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Beschäftigungsverbote für schwangere Ärztinnen Rebellion gegen einen überzogenen Mutterschutz

Deutsche Ärztinnen wehren sich gegen Beschäftigungsverbote in der Schwangerschaft. Manche Regeln gelten ihnen als überholt, andere als ungenau. Doch ihre Arbeitgeber wollen nicht haftbar gemacht werden.

Operation Quelle: dpa

Maya Niethard ist schwanger. Die Orthopädin arbeitet 2013 als Oberärztin im Helios-Klinikum Berlin-Buch. Eine werdende Mutter, die mit wachsendem Bauch operiert? Das ist in deutschen Kliniken und im Mutterschutzgesetz nicht vorgesehen. Niethard will das aber.

Sehr früh, in der fünften Woche, offenbart sie sich ihrem Chef. Sie will nichts riskieren und beim Röntgen mehr Abstand. „Die meisten Ärztinnen sagen es erst viel später“, weiß die heute 37-Jährige. „Sie wollen kein Operationsverbot und nicht zur Außenseiterin im Team werden.“

Was Ärzte verdienen

Sobald sich eine Kollegin outet, greift der Mutterschutz. Den legen örtliche Behörden und Arbeitgeber meist so aus, dass eine schwangere Ärztin vom Dienst freigestellt wird. Niethard leistet Überzeugungsarbeit und darf weitermachen. Nun ist sie Vorbild.

Gesetz von 1952

Grund für die Verbannung aus dem OP ist das Mutterschutzgesetz von 1952, das Betroffene als nicht mehr zeitgemäß empfinden. „Da steckt noch dahinter, dass eine Frau als Schwangere oder dann mit dem Kind zu Hause sein soll“, sagt die Anwältin und Medizinrechtlerin Rebecca Mohr. Männer und Frauen arbeiteten heute aber beide. Im Joballtag lasse sich einiges organisieren. Der Schutz werde in anderen europäischen Ländern längst flexibler gehandhabt.

Hierzulande aber entscheiden Chefs anders – auch aus Angst vor rechtlichen Problemen. Als zu gefährlich gelten Nadeln, OP-Werkzeuge oder das Infektionsrisiko. „Weil es immer so war, wird ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen“, weiß Orthopädin Niethard. „Meist fehlt in den Kliniken das Wissen, was in der Schwangerschaft ohne Probleme geht.“ Werdende Mütter landen in der Ambulanz, der Dokumentation oder am Ultraschallgerät.

Doch das bedeute nicht immer mehr Sicherheit, kritisiert Niethard. „In der Ambulanz hat man mit 50 bis 70 Patienten am Tag Kontakt.“ Ob jemand ansteckend sei, ist erst einmal unklar. „Im OP wissen wir viel mehr. Außerdem sind wir durch Kittel, Mundschutz und Tücher geschützt.“

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