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USA Die Supermacht kämpft sich zurück

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Hoffnungen in der Provinz

Für sie hält die Krise an: LeeAnn Robinson hilft überschuldeten Hausbesitzern. Vor allem in Florida ist die Immobilen-Krise noch längst nicht überwunden.

Sechs Monate hat Barry dort Chemie, Physik, und Mathe gebüffelt. In den vergangenen Wochen kam noch ein Crashkurs in Deutsch hinzu. Jetzt ist er einer von 51, die für ein halbes Jahr nach Deutschland ins Wacker-Werk nach Burghausen in Süddeutschland fahren dürfen, um im dortigen Betrieb auch die Praxis kennenzulernen. Immerhin 19 Dollar erhält er pro Stunde. „Nicht viele Unternehmen geben einem heutzutage so eine Gelegenheit“, freut sich Barry.

„Chattanooga zeigt, dass wieder gewerblich-technische Berufe in Amerika entstehen können“, sagt Joe Kelly. Die Amerikaner müssten ihrer Jugend endlich wieder mehr technische Berufe beibringen und sie nicht nur in die Finanzindustrie locken, sagt der 52-Jährige. Kelly ist aus Pennsylvania für einen neuen Job nach Chattanooga gezogen. Er arbeitet als Manager für Siag.

Florida leidet noch immer unter der Immobilien-Krise

Für Ted Alling müsste es mehr Städte wie Chattanooga geben. Den 34-Jährigen mit der randlosen Brille und dem runden Gesicht hat die dynamische Unternehmenskultur von Alabama nach Chattanooga gezogen. „Die alten Schwerindustriezeiten werden nicht wiederkommen“, sagt Alling und gründete Access America, ein Logistikunternehmen, das Lastwagen quer durch das Land an Unternehmen vermittelt. Daneben betätigt er sich als Inkubator und fördert Jungunternehmer. „Wir haben Hunderte Pläne von jungen Technikfirmen erhalten – alle aus der Umgebung“, sagt Alling. „Es läuft gut in Chattanooga.“

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    LeeAnn Robinson ist weniger euphorisch als der Jungunternehmer. „Viel zu wenig tut die Obama-Regierung, um denjenigen zu helfen, die es wirklich nötig hätten“, sagt die 52-Jährige. Robinson ist Geschäftsführerin der Non-Profit-Organisation Neighborhood Housing Services (NHS) in Südflorida. „Vier Jahre liegt die Immobilienkrise zurück“, sagt die resolute Frau, „aber wir sehen hier kaum eine Besserung.“ Seit dem Rekordhoch Anfang 2006 sind die Preise für Eigenheime im ganzen Land um mehr als ein Drittel abgestürzt.

    Mit am schlimmsten betroffen ist immer noch Florida. Ein Viertel aller Hausbesitzer in Miami könne die Raten für ihre Häuser nicht zahlen, so Robinson. Verkaufen ginge auch nicht, weil die Schulden höher sind, als das jeweilige Haus noch wert ist. Robinson und ihre 60 Mitarbeiter versuchen Zwangsvollstreckungen zu verhindern und verhandeln direkt mit den Banken, um Ratenzahlungen und Hypothekenkredite neu zu berechnen. Finanziert wird die Organisation mit Regierungsmitteln und Spenden.

    Inzwischen ist auf dem Immobilienmarkt eine leichte Erholung zu spüren. Im Januar legten die Baubeginne um 1,5 Prozent gegenüber dem Vormonat zu, die Baugenehmigungen verzeichneten ein Plus von 0,7 Prozent. „Doch die Erholung ist nur sehr moderat“, sagt Jed Smith von der National Association of Realtors in Washington. Zu lange habe sich die Regierung darauf verlassen, die Banken würden freiwillig die Hypothekenraten für diejenigen senken, die ihr Haus nicht mehr bezahlen können. Nun hat sich nach monatelangen Verhandlungen die Regierung in Washington mit fünf großen Banken auf Hilfen für gefährdete Hausbesitzer geeinigt. Die Finanzinstitute stellen 26 Milliarden Dollar für Hausbesitzer zur Verfügung, deren Hypothek höher ist als der Wert ihres Hauses. Sie erhalten entweder eine günstige Neufinanzierung oder einen Schuldenschnitt. Für Obama ist das ein wichtiger Erfolg.

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