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Wertverfall Das Ende des Petro-Dollar

Mit jeder Krise im Nahen Osten verlieren die USA an Glaubwürdigkeit und Einfluss. Das Machtvakuum ermöglicht neue Allianzen. Die Rolle des Dollar als Öl- und Leitwährung steht auf dem Spiel.

Welche Währungen jetzt noch sicher sind
Vor allem dank hoher Ölreserven hat Norwegen weniger Schulden und wächst stärker als die Euro- Zone. Der Euro leidet unter der Schuldenkrise. Die Weltwährung Gold hängt den Euro um Längen ab, nur gegen den ebenfalls schuldengebeutelten US-Dollar behauptet sich die Gemeinschaftswährung. Klicken Sie durch unsere Bildergalerie und lesen Sie, welche Währungen noch sicher sind - und wovon Ableger besser die Finger lassen sollten. Quelle: Thomson Reuters, Bloomberg, Eurostat, Deutsche Bank, IWF/World Economic Outlook Database, April 2011, eigene Recherche Quelle: Laif
Die Norwegische Krone profitiert von den geringen Schulden und dem starken Wachstum Norwegens. 1) Deutsche-Bank-Schätzung für 2011; 2) 2011, in Prozent des BIPs
Der Euro behauptete sich zwar gegen den US-Dollar, Gold hängt ihn jedoch um Längen ab. 1) Deutsche-Bank-Schätzung für 2011; 2) 2011, in Prozent des BIPs 3 Eurostat-Prognose für 2011
Der Franken ist noch zu teuer. 1) Deutsche-Bank-Schätzung für 2011; 2) 2011, in Prozent des BIPs
Australien lockt mit hohen Renditen. 1) Deutsche-Bank-Schätzung für 2011; 2) 2011, in Prozent des BIPs
Kanadas Wirtschaft hängt eng an den USA. 1) Deutsche-Bank-Schätzung für 2011; 2) 2011, in Prozent des BIPs
China hält seine Währung künstlich unten, will aber aufwerten. 1) Deutsche-Bank-Schätzung für 2011; 2) 2011, in Prozent des BIPs

Zwei Kriege und eine Wirtschaft am Rande der Depression haben die Vereinigten Staaten von Amerika politisch nachhaltig geschwächt. Mit jeder Krise im Nahen Osten wird die Führungsschwäche der USA deutlicher. Offensichtlich fehlt der Obama-Administration eine strategische Vision für den Nahen Osten. Die amerikanische Politik ist reaktiv, eine kohärente Strategie zur Eindämmung der einzelnen regionalen Krisen ist nicht zu erkennen. Die Entwicklung in Ägypten macht dies deutlich. Zuerst haben die USA dort den so genannten arabischen Frühling unterstützt und damit den Sturz des Ex-Militärs Husni Mubarak in Kauf genommen - zum Entsetzen der Saudis. Zwei Jahre und einen von der Muslimbrüderschaft unterstützten Präsidenten folgt die stillschweigende Zustimmung zum Militärputsch. Dabei hatten die USA zwei Tage Zeit, um auf die von Abdel Fattah al-Sisi, dem Oberbefehlshaber der ägyptischen Armee, angekündigte Machtübernahme zu reagieren.

Die Maßnahmen der Notenbanken gegen die Krise

Die Eskalation im syrischen Bürgerkrieg ist ebenfalls eine direkte Folge der amerikanischen Führungsschwäche. Die Obama-Administration hat so gut wie nichts unternommen, um den Iran von einer Unterstützung des Assad-Regimes abzuhalten. Nicht einmal der Irak konnte dazu bewegt werden, ein Überflugverbot für die mit Waffen und Munition beladenen iranischen Transportmaschinen einzurichten. Inzwischen sind Syrien und der Irak zu einem Kampfgebiet für Sunniten und Schiiten unter Beteiligung der Dschihadisten beider Sekten geworden. Der sunnitisch-schiitische Konflikt kann sich jederzeit zu einem Flächenbrand in der arabischen Welt ausweiten.
Im Irak dreht sich die Spirale der Gewalt unter Sunniten und Schiiten beinahe wieder so schnell wie während des Bürgerkrieges 2006 und 2007. Bleibt Baschar al-Assad an der Macht, laufen die USA Gefahr, den Irak an den schiitischen Iran zu verlieren. Das wäre ein Schock für das sunnitisch dominierte Saudi-Arabien. Dessen riesige Ölfelder liegen im Osten des Landes, wo der Bevölkerungsanteil von Schiiten hoch ist. Auch die Sicherheitsgarantie der USA für die saudische Herrscherfamilie wäre dann in Frage gestellt. Ebenfalls die Rolle des Dollar als Abrechnungswährung für Erdöllieferungen.

Deutsche glauben nicht ans Ende der Eurokrise
Vier von fünf Bundesbürgern (81 Prozent) sind davon überzeugt, dass die Eurokrise noch nicht ausgestanden ist. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Insa im Auftrag der „Bild“-Zeitung. Dagegen glauben nur sieben Prozent der Befragten, die Krise sei beendet. Sorgenvoll verfolgen viele Bundesbürger die Entwicklung in Griechenland. Nur 34 Prozent sehen das Land auf dem richtigen Weg. Hingegen sind 39 Prozent davon überzeugt, dass Griechenland sich nicht ernsthaft um Reformen bemüht, die das Land wieder zukunftsfähig machen. „Für die überwältigende Mehrheit der Deutschen ist die Eurokrise noch nicht vorbei. Diese Befürchtung wird auch Einfluss auf die Wahlen zum Europäischen Parlament haben“, sagte INSA-Chef Hermann Binkert der Zeitung. Quelle: dpa
Der Chef des Euro-Rettungsfonds ESM hat Griechenland davor gewarnt, bei einer Rückkehr an den Finanzmarkt zu viel für frisches Kapital zu zahlen. Das hoch verschuldete Land musste als erstes unter den Rettungsschirm der Euro-Länder schlüpfen und entging nur so einem Staatsbankrott. ESM-Chef Klaus Regling sagte der Wochenzeitung "To Vima", es sei natürlich, dass Griechenland nunmehr die Märkte testen wolle. Es sollte den Investoren aber keine zu hohe Rendite zahlen, um seine Schuldenlast nicht weiter zu erhöhen. Die griechische Regierung müsse sich überlegen, welchen Preis sie bereit sei zu zahlen, sagte Regling dem Blatt. Quelle: AP
Italiens neue Regierung will sich für eine Abschwächung der EU-Haushaltsziele einsetzen. Das machten Ministerpräsident Matteo Renzi und Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan bei der Vorlage ihrer Sparpläne deutlich. Beide kündigten an, Italien werde seine im Juli beginnende EU-Präsidentschaft dazu nutzen, die Vorgaben auf den Prüfstand zu stellen. "Wir wollen mehr denn je die Richtung Europas ändern", sagte Renzi. Italien stärke aber seine Position, wenn es seine Finanzen momentan im Zaum halte. Die Äußerungen legen nahe, dass Frankreich in den Bemühungen, mehr Zeit für die Erreichung seiner Haushaltsziele zu erhalten, mit Italiens Unterstützung rechnen kann. Renzi legte Vorschläge für die Finanzierung eines 6,7 Milliarden Euro schweren Steuersenkungsprogramms vor. Ein Großteil solle durch Ausgabenkürzungen im Umfang von 4,5 Milliarden Euro erwirtschaftet werden, sagte er vor Journalisten. 2,2 Milliarden Euro würden durch höhere Mehrwertsteuereinnahmen und Bankensteuern gedeckt. Quelle: REUTERS
Investors George Soros und Ex-Bundesbank-Chefvolkswirt Otmar Issing diskutierten an der Frankfurter Universität über die Rolle Deutschlands in der Euro-Krise. Vor der Bundestagswahl hatte Soros betont: Deutschland muss seine Verantwortung für die Eurozone akzeptieren oder aus dem Euro austreten. Die erste Variante bedeutet nach Soros' Lesart: Deutschland soll mehr Geld auf den Tisch legen. Inzwischen habe sich die Wahl jedoch erübrigt. „Jetzt ist die einzige Alternative für Deutschland seine dominante Position zu akzeptieren.“ Es müsse als „wohlwollender Hegemon nach Wegen suchen, die Schuldnerländer aus der Schusslinie zu bringen", fordert er. Quelle: dpa
"Keine Nation hat zwischen 2009 und 2013 weniger auf Austerität gesetzt als Deutschland", behauptet Paul Krugman und verweist auf eine Grafik. Das Problem an der Behauptung: Deutschland hat schon Anfang des Jahrtausends mit der Agenda 2010 schmerzhafte Reformen umgesetzt. Dadurch hatte Berlin einen zeitlichen Vorteil und brauchte sich in den Krisenjahren nicht verbiegen. Quelle: REUTERS
Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, Michael Hüther, sowie der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher und der Leiter der europäischen wirtschaftswissenschaftlichen Denkfabrik Bruegel, Guntram B. Wolff, haben sich in der "F.A.Z." hinter das Anleihe-Kaufprogramm und die Niedrigzinspolitik der EZB gestellt. Die Debatte um die EZB-Politik werde in Deutschland „zugespitzt und mit scharfem Ton geführt“, bemängelten die drei Wissenschaftler. Dies sei schädlich, "denn einerseits scheint es so, dass die Kritik vielfach von dem Erfahrungsgrund der Bundesbank ausgeht und die Bedingungen der Geldpolitik in einer Währungsunion verkennt, und andererseits ist die europäische Krise noch nicht überwunden.“ Die Klagen der Deutschen über zu niedrige Zinsen watschten sie ab: "Es kann nicht die Aufgabe der EZB sein, die Geldpolitik auf ein einziges Land auszurichten, sondern Geldpolitik muss für die Eurozone als Ganzes umgesetzt werden." Quelle: dapd
"Der EZB-Rat sollte sich zu umfangreicheren Wertpapierkäufen durchringen", sagte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger tags zuvor in einem Interview. Der Ökonom, der die Bundesregierung berät, ist sich sicher: "Damit kann man dafür sorgen, dass es erst gar nicht zu einem Abrutschen des Euro-Raums in die Deflation kommt." Für Bofinger haben die Hüter des Euro um EZB-Präsident Mario Draghi noch Nachholbedarf: "Im Vergleich hat die EZB bislang sehr konservativ agiert." Nicht kleckern, sondern klotzen ist deshalb wegen der mit 0,7 Prozent für den Geschmack vieler Ökonomen zu niedrigen Teuerung auch für Bofinger die Devise: "Maßnahmen wie eine weitere kleine Zinssenkung oder ein längerfristiges Versprechen, die Leitzinsen extrem niedrig zu lassen - meinetwegen auch verbunden mit einem konkreten Zeitrahmen -, sind alles nur Tropfen auf den heißen Stein in der aktuellen Lage." Quelle: dapd

Die USA könnten dann die Erfahrungen Großbritanniens machen. Bis in die 1950er Jahre hinein waren die Briten die Schutzmacht im Nahen Osten. Der Sturz des letzten ägyptischen Königs Faruk 1952 änderte alles. Großbritannien hatte nach dem zweiten Weltkrieg immense Kriegsschulden gegenüber den USA. Bereits vor Ausbruch der ägyptischen Revolution 1952 drohten deshalb die Notenbanken der USA und Frankreichs mit dem Verkauf von britischen Staatsanleihen und des britischen Pfund. Die Amerikaner wollten die Briten als Schutzmacht im Nahen Osten ablösen und den Dollar als weltweite Leitwährung etablieren. Die diplomatische Niederlage der Briten in der Suez-Krise 1956 war das endgültige Ende des Pfund Sterling als Ölwährung. Die Folge war ein massiver Pfundüberhang an den Devisenmärkten. Dadurch hat sich in den Folgejahren ein ständig wachsender Inflationsdruck aufgebaut auf der Insel. Ende der 1960er Jahre stieg die Inflation sprunghaft an. Die britische Wirtschaft hat sich von ihrem damaligen Abstieg bis heute nicht erholt.

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