Bettina Röhl direkt: Die Quote spaltet die Frauen
Mit dem X gegen Klischees
Lann Hornscheidt, Professorin an der Berliner Humboldt-Universität, möchte mit einer kleinen Wortänderung traditionelle Geschlechterrollen in der Sprache aufbrechen. Häufig fühlten sich Studierende diskriminiert, weil sie als „Herr“ oder „Frau“ angesprochen würden, sagte Hornscheidt. Die Wissenschaftlerin am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien schlägt vor, etwa von „Professx“ statt von „Professor“ oder „Professorin“ zu sprechen. Die neutralen Endungen entfernten den Zwang, sich einem Geschlecht zuordnen zu müssen. „Die x-Form soll deutlich machen: Es gibt auch noch mehr als Frauen und Männer.“
Foto: FotoliaSchön dem Herrn Professorin zuhören
Gleichberechtigung schön und gut. Eine Radikalkur in Sachen Feminismus gibt es an der Uni Leipzig: Dort sind Männer jetzt auch Frauen - zumindest sprachlich. Denn die neue Verfassung der Universität sieht nur noch weibliche Bezeichnungen vor. Schrägstrichbezeichnungen wie "Professor/in" entfallen und werden durch die weibliche Form ersetzt. So ist mit "Professorin" künftig auch ein Mann gemeint, worauf dann eine Fußnote verweisen soll. Die neue Grundordnung ist zwar noch nicht in Kraft getreten - doch mit einem Widerspruch rechne man nicht.
Foto: dpaFrauenquote für Straßennamen
Für Schlagzeilen sorgt die Gender-Debatte immer wieder. Derzeit steht die Namensgebung für Straßenschilder in Berlin-Kreuzberg im Blickpunkt: Das Jüdische Museum (Foto) möchte seinen Vorplatz nach dem jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn benennen. Doch die Verwaltung sperrt sich dagegen, denn in dem Stadtteil gibt es seit 2005 eine Frauenquote für Straßennamen. Demnach muss die Hälfte der Straßen und Plätze nach Frauen benannt werden. Bis die Quote erreicht ist, dürfen nur noch weibliche Namen vergeben werden.
Foto: REUTERSÄnderung der österreichischen Nationalhymne
Nach langem Rechtsstreit hat Österreich seine Nationalhymne geändert, und ehrt nun nicht mehr nur die „Heimat großer Söhne“ sondern auch der „Töchter“. Aus "Heimat bist du großer Söhne, Volk, begnadet für das Schöne" wurde nach jahrzehntelangen Debatten ab Januar 2012 in der ersten Strophe: "Heimat großer Töchter und Söhne, Volk, begnadet für das Schöne". Geändert wurde auch die dritte Strophe der von Paula Preradovic gedichteten Bundeshymne: Statt „Einig lass in Bruderchören, Vaterland dir Treue schwören" werden nun „Jubelchöre" besungen. Das von manchen bevorzugte "Heimatland" statt "Vaterland" konnte sich hingegen nicht durchsetzen.
Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gmsMädchen mit Pistolen in Schweden
Schweden gilt nicht ohne Grund als Vorreiter in Sachen Gleichstellung. Weihnachten 2012 nahm das neue Ausmaße an: Nach massiven Beschwerden über Rollenklischees in einem Spielzeug-Katalog wurde ein geschlechtsneutraler Katalog herausgebracht. Darin posieren kleine Mädchen mit Spielzeugpistolen, Fußbällen und Autos. Kleine Jungs dürfen dafür mit dem rosa Friseur-Set spielen oder Hunde, die mit Schleifchen dekoriert wurden, Gassi laufen.
Foto: dpaGeschlechtsneutrale Vorschule in Schweden
Und noch einmal Schweden. Dort gibt es eine umstrittene geschlechtsneutrale Vorschule namens „Egalia“. In der Einrichtung sollen die Kinder sich so entwickeln, wie sie es möchten, ohne in stereotype Rollenbilder gedrängt zu werden. Die Worte „Junge“ und „Mädchen“ werden nicht in den Mund genommen, stattdessen sagen die Erzieher/innen „Freunde“. Auch bei der Auswahl der Spielsachen werden Klischees vermieden. So gibt es etwa kein einziges Märchenbuch, weil Märchen Klischees vermitteln; traditionelle Lieder wurden umgedichtet.
Foto: dpaUnisex-Toiletten in Berlin
Der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nimmt sich all jenen an, die sich beim Toilettengang nicht entscheiden können, welche Tür sie nehmen sollen. Wer sich weder als Mann, noch als Frau fühlt, soll zukünftig in öffentlichen Gebäuden Unisex-Toilette nutzen können.
Foto: dpa/dpawebLeitfaden für geschlechtsneutralen Sprachgebrauch
Ein zuweilen grotesk anmutender Auswuchs der Gleichberechtigung ist der geschlechtsneutrale Sprachgebrauch. So hat etwa die Uni Köln (Foto) einen Leitfaden für „geschlechtersensible Sprache“ herausgebracht. Aus dem Bestreben entstehen auch irrsinnige Wortneuschöpfungen wie „Bürger_innensteig“ statt Bürgersteig. Wörter wie „Otto Normalverbraucher“ oder „Krankenschwester“ sollten ausgemustert werden, da es „im Sinne einer gendergerechten Sprache“ vermieden werden solle, „Stereotype zu reproduzieren“, heißt es im Leitfaden. Im alltäglichen Sprachgebrauch hat sich diese Wortakrobatik, Göttin sei Dank, nicht durchgesetzt.
Foto: dpa/dpawebGleichberechtigung auf Spielplätzen
Berliner Bezirke prüfen, ob ihre Spielplätze geschlechtsneutral sind – das heißt, dass sie ebenso für Mädchen und Jungen geeignet sind. Dazu benötigen „nutzungsneutrale Bereiche“ und „multifunktionale Spielangebote“. Dies ergibt sich aus einem 21 Kriterien umfassenden Katalog, mit dem die Berliner Bezirke vorgehen. So haben Studien ergeben, dass Mädchen zwar gerne schaukeln und rutschen - allerdings eher Angst davor haben, wenn diese Spielgeräte im Schatten stehen. Jungen bevorzugen vor allem Bolzplätze und Tischtennisplatten. Mädchen fühlten sich aber davon bedroht, wenn diese nicht klar von anderen Spielbereichen abgegrenzt sind.
Foto: dapdAuch Männer dürfen „Assistentinnen“ sein
Ein Jurastudent „verdiente“ sich einst locker 13.000 D-Mark, indem er sich auf eine Stelle, die für eine „Assistentin“ ausgeschrieben ist, bewarb – er erhielt nie eine Antwort. Als er erfuhr, dass der Job erwartungsgemäß an eine Frau vergeben wurde, verklagt er den Arbeitgeber: Er sei aufgrund seines Geschlechts diskriminiert worden, so die Begründung. Die Immobilienfirma habe ihre Stellenausschreibung nicht geschlechtsneutral formuliert und offensichtlich nur Frauen ansprechen wollen. Die Richter gaben ihm Recht und sprachen ihm letztendlich eine Entschädigung in Höhe von 13.000 DM zu, nachdem zuvor der Europäische Gerichtshof angerufen worden war.
Foto: dapdKinder sollen selbst über ihr Geschlecht entscheiden
Ein Paar in Kanada erzieht seine Kinder geschlechtsneutral, weil es nicht will, dass sie in Schubladen gesteckt werden. Niemand, außer den Eltern, Großeltern und der Hebamme weiß, welches Geschlecht das Kind namens „Storm“ hat. „Storm“ hat schon zwei Brüder mit den geschlechtsneutralen Namen „Jazz“ und „Kio“, die lange Haare haben und auch Kleider oder Rosafarbenes tragen. Sie dürften sich ihre Anziehsachen selbst aussuchen, so die Eltern. „Storm“ soll selbst bestimmen, was „es“ sein möchte und auch den Zeitpunkt, wann das Geheimnis gelüftet wird.
Foto: dpaAngst vor Frauen?
Die Gleichstellungsdebatte führt aber nicht nur zu gesellschaftlich und politischen skurrilen Auswüchsen. Auch einzelne Personen verkündeten eine durchaus seltsam anmutende Änderung ihres Verhaltens. So etwa der Fraktionsvorsitzende der FDP in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, der hier Parteikollegin Cornelia Pieper nach ihrer Wahl zur neuen FDP-Landesvorsitzenden in Sachsen-Anhalt charmant gratuliert. Nach der Sexismus-Debatte um Rainer Brüderle und Stern-Journalistin Laura Himmerlreich kündigte er an, keine Journalistinnen mehr Wahlkampfbegleitung in seinem Auto mitnehmen zu wollen. So wolle er vermeiden, dass eine lockere Bemerkung gegen ihn verwendet werde.
Noch skurriler waren die zur Brüderle-Debatte aufgetauchten Ratschläge, dass Männer besser nicht mehr alleine mit hübschen jungen Frauen im Fahrstuhl fahren sollten. Man(n) kann ja nie wissen...
Foto: dpaEs gibt zur Frauenquote tonnenweise gedrucktes Papier und nicht enden wollende Reden, aber das Ding ist eigentlich simpel bis primitiv: Bei gleicher Qualifikation soll die Frau den Job bekommen und den gleich qualifizierten Mann verdrängen. Und damit dieses Prinzip in die Gehirne von Männern und Frauen gepresst werden kann, sollen Frauenquoten gleichsam öffentlichkeits- oder werbewirksam in den obersten Chefetagen, in den Vorständen und Aufsichtsräten großer und mittelgroßer Unternehmen implementiert werden und auch in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen, wie Politik, Verwaltung und Kulturbetrieben eingeführt werden.
Die Argumente der Männer, die das Thema mehrheitlich versuchten auszusitzen, sind bekannt. Im Wesentlichen laufen diese Argumente darauf hinaus, dass es neue, diesmal mit umgekehrten Vorzeichen versehene Geschlechterungerechtigkeiten durch die Quote gibt und geben wird.
Das ficht die Quotenbefürworterin allerdings nicht an. Der Radikal-Feminismus hat schon lange die Parole ausgegeben, dass Männer - zumindest in einer längeren Umbruchphase - auch Ungerechtigkeiten, Zurückstellungen usw. erfahren müssen: 20.000 Jahre Patriarchat und Männerherrschaft über Frauen rechtfertigten Männerbenachteiligung sowieso und Frauenbevorzugung allemal.
Auch die Argumente der Minderheit der Frauen, die sich gegen die Quote äußern, sind bekannt und längst verhallt: Die Quote diskreditierte die Frauen, die fortan stets mit dem Makel leben müssten, dass ihre Karriere nicht ihrer Leistung, sondern der Quote geschuldet wäre. Welche Frau möchte schon gern eine bloße Quotilde sein? Das Schlimme ist: Die Quotenfrauen werden sich dummdreist und explizit nicht als Quotenfrau fühlen, sondern im Brustton einer höchst artifiziellen Selbstüberschätzung sagen: "Was habt ihr, ich bin keine Quotenfrau, sondern ich bin eben so gut."
Manuela Schwesig will die Quote natürlich
Und die neue Familienministerin Manuela Schwesig, die, wie ihre Vorgängerin Kristina Schröder von der CDU selber auch ein bisschen Quotenfrau ist, hat sich anlässlich des 101. Frauentages vor ein paar Tagen in ihrer Festrede vor geladenen Gästen in ihrem Ministerium - dass sich eigentlich um alle alle möglichen gesellschaftlichen Gruppen von Kindern, Frauen, Jugendlichen, Senioren kümmert, nur um Männer im zeugungsfähigen Alter nicht - in einer sehr flachen und seichten Rede für die politisch längst beschlossene Frauenquote stark gemacht. Alle Befürworter der Frauenquote reden von leicht unterschiedlichen Prozentsätzen und minimal divergierenden Modalitäten und Anwendungsbereichen, aber es gibt doch den Quoteneinheitsbrei, der im Prinzip die 50 plus X-Quote für die Frau als schlussendliches Ziel im Auge hat und zwar überall dort, wo Menschen über Menschen etwas zu sagen haben.
In den Quotendiskussionen werden einige irreale Prämissen als Realität unterstellt und Realitäten durch Fiktionen ersetzt. Das ist insofern außerordentlich bedenklich, als das irreale Quotenregeln Sand ins Getriebe der Gesellschaft streuen und auch den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährden. Es ist eine schwache Beruhigung, dass der Quotenwahn in allen Ländern der westlichen Welt mehr oder weniger identisch ausgeprägt ist. Insoweit gibt es also keine Wettbewerbsverzerrungen. Anders sieht es allerdings gegenüber den Volkswirtschaften außerhalb der westlichen Sphäre aus.
Deutsche Post
An den Schaltern und als Zusteller arbeiten viele Frauen für die Deutsche Post, nur in den Führungsetagen findet man kaum welche. In Deutschland sind 36 Prozent der Mitarbeiter weiblich, im mittleren und oberen Management sind dagegen nur 19,5 Prozent Frauen tätig. Weltweit ist der Anteil noch niedriger. Weltweit sind nur 18,5 Prozent der Top-Manager bei der Deutschen Post weiblich. Im Rankin der Dax-Konzerne ist das allerdings keine schlechte Platzierung. Die Deutsche Post belegt damit Platz 13.
Einen mitunter deutlich geringeren Frauenanteil in Führungspositionen haben die Deutsche Börse, Continental, Daimler, Heidelberg Cement, BASF, E.On, Linde, Infineon, Siemens, ThyssenKrupp, RWE, SAP, BMW und die Lufthansa.
Foto: dpaDeutsche Bank
Deutschlands größte Bank landet derzeit in puncto Frauenanteil in Top-Positionen nur auf Platz zwölf. In den nächsten Jahren will das Unternehmen aber einiges tun: Bis Ende des Jahres 2015 sollen 25 bis 35 Prozent aller Managing Directors und Directors bei Deutschen Bank Frauen sein. Derzeit sind nur 18 Prozent der Banker, die etwas zu sagen haben, weiblich. In Deutschland sind es noch weniger: Obwohl 47 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland Frauen sind, sitzen nur 16 Prozent Frauen auch in den Führungsetagen.
Foto: REUTERSBayer
30 Prozent der Mitarbeiter bei Bayer Deutschland sind Frauen. International sind 36 Prozent der Angestellten weiblich. In den Führungsetagen des Chemie- und Pharmakonzerns treffen sich dagegen überwiegend Männer: In Deutschland sind zwar 36 Prozent der Topmanager weiblich, weltweit sind es dagegen nur 23 Prozent. Bis Ende des Jahres 2030 soll dieser Anteil auf 30 Prozent steigen.
Foto: dpaDeutsche Telekom
Die Deutsche Telekom will weltweit den Anteil an Frauen im mittleren und oberen Management auf 30 Prozent erhöhen. Ende 2015 soll ein Drittel der Führungspositionen mit Frauen besetzt sein. Noch sind es deutschlandweit bloß 14,6 Prozent, weltweit schafft es der Telekommunikationskonzern immerhin auf 24 Prozent Frauen in Führungspositionen.
Foto: dpaMerck
Was den internationalen Anteil von Frauen in Führungspositionen anbelangt, liegt die Telekom gleich auf mit dem Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA. Auch bei Merck sind weltweit 24 Prozent der Topmanager weiblich. Nur bezogen auf Deutschland überholt Merck die Telekom sogar: 20 Prozent der deutschen Führungskräfte bei dem Chemieriesen sind Frauen. Bei einem Gesamtanteil von nur 38 Prozent an der Belegschaft ist das keine schlechte Quote. Bis Ende 2016 möchte das Unternehmen dafür sorgen, dass an allen Standorten 25 bis 30 Prozent der Führungskräfte Frauen sind.
Foto: dpa
Beiersdorf
Beim Hersteller von Nivea, Tesa und Labello sind zwar etwas mehr als 50 Prozent Frauen beschäftigt, in Deutschland sind allerdings nur 22,5 Prozent der leitenden Angestellten weiblich. Bis Ende 2020 will der Konsumgüterkonzern den Frauenanteil auf 25 Prozent erhöhen. Weltweit sind bereits 25 Prozent der leitenden Angestellten bei Beiersdorf Frauen. Im Vergleich mit anderen Dax-Konzernen liegt das Unternehmen damit im mittleren Drittel.
Foto: dpaCommerzbank
Auch die Commerzbank will ihren Frauenanteil in Führungspositionen erhöhen. Bis 2015 soll ein Drittel der Vorstände und Topmanager weiblich sein. Derzeit sind es deutschlandweit noch nur 24 Prozent, obwohl die Hälfte der Belegschaft Frauen sind. International erreicht die Coba einen Frauenanteil von 25,7 Prozent in den oberen Etagen.
Foto: REUTERSFresenius
Bei Fresenius in Deutschland arbeiten mehr als 70 Prozent Frauen - und nur 22,2 Prozent davon sitzen auch in den Führungsetagen. Zwar ist die Quote von 19,9 Prozent Führungsfrauen im Jahr 2010 auf besagte 22,2 Prozent im Jahr 2012 gestiegen, deutlich repräsentiert sind die Frauen im Fresenius-Vorstand aber nicht. Weltweit ist das Missverhältnis nicht ganz so gravierend, aber dennoch vorhanden. Alle Standorte zusammengenommen, sind 67,6 Prozent der Fresenius-Mitarbeiter Frauen, 27,3 Prozent sitzen in den Führungsetagen.
Was den weltweiten Führungsfrauenanteil bei den Dax-Konzernen anbelangt, schafft es Fresenius damit auf Platz vier.
Foto: dpaAdidas
Beim Sportartikelhersteller Adidas sind deutschlandweit rund 4600 Mitarbeiter beschäftigt, 51 Prozent davon sind Frauen. Im Vorstand oder anderen Führungspositionen sitzen dagegen nur 26 Prozent Frauen. Weltweit sind 28 Prozent Frauen in den Führungsriegen bei Adidas tätig. Von insgesamt 46.623 Mitarbeitern. Im Vergleich der Dax-Konzerne reicht diese Quote leider nicht fürs Treppchen.
Foto: REUTERSMunich Re
Bis Ende des Jahres 2020 sollen beim Rückversicherer Munich Re 25 Prozent der Vorstände Frauen sein. Weltweit konnte der Dax-Konzern diesen Wert bereits überschreiten: 2010 saßen international noch 24 Prozent Frauen in den oberen Managementabteilungen, 2012 waren es schon 29 Prozent. Innerhalb Deutschlands sieht es etwas anders aus: Zwar sind 51 Prozent der Mitarbeiter bei Munich Re in Deutschland Frauen, nach oben haben es aber nur 21 Prozent geschafft. Verglichen mit 2010 ist das ein Anstieg von nur einem Prozentpunkt.
Foto: dpaAllianz
Noch ein kleines bisschen besser steht der Versicherer Allianz auf dem internationalen Parkett da: Weltweit sind 52,5 Prozent der Allianzmitarbeiter weiblich, in den Führungsetagen sind 29,2 Prozent der Manager Frauen. Im Vergleich zu 2010 ist das ein anstieg von 3,7 Prozentpunkte. In Deutschland sind 26,7 Prozent der Mächtigen bei der Versicherung Frauen. Bis zum Jahr 2015 soll der Anteil auf 30 Prozent ausgeweitet werden.
Foto: REUTERSHenkel
Henkel will den Anteil von Frauen auf allen Management-Ebenen weiter ausbauen. Derzeit sind in den deutschen Führungsetagen 30,4 Prozent Frauen tätig, weltweit sind es 30,5 Prozent. Das reicht für einen zweiten Platz im Ranking der Dax-Konzerne.
Die bekannteste Henkel-Frau ist übrigens die Aufsichtsratsvorsitzende und Vorsitzende des Gesellschafterausschusses, Simone Bagel-Trah.
Foto: dpaFresenius Medical Care
Fresenius Medical Care hat zumindest bei Betrachtung aller Standorte den höchsten Frauenanteil in den Führungsetagen. Weltweit sitzen für den Dax-Konzern nämlich 30,9 Prozent Frauen in den oberen Etagen. Allerdings sind - weltweit - auch 70 Prozent der Belegschaft weiblich. In Deutschland sind 45,1 Prozent der Mitarbeiter Frauen, in die Führungsriege haben es nur noch 20,2 Prozent geschafft.
Foto: dpa
Den Quotenfetischisten muss offenbar gesagt werden, was evident ist. Nicht alle Männer sind Führungskräfte, bei weitem nicht. Führungskraft ist per Definition eine Beschreibung einer kleinen Minderheit. Und steckt nun in jeder Frau eine Führungskraft? Diese Frage beantworten die Quotengläubigen, die vor allem dem weiblichen Geschlecht zugehörig sind, mit einem druckvollen, klaren Ja. Eine weiblich geführte Welt ist in jedem Fall besser als eine männlich geführte Welt. Und hinter jedem guten Mann stand im Zweifel sowieso immer eine bessere Frau, die nicht zum Zuge gekommen ist. Nur hinter jedem bösen Mann stand merkwürdigerweise niemals eine noch bösere Frau.
Man muss kein Stephen Hawking der Psychologie sein, um zu erkennen, was evident ist. Trotz aller Destruktionen des Feminismus und des geltenden Genderrechtes verhält es sich in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ganz selbstverständlich so: Trifft irgendwo ein Mann auf eine Frau oder eine Frau auf einen Mann, es wird sich das uralte Rollenspiel zwischen Flirt, Antipathie, zwischen Anziehung und Abstoßung, zwischen Beschützerinstinkt und Muttergefühl, zwischen Macho-Gehabe und Frauenkoketterie, zwischen zwei lahmen Typen oder zwischen wild women und desperate man abspielen. Nur eines wird in der Regel nicht passieren, dass sich die beiden Unbekannten wegen ihrer Karrierewünsche oder ihrer beruflichen Machtträume behaken.
Treffen zwei Männer aufeinander, das wissen die weiblichen Emanzipationspsychologinnen ganz genau, geht sofort der überdies meist hodengesteuerte Hahnenkampf los: Es geht um Karriere, Konkurrenz, Erfolg, Vermögen, Schlag bei Frauen, das größere Auto, das bessere Haus, das bessere Gehalt, der bessere Posten, der schnellere Computer und im Zweifel noch die dickeren Muckis. Und trotzdem schließen Männer oberhalb ihrer Kämpfe Kumpeleien und freundschaftliche Blutsbrüderschaft.
Wenn weibliche Karrieristen aufeinander treffen
Und die Genderpsychologinnen wissen noch ein Übriges, nämlich, dass wenn zwei Frauen aufeinandertreffen, der Regelfall ganz anders aussieht: Weibliche Solidarität trifft auf weibliche Freundlichkeit, weibliches Zuhören, weibliches Sichmitteilen, weibliche Nettigkeit und die rundum weibliche Kompetenz. Klar, es gibt die legendäre Stutenbissigkeit und in der BILD-Zeitung ist gelegentlich - ziemlich frauenfeindlich - vom "Zickenkrieg" zwischen zwei Frauen die Rede, den es aber in Wirklichkeit gar nicht gäbe. Alles von Männern gemacht. Es gibt nun einmal die von den Männern und der Gesellschaft in die Frauen hinein getragenen Eitelkeiten, aber per Saldo zeichnen sich Frauen eben einfach durch die größere Nettigkeit und das Suchen nach Synergien und gegenseitiger Hilfe aus. So ungefähr sieht das Frauenbild aus, das die siegreichen Feministinnen und Genderistinnen zum herrschenden, gesellschaftlichen Geschlechterbild gemacht haben. Von Frauen und Männern kaum noch hinterfragt.
Aber wie sieht es nun in der Realität aus, wenn zwei Frauen denselben Posten, den selben Karrieresprung im Auge haben oder einfach nur so, wenn zwei Frauen sich in der Kita ihrer Kinder, im Tennisclub oder im Freundeskreis treffen? Man könnte es auch so beschreiben: Frauen sehen sich zuallererst mit Argusaugen in Bezug auf ihr Aussehen, ihre Sexiness an: Wie viel Jugend, Attraktivität, wie viel Temperament und wieviel Klasse hat die andere? Und dann geht es weiter: In welchem Beruf ist die Konkurrentin ausgebildet, und wo arbeitet sie? Hat sie einen erfolgreichen Mann, sieht der gut aus? Verdient sie gut und verdient er gut? Hat sie ein Haus, Kinder, einen guten Job? Wie meistert sie ihr Leben? Und dann, könnte man sagen, schließen Frauen über all diese Konkurrenzien hinweg Freundschaft oder haben Sympathie füreinander.
Sicher: Es könnte sein, dass Frauen nicht ganz so intensiv auf ihre eigene Karriere bezogen sind wie Männer. Wären Frauen genauso karriereausgerichtet wie Männer, dann hätten sie auch längst ohne jede Quote die Top-Positionen in identischer Zahl erreicht. Denn die Frauen, die vergleichsweise karrierebezogen sind, sind in der Regel ein ordentliches Stück auf der Karriereleiter geklettert und besetzen schon heute hohe Posten. Da sollen die Quotenfrauen bitte die Frauen nicht schlecht machen und so tun, als bräuchten die Frauen Quotennachhilfe, weil sie es im Wettstreit sonst nicht packen würden.
Genau an diesem Punkt, nämlich dort wo man zugeben muss, dass auch und gerade unter Frauen Konkurrenzen vorhanden sind, offenbart sich der Quotenwahn als eine Ideologie fernab der Realität. Es ist eben nicht so, dass der Quotenmakel der wesentliche Nachteil für Frauen ist. Es ist eben nicht so, dass die Frauenquote nur die Frauen stört, die via ihrer Leistung Karriere machen wollen und deshalb keine Quote wollen.
Die entscheidende Frage ist eher: Welche Frau wird vom Quotensystem gefördert? Und von wem? Die Quotenregel hat einen im öffentlichen Diskurs bisher wenig belichteten spezifischen, aber gravierenden Nachteil für Frauen. Denn in Zukunft wird nicht mehr die Leistung einer Frau über ihre Karriere entscheiden, sondern ein Quotensystem. Das entscheidet darüber, ob eine Frau in das System passt und sich systemkonform verhält. Andere Quotenfrauen wachen darüber, ob eine Frau sich genügend frauensolidarisch sprich quotenfrauensolidarisch verhält, ob eine Frau sich im Kampf gegen männliche Kollegen gebührend engagiert (oder sich gar im ärgsten Fall für einen Kollegen einsetzt), kurz ob sich eine frau im Beruf und dann auch im Privatleben gegenüber ihrem eigenen Mann und selbst gegenüber ihren Kindern hinreichend feministisch, egoistisch und karrierebezogen verhält.
Wer im Quotenmainstream mitschwimmt, gewinnt
Die feministisch aufgeladene Frauenquote wird für jede Frau, die keine Lust auf Ideologie hat zu einer Belastung ganz eigener Art. Zu eine Überlastung. Pro Forma tritt die Quote an, alle Frauen zu fördern. Die Quote besagt, dass eine Frau bei gleicher Qualifikation den Durchmarsch macht und der Mann in die Röhre guckt. Aber die Quote sagt nichts über den für Frauen entscheidenderen Punkt, nämlich welche von zwei gleich qualifizierten Frauen den einen zur Verfügung stehenden Posten bekommt, welche von zwei Frauen also die Karriere nach oben antritt und das meiste Geld verdient und welche von beiden auf der Stelle tritt oder gar zurück fällt. Da, wo die Frauenquote gilt, wird das entscheidende Moment der Qualifikation einer Frau relativ gesehen unwichtig, denn wichtiger wird es sein, wie gut eine Frau in den Quotennetzwerken zu Hause, wie elegant sie im Quotenmainstream mitschwimmt.
Die Frauenquote ist in Wahrheit keine Frauenquote für alle Frauen, sondern sie ist eine Quote für die Quotenfrauen, für die Ideologinnen, für die Genderistinnen, für die Feministinnen. Und wehe du gehörst dieser Quoten-Elite nicht an, sondern bist einfach nur die bestqualifizierte Frau, pochst auf deine Qualifikation, missachtest die Quotennetzwerke oder findest die Quote ungerecht und falsch.
Die Frauenquote macht es einem weiblichen Einstein, einer Ausnahmefrau, verdammt schwer zu werden, was sie kann, weil sie auf dem Weg nach oben von einer durch und durch falschen Frauenpower gestört und ausgebremst werden wird.
Es bildet sich in Gestalt der Frauenforschungseinrichtungen, Frauenforschungsinstitute, der überbordenden Genderforschung und der Frauenquoten eine regelrechte neue Quotenpolizei, die überwacht, wer sich genderkonform verhält und welche Frau den Posten, die den Männern verwehrt sind, denn nun genau bekommt. Und es steht zu befürchten, dass sehr bald in allen großen Unternehmen solche Genderführungscliquen über die Posten bestimmen.
Es ist so, wie es zuvor mit dem Kommunismus passiert ist. Im frühen Kapitalismus gab es die ausgebeuteten Arbeiter. Deren natürliche und gemütliche Arbeitersolidarität gegen "Die da Oben" haben die Kommunisten instrumentalisiert und den Arbeitern das Paradies auf Erden versprochen. Geliefert haben sie ein Jahrhundert weltweiter Diktaturen mit allen dazu gehörigen Schrecken und wirtschaftlichen Verelendungen. Der Kommunismus war somit nicht nur für die Kapitalisten schlimm, er wurde vor allem für die Arbeiter zum Desaster und schließlich für alle in der Gesellschaft. Alle mussten schließlich das Maul halten und durften nur noch auf Linie denken.
Der Feminismus ködert die Frauen diesmal mit Chef-und Managerposten und Privilegien und bedient sich seit Jahrzehnten ebenfalls der früheren, natürlichen, sehr netten Frauensolidarität, die es im Patriarchat sehr wohl gab. Dieser Feminismus, der den Frauen den Weg ebnet nicht mit Leistung, sondern mit Ideologie an Macht, Geld und Posten zu gelangen, macht aus vielen Frauen eingebildete, unsympathische, dumme und desorientierte Apparatschiken. Aus der gemütlichen Frauensolidarität von früher wird zunehmend ein Monster, das nicht nur das Wohl der Männer, sondern auch das der Frauen komplett aus den Augen verloren hat und das wirtschaftliche Leben der Gesellschaft sowieso. Und der institutionalisierte Frauenegoismus stellt selbst die Interessen der Kinder an die letzte Stelle.
Die Frauenquote wirkt wie ein Spaltpilz
So gedacht und mit viel Frauengesülze durcheinander gequirlt, ist die Frauenquote für die Frauen beinahe paradiesisch. Warum sollte also eine Frau gegen eine solche Errungenschaft sein? Warum sollte man eine solche Errungenschaft nicht fördern? Doch wer genauer hinsieht, stellt fest, dass die Frauenquote wie ein Spaltpilz wirkt und dies nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern besonders heftig zwischen Frauen untereinander. Frauen werden ihrer Freiheit beraubt zu denken und zu fühlen, was sie wollen und sie werden, wenn sie Karriere machen wollen, in die Quotenideologie hinein gezwungen.
Frauen sollen die gleichen Chancen haben wie Männer. Und Frauen, die Kinder haben wollen, sollen die Möglichkeit haben glückliche Mütter und später erfolgreiche Frauen mit gleichen Chancen wie ihre männlichen Kollegen zu sein. Aber Frauen dürfen nicht durch eine Quotenideologie in geradezu aberwitziger Weise vor die geradezu schicksalhafte Alternative gestellt werden: Willst Du nun Kinder kriegen und eine doofe Mutter und Ehefrau sein oder willst du nun eine moderne Karrierefrau auf dem Quotenticket sein. Genau diese Wirkung entfaltet aber die Frauenquote.
Die Frauenquote ist bei genauem Hinsehen ein Sieg des Feminismus. Der hat allerdings schon seit den siebziger Jahren verlangt, dass Frauen sich ganz persönlich gegen die Männer und in der Beziehung gegen ihren eigenen Mann entscheiden, soweit sich dieser nicht gründlich feministisch erziehen ließ. Und dies verlangt auch die Quotenideologie. Die Quote ist also eine Art Dressur, auch für die Frauen, die bisher mit ihrem eigenen Mann solidarischer verbundener waren als mit ihren Geschlechtsgenossinnen und den Quotenfrauen - eine Voraussetzung für die vielbeschworene Familie. Die Frauenquote ist ein Sieg über die Männer und Frauen, die den Ismus ablehnen und via Leistung Karriere machen wollen.