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Charlotte Knobloch zu Charlottesville „Das lässt das Blut in den Adern gefrieren“

Hakenkreuzfahnen, Hitler-Gruß, „Tod den Juden!“-Parolen. Die rechtsextremen Ausschreitungen in Charlottesville sorgen für Entsetzen in Deutschland. Die jüdische Gemeinde ist alarmiert und fordert Konsequenzen.

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Anlass für die Kundgebung unter dem Motto „Vereinigt die Rechte“ war ein Stadtratsbeschluss, eine Statue des Konföderierten-General Robert E. Lee aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg zu entfernen. Quelle: ALEJANDRO ALVAREZ/NEWS2SHARE

Berlin Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat mit Entsetzen auf die rechtsextreme Gewalt in der US-Stadt Charlottesville reagiert und Konsequenzen gefordert. „Es rächt sich, die Anfänge solcher Bewegungen als Einzelfälle oder Populismus zu verharmlosen oder zu relativieren“, sagte Knobloch dem Handelsblatt. „Extremismus und Terror müssen in all ihren Formen frühzeitig erkannt und eingedämmt werden.“

Auch Juden in Charlottesville seien „von dem antisemitischen rechten Mob und ihrer eskalierenden Gewalt massiv bedroht“, so Knobloch weiter. Mit Hakenkreuzfahnen und Hitlergruß seien die Neonazis an Synagogen vorbeigezogen und hätten judenfeindliche Parolen gegrölt. „Diese Szenen zeigen, was passiert, wenn Demokraten Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit nicht unbedingt systematisch und konsequent benennen, ächten und bekämpfen“, “, betonte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

Am Vorabend der gewalttätigen Zusammenstöße, bei denen eine 32-Jährige Gegendemonstrantin von einem Auto erfasst und getötet worden war und 19 Menschen verletzt wurden, waren in Charlottesville Neonazis und andere Ultrarechte durch die Stadt gezogen. Viele trugen Fackeln, hatten den rechten Arm zum Hitlergruß erhoben und riefen „Tod den Juden!“.

Der Vorsitzende einer jüdischen Gemeinde der Stadt, Alan Zimmermann, hat in einem Blogeintrag dokumentiert, wie seine Synagoge die Vorkommnisse in Charlottesville erlebte: „Eine halbe Stunde lang standen drei Männer im Kampfanzug mit halbautomatischen Waffen vor unserer Synagoge auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Hätten sie versucht, reinzukommen, ich weiß nicht, wie ich sie dann gestoppt hätte. Aber ich konnte auch nicht von ihnen wegsehen. Vielleicht hat sie die Präsenz unseres bewaffneten Sicherheitsdienstes abgeschreckt. Oder vielleicht waren sie auch nur zufällig da und ich bin paranoid, ich weiß es nicht“, schreibt Zimmermann in dem Blog, aus dem die „Bild“-Zeitung zuerst zitierte.

Knobloch sprach von den „größten und brutalsten Aufmärschen von militanten rechtsradikalen Hass-Gruppen, die die USA und die Welt seit Jahren gesehen haben“. Die „gespenstischen Bilder“ von aggressiven und martialischen Anhängern der Alt-Right-Bewegung, Neo-Nazis, Ku-Klux-Klan-Männer, „White Supremacy“-Gruppen, Rassisten und Antisemiten, die durch die Nacht marschiert seien und Nazislogans skandiert hätten, „lassen das Blut in den Adern gefrieren“.

Auch die Bundesregierung reagierte. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) warf US-Präsident Donald Trump vor, die rechtsextremistische Gewalt in Charlottesville in unzulässiger Weise relativiert zu haben. „Natürlich ist eine Gleichsetzung beider Seiten statt einer klaren Distanzierung vom nazistischen Potenzial, das sich da gezeigt hat, ein Riesenfehler“, sagte er in einem dpa-Interview. „Und sie ist auch falsch. Und das zeigt eben, wie verwoben ein Teil der Unterstützer Trumps mit der rechtsradikalen Szene der Vereinigten Staaten ist. Sein Chefideologe (Steve) Bannon steht ihnen nahe.“

Auch Justizminister Heiko Maas und SPD-Chef Martin Schulz verurteilten Trumps Äußerungen als Verharmlosung rechter Gewalt.

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