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Corona und Wissenschaft Stoppt endlich die Förderung der Homöopathie!

Eine Studie zeigt, dass Anhänger von Homöopathie öfter die Impfung gegen Covid-19 ablehnen. Quelle: dpa

Anhänger der Homöopathie lehnen die Coronaimpfung deutlich häufiger ab als andere. Versicherte müssen diese wissenschaftsferne Lehre bisher mitfinanzieren. Wir sollten dem Globuli-Hokuspokus jetzt den Geldhahn zudrehen.

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Die vierte Covid-19-Welle rollt über Deutschland. Dennoch haben sich bisher nur 68 Prozent der Menschen gegen das Virus komplett impfen lassen. So mancher fragt sich: Was treibt Leute dazu, die Spritze zu verweigern? Für einen Teil ist die Antwort leicht: Es ist eine Politik, die jahrzehntelang die Homöopathie toleriert hat.

Diese Toleranz hat eine Generation von Wissenschaftsskeptikern hervorgebracht, die der Wirkung von Zuckerkugeln vertrauen. Diese Globuli wurden mit maximal verdünnter Lösung beträufelt und nach traditioneller Lehre womöglich auch auf ein Buch mit Ledereinband in Richtung Erdmittelpunkt geklopft. Damit sollen sie eine „geistartige Kraft“ entfalten. Die Anhänger dieser Lehre vertrauen mitunter gar der Wirkung von angeblich in Milchzucker eingefangenem Mondlicht.

Eine aktuelle Studie der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg und der Universität Duisburg Essen kommt zu dem Ergebnis, dass Menschen, die solche alternativen Heilmethoden befürworten, signifikant häufiger eine Impfung ablehnen. Der Zusammenhang ist also recht klar.



Die Bundes- und Landespolitik allerdings hat die Industrie hinter dem Hokuspokus und Ärzte, die ihn verbreiten, über Jahrzehnte geschützt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte es zuletzt 2019 abgelehnt, die Kostenübernahmen für homöopathische Mittel durch die Krankenkassen zu stoppen. Und auch der grüne Gesundheitsminister von Baden-Württemberg, Manfred Lucha, stellte sich damals vor die Globulimacher, die bei Tageslicht betrachtet nicht anderes als Volksverdummung betreiben. Ärztekammern bieten gar die Ausbildung zum Homöopathen an, während sie sonst unwissenschaftliches Verhalten bestrafen.

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    Weil es vielen nicht klar ist: Bei homöopathischer Medizin handelt es sich nicht etwa um Naturheilkunde, die auf Basis von Kräutern etwa durchaus wirksame Arzneien hervorbringen kann. Es ist eine Pseudomedizin, die der Sachse Samuel Hahnemann 1796 erfunden hat und die ausschließlich auf der Suggestion beruht. Wenn sie wirkt, dann wegen des Placebo-Effekts.

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    Die jetzigen Coronazahlen sind die Quittung für das langjährige Hofieren der Märchenverkäufer. Krankenkassen sollten sie nicht mehr aus unser aller Beiträgen finanzieren, die homöopathische Behandlung sollte den Heilpraktikern überlassen werden. Und die Apotheker sollten Globuli nicht mehr unter dem Anschein der Medizin verkaufen können. Die neue Bundesregierung kann so dafür sorgen, dass Teile der Gesellschaft langfristig das Vertrauen in die Wissenschaft zurück gewinnen – und das Vertrauen in Impfungen.

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