war er nicht mehr aufzuhalten. Inzwischen haben wir Gewissheit: Donald Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten.

Seine Wahl ist ein Schock. Die bekannten Muster vom Brexit-Votum wiederholen sich: Die heimische Währung gab über zwei Prozent im Vergleich zum Euro nach, die Aktienmärkte stürzten ab. Der Leitindex droht zum Handelsbeginn so stark runter zu rauschen wie zuletzt am 11. September 2001. Auf der Wahlparty von Hillary Clinton brachen Anhänger in Tränen aus. Viele blickten versteinert auf die TV-Bildschirme.

Trumps wirtschaftspolitische Pläne

Wie beim britischen EU-Referendum machten erneut die Globalisierungsverlierer, die Enttäuschten und Verbitterten den Unterschied. Donald Trump spricht diese Wähler seit Anbeginn seiner Kampagne an: er bricht mit den Traditionen seiner eigenen Partei, wettert gegen den Freihandel. Will, dass Firmen primär Jobs in den USA schaffen. Wer abwandert, muss mit Strafzöllen rechnen. Das kommt in den ehemaligen Industriehochburgen von Michigan und Pennsylvania gut an. Beide Staaten, ursprünglich demokratisches Kernland, stimmten mehrheitlich für Donald Trump. So auch Ohio und gar Wisconsin, ein Staat, mit dem die Demokraten – neben Michigan – fest gerechnet hatten.

Doch Tradition hat für die Verzweifelten und Wütenden keinen Wert mehr. Vor allem nicht, wenn die demokratische Kandidatin Hillary Clinton heißt. Eine Frau, die zwar ihre Herkunft aus armen Verhältnissen betont, aber inzwischen längst den Kontakt zur Basis verloren hat. Die ehemalige First Lady und Außenministerin spricht heute lieber – hoch bezahlt – vor Bankern, denn vor Arbeitern mit ölverschmierten Fingern. Im Wahlkampf setzt sie auf akademische Themen: „equal pay“ und Klimaschutz.

Es tauchen Redemanuskripte auf, die zeigen, dass Clinton zwei politische Positionen hat: eine, für die sie tatsächlich steht – und eine zweite, die sie der Öffentlichkeit auftischt. Die E-Mail-Affäre tut ihr Übriges. Noch am Wahltag sagen 53 Prozent der US-Amerikaner in Wahlnachbefragungen, eine Präsidentschaft Clinton sei „besorgniserregend“ oder gar „erschreckend“.

Vatikan betet für Erleuchtung Trumps
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon „Nach einem hart umkämpften und oft spaltenden Wahlkampf lohnt es, daran zu erinnern und sich neu bewusst zu machen, dass die Einigkeit in Vielfalt in den Vereinigten Staaten eine der größten Stärken des Landes ist“, sagte Ban laut Mitteilung am Mittwoch in New York. „Ich rufe alle Amerikaner dazu auf, diesem Geist treu zu bleiben.“ Die Vereinten Nationen erwarteten von den USA, dass sie sich auch weiterhin an internationale Kooperationen halten und unter anderem den Kampf gegen den Klimawandel und die Stärkung der Menschenrechte vorantreiben. Ban bedankte sich auch bei der unterlegenen Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton. „Sie ist ein mächtiges Symbol für Gleichberechtigung von Frauen und ich habe keinen Zweifel, dass sie weiterhin zu unserer Arbeit weltweit beitragen wird.“ Quelle: REUTERS
Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto„Mexiko und die USA sind Freunde, Partner und Verbündete, die weiterhin zusammenarbeiten sollten für die Wettbewerbsfähigkeit und die Entwicklung von Nordamerika“, schrieb Nieto am Mittwoch auf Twitter. „Ich vertraue darauf, dass Mexiko und die USA ihre Beziehungen in Kooperation und gegenseitigem Respekt weiter ausbauen.“ Quelle: REUTERS
Kanadas Premierminister Justin Trudeau Quelle: REUTERS
Chinas Präsident Xi Jinping Quelle: AP
Russlands Präsident Vladimir Putin Quelle: REUTERS
Bundespräsident Joachim Gauck Quelle: dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU Quelle: REUTERS

Dann – so die Mehrheit der US-Wähler – doch lieber Trump. Im Januar 2017 wird er ins Weiße Haus einziehen. Und dann? Biografen wie David Johnston haben im Vorfeld eindringlich gewarnt. „Trump hört nicht auf Berater, er lässt sich politische Zusammenhänge nicht erklären, er bildet sich nicht fort“, so der Journalist und Buchautor.

Trump vertraue auf sein Bauchgefühl, gäbe nichts auf Traditionen und Bündnisse. Johnston schlussfolgert im WirtschaftsWoche-Interview: „Amerika wird einen Trump-Sieg überleben. Aber es hätte gewaltige negative wirtschaftliche und außenpolitische Konsequenzen; es würde globale Krisen kreieren und uns weit zurückwerfen.“

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