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Bargeld Schafft die kleinen Cent-Münzen ab!

Ein- und Zwei-Cent-Münzen braucht niemand. Sie werden sinnlos gehortet, verstopfen das Portemonnaie und verursachen hohe Kosten. Andere Staaten zeigen: Es geht auch ohne Kleinstgeld.

Cent-Münzen: Die Herstellungskosten sind höher als der Wert. Quelle: dpa

Heute morgen wog mein Portemonnaie gefühlte zwei Kilo und drückte in der Hosentasche. Es war prall gefüllt; leider nicht mit vielen Scheinen, sondern mit Centstücken, die mir Verkäuferinnen bei Netto und Rewe und der Kioskverkäufer meines Vertrauens bei meinen jüngsten Einkäufen in die Hand gedrückt hatten. Ich kippte das Metall genervt auf den Schreibtisch und fragte mich: Warum gibt es dieses Zeug eigentlich noch? Angeblich sollen die Deutschen mittlerweile 30.000 Tonnen an Kleinstmünzen mit sich herum tragen, in Schubladen lagern oder in Gurkengläsern sammeln, das entspricht in etwa dem Gewicht von 15.000 Nashörnern.

Welche Zahlungsmittel Europäer bevorzugen
Das Geschäft mit dem Versenden von Geld über Smartphone-Apps lockt jetzt auch etablierte Banken an. Die Deutsche Kreditbank (DKB) kooperiert dafür mit dem Startup Cringle. Pro Monat kann ein Nutzer bis zu 100 Euro über die Cringle-App verschicken, abgewickelt wird die Zahlung per Lastschrift von der DKB. Pro Transaktion werden 20 Cent fällig, zum Start wurde die Gebühr auf 10 Cent gekappt. Das neue Angebot trifft bereits auf Wettbewerb im Markt. So bietet der Online-Bezahldienst PayPal seit Juli das Versenden von Geld über seine Smartphone-App in Deutschland an. Für Kunden, die ihren PayPal-Account mit einem deutschen Bankkonto verknüpft haben, ist das Angebot kostenlos, bei Kreditkarten wird eine Gebühr fällig. In vielen europäischen Ländern tun sich moderne Bezahlsysteme jedoch noch so schwer... Quelle: dpa
ÖsterreichOhne Bargeld geht in Österreich gar nichts. 86 Prozent bezahlen an der Kasse in bar, 12 Prozent mit EC-Karte. Eine Kreditkarte kommt nur in einem Prozent der Fälle zum Einsatz. Auf sonstige Alternativen wie Schecks, PayPal, Lastschrifteinzug oder Ähnliches entfällt insgesamt nochmal ein Prozent. Quelle: Deutsche Bundesbank; Europäische Kommission; Deloitte (Stand: 2014) Quelle: dpa
PolenIn Polen werden 80 Prozent der Bezahlvorgänge an der Kasse bar beglichen. Eine EC-Karte nutzen –ähnlich wie in Österreich – 13 Prozent der Bevölkerung. Immerhin werden auch drei Prozent der Bezahlvorgänge durch Kreditkarten abgewickelt. Auf die alternativen Zahlungsmittel entfallen vier Prozent. Quelle: dpa
DeutschlandAuch die Deutschen haben ihr Geld beim bezahlen lieber in fester Form in der Hand – in 79 Prozent der Fälle wird bar bezahlt. Zwölf Prozent der Käufe werden mit der EC-Karte beglichen, weitere sechs Prozent per mit Lastschrifteinzug, Scheck und anderen alternativen Zahlungsmethoden. Quelle: dpa
ItalienZwar ist Bargeld mit 69 Prozent noch immer das beliebteste Zahlungsmittel in Italien, aber auf Platz zwei kommen auch schon alternative Zahlungsmittel mit 17 Prozent. So sind Schecks, Kundenkarten, PayPal und andere Alternativen zusammen genommen bei den Italienern beliebter als die EC-Karte mit neun Prozent und die Kreditkarte mit sechs Prozent. Quelle: dpa
Sagrada Familia Quelle: AP
London Tower Bridge Quelle: dpa

Zu D-Mark-Zeiten gab es den "Glückspfennig" und den schönen Brauch, diesen zu verschenken. Aber ich habe noch nie gehört, dass jemand einen "Glücks-Cent" verschenkt. Ich benutze zwar bisweilen den wunderbaren Spruch von Grete Schickedanz "Der Pfennig ist die Seele der Milliarde", um meinen Söhnen den Wert des Sparens nahe zu bringen. Aber ehrlich gesagt: Für die Spardose sind Centstücke völlig unbrauchbar. Manche Banken lehnen größere Kleingeldeinzahlungen in bar mittlerweile ab.

Wohin mit dem Kleingeld?

Also lieber ausgeben? Für zwei Cent kriegt man am Büdchen noch nicht mal mehr einen Weingummi-Schlumpf. Parkuhren und Ticketautomaten nehmen die kleinen Eisenstücke im Kupfermantel nicht an. Wer im Laden etwas mit Ein- und Zwei-Cent-Stücken bezahlen will, das teurer ist als 50 Cent, erntet wütende Blicke des Einzelhändlers oder darf sein Geld gleich behalten: Eine EU-Verordnung legt fest, dass ein Händler maximal 50 Einzelmünzen von einem Kunden annehmen muss. Da kann es bereits schwierig werden, ein Wassereis mit Ein-und Zwei-Centstücken zu bezahlen.

Wo die Deutschen gerne mit dem Smartphone zahlen würden

Sehen wir uns die ökonomischen Fakten an: Nach Angaben der Europäischen Zentralbank kursieren in Europa über 29 Milliarden Ein-Cent-Münzen und fast 23 Milliarden Zwei-Cent-Stücke. Die Staaten (und damit die Steuerzahler) kommt dies teuer, denn die Produktions- und Transportkosten der Münzen übersteigen deren Wert deutlich. Ein- und Zwei-Cent-Münzen seien "ein erhebliches Verlustgeschäft für das Euro-Währungsgebiet", mahnte die EU-Kommission schon im Mai 2013. Laut Brüssel ist der Euro-Zone kleingeldbedingt allein bis 2013 ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro entstanden.

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