Bundestagswahl: Wahl und Kampf

Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz sitzt im Cockpit eines Eurofighters der Bundeswehr.
Foto: Michael Kappeler/dpaWir sollten Robert Habeck dankbar sein. Richtig gelesen: dankbar. Seitdem der grüne Kanzlerkandidat im Fernsehen über die Frage gefreestyled hat, ob nicht reiche Kapitalanleger dabei helfen müssten, die Sozialabgaben zu dämpfen, ist im Wahlkampfland richtig was los: Was erlauben Habeck? Wer gilt denn als reich, wenn nicht „Tante Gisela ihr ETF“ betroffen ist, wie der grüne Parteichef versicherte? Hatte sich der lieber Herr Wirtschaftsminister überhaupt mit den Details beschäftigt?
So geht das nun seit Tagen. Ein zartes Habeck-Momentum, das sich vorher aufgebaut hatte, ist futsch. Aber noch einmal: Wir sollten ihm dankbar sein. Denn so rückten die steigenden Sozialabgaben in den Fokus der Debatte – und das ist dringend nötig. Früher hat man dazu mal Lohnnebenkosten gesagt. Damals waren sie schon zu hoch. Und nun sind sie es wieder. Her also mit besseren Reformideen!
Der Robin-Hood-Grüne ist nicht das einzige Beispiel, dass dieser Wahlkampf, so kurz und winterkalt er nun einmal ist, viel versprechend verläuft. Rechnet man von Dreikönig bis zum 23. Februar, haben wir fast Halbzeit.
Und es geht bisher, anders als sonst so oft beklagt wird, um Inhalte – und zwar um zentrale.
Sicher, immer nur um die Höhe der Nato-Quote bei der Verteidigung zu kreisen, wäre zu wenig. Aber mit der Frage, ob es nun mindestens zwei (Olaf Scholz), eher drei (Markus Söder) oder doch besser dreieinhalb Prozent der Wirtschaftsleistung sein sollen (Habeck), verbinden sich eben Antworten, wer wir sicherheitspolitisch in dieser ungemütlichen Welt sein wollen – und können. Souverän oder Subjekt?
Der Drei-Milliarden-Streit um die weitere Unterstützung der Ukraine gehört eben in diese Kategorie – Bekenntnisse für oder gegen die Schuldenbremse inklusive. Lassen wir uns von technischen Schlenkern und Lügen-Vorwürfen nicht täuschen: Das sind existenzielle Fragen. Behandeln wir sie auch so.
Recht früh in diesem Bundestagsrennen haben die Kanzlerkandidaten außerdem ihre Steuer- und Investitionspläne offenbart. Auch hier gilt: Sie setzen sehr unterschiedliche Akzente, wir haben die Wahl. Standortdebatte at its best.
Es gehört nicht viel Fantasie dazu, dass von nun auch noch Donald Trump einige Stichwort in die deutsche Kampagnenarena hineinbrüllen wird. Die finale Staffel des Wahlkampfes, samt der TV-Duelle mit ihren Fallstricken und Fallhöhen, hat noch nicht einmal begonnen. Freuen wir uns drauf.
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