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Corona-Pandemie RKI-Chef Wieler: „Die dritte Welle ist die schlimmste“

Auf einer Pressekonferenz haben der Präsident des Robert Koch-Instituts und Gesundheitsminister Jens Spahn zur Einhaltung der Notbremse gemahnt. Auf Reisen an Ostern solle verzichtet werden.

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Der Präsident des Robert-Koch-Instituts warnt vor einem Kippen der Lage, besonders nach Ostern. Quelle: dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, haben angesichts steigender Corona-Infektionszahlen auf einer Pressekonferenz weiter zur Vorsicht gemahnt - besonders für die Osterzeit. Spahn appellierte an die Länder, die vereinbarte „Notbremse“ bei hohem Infektionsgeschehen konsequent anzuwenden.

Die Bürger bitte er, sich an Ostern sowie davor und danach idealerweise nur draußen mit anderen zu treffen. Das Eindämmen von Ansteckungen bleibe auch bei anziehenden Impfungen wichtig. „Je höher die Inzidenz, desto weniger hilft das Impfen, um die Zahlen zu drücken.“ Auch Reisen sollten möglichst vermieden werden. Spahn konkretisierte noch einmal, ab wann die Testpflicht für Einreisen gilt. Spahn sagte: „Am 30.3., ab Null Uhr eins“.

Den Umfang der Impfungen bezifferte der Minister mit 12 Millionen Impfdosen, die bereits verimpft seien. Nach der Knappheit im 1. Quartal werde sich die Situation im 2. Quartal deutlich verbessern. Im April starte man dann in den Arztpraxen, zunächst mit kleinen Mengen. Im Mai, Juni aber würden die Ärzte dann zu einem der wichtigsten Bausteine in der Impfstrategie.

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete zuvor erneut einen deutlichen Anstieg bei den neuen Corona-Fallzahlen. Binnen 24 Stunden wurden weitere 21.573 Neuinfektionen registriert, wie das RKI am Freitag mitteilt. Das sind fast 4100 mehr als vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt somit auf 119,1 von 113,3.

Dieses Osterfest sei noch nicht wieder so zu gestalten wie gewohnt, sagte Spahn. Dafür seien die Infektionszahlen zu hoch. Deutschland sei wahrscheinlich „im letzten Teil dieses Pandemie-Marathons“ angekommen. Das Ziel sei in Sicht, aber eben noch ein ganzes Stück weg. „Gerade im letzten Teil des Marathons wirkt nicht selten jeder weitere Schritt wie eine Tortur.“ So gehe es vielen in dieser Phase.

Die von Bund und Ländern vereinbarte „Notbremse“ sieht vor, Öffnungen zurückzunehmen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Region oder einem Land an drei aufeinander folgenden Tagen auf über 100 steigt. Diese Zahl der neuen Fälle pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen stieg bundesweit weiter auf 119,1, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitag bekannt gab.

Fallzahlen könnten in nächsten Wochen „stark steigen“

„Uns stehen sehr schwere Wochen bevor“, erklärte auch RKI-Chef Lothar Wieler. Deutschland stehe am Anfang der dritten Welle, die wohl schlimmer als die ersten beiden sein werde. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Fallzahlen stark steigen.“ Von der Mutante B.1.1.7 seien besonders Berufstätige, aber auch Kinder und Jugendliche betroffen. Ansteckungen gebe es vor allem in privaten Haushalten, aber auch in Kitas, Schulen und am Arbeitsplatz.

Mit Blick auf die starke Zunahme der Ansteckungen bei Kindern und Jugendlichen betonte Spahn, die Testung von zweimal in der Woche in den Schulen sei unabdingbar. Zu Impfstoffen für Kinder und Jugendliche liefen zurzeit Studien, aber man könne noch nicht sagen, wann es Ergebnisse dazu gibt. Es könnte in wenigen Monaten soweit sein, es könne aber auch erst im nächsten Jahr soweit sein.

Auch Wieler sprach sich für einen Reiseverzicht zu Ostern aus. „Es gibt sehr deutliche Signale, dass diese Welle noch schlimmer werden kann als die ersten beiden Wellen“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wieder mehr Menschen schwer erkranken, dass Kliniken überlastet und dass viele Menschen auch sterben werden.“

Das Impfen allein könne diese Entwicklung noch nicht aufhalten. Für die Osterzeit empfahl Wieler nur Treffen im engsten Familienkreis - und sonst mit Maske am besten draußen. „Bitte verreisen Sie möglichst nicht, weder im Inland noch ins Ausland.“

Bisher habe Umsicht eine viel schlimmere Situation verhindern können. „Wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung. Und wenn wir nicht sofort gegensteuern, dann werden die Folgen gravierend sein. Da ist sich die Wissenschaft einig“, sagte Wieler.

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