1. Startseite
  2. Politik
  3. Deutschland
  4. Die Ampel und Olaf Scholz: Das Land braucht dringend einen Gute-Laune-Boost

EditorialDie Deutschen suchen die Mitte, aber die ist leider nicht besetzt

Die Stimmung im Land könnte einen Boost vertragen – doch die Ampel-Regierung versucht nicht mal mehr zu kaschieren, dass sie rettungslos verloren ist. Eine Kolumne.Maja Brankovic 23.08.2024 - 13:58 Uhr
Foto: imago images

Erholt und voller Tatendrang kommen wir aus dem Sommerurlaub zurück. Und zu Hause ist die Stimmung mies. Der Schaffner im ICE motzt am Montagmorgen in seiner Durchsage, er habe schlechte Laune und wolle deshalb keine langen Gesichter sehen. Und in Berlin versuchen die Ampelkoalitionäre nicht mal mehr zu kaschieren, dass sie rettungslos verloren sind. Kanzler Olaf Scholz findet alles nur noch „mühselig“. Da stimmen wir ausnahmsweise mal zu. Das Land braucht dringend einen Gute-Laune-Boost. Mit der Ampel wird das aber nichts.

Dabei sind die Voraussetzungen für eine bessere Stimmung gar nicht mal so schlecht. Im Ernst! Die meisten Deutschen haben nämlich keine Lust auf Streit. Sie wollen sich nicht ständig aufregen, sie interessieren sich nicht für parteipolitische Scharmützel. Sie können Widersprüche aushalten, finden etwa Klimaschutz eine gute Sache – und wollen trotzdem Verbrennerautos fahren. Vor allem möchten die meisten keine extremen Parteien in die Parlamente wählen. Sie fühlen sich in der Mitte wohl. Nur was sollen sie tun, wenn in der Mitte kein Angebot besteht?

Dann geben sie irgendwann doch den wachsenden Fliehkräften hin zu den politischen Rändern nach.

Zu diesem Ergebnis kam Steffen Mau, Deutschlands wohl einflussreichster Soziologe, als er in einer Untersuchung unsere Gesellschaft neu vermaß. Mau vergleicht sie mit einem Dromedar: großer Höcker in der Mitte, flach auslaufend nach links und rechts. Als Gegenbeispiel nennt er die USA, ein Kamel: zwei große Gruppen, die sich unversöhnlich gegenüberstehen. Da haben wir es noch gut! Wir müssen mit einem Höcke klarkommen, aber nicht mit zwei Höckern. Immerhin.

Wenn die Menschen aber immer wieder vor den Kopf gestoßen werden, wird das nicht so bleiben. Dann wird auch dem Tapfersten die Laune vergehen. Mau spricht von „Allmählichkeitsschäden“, in Anlehnung an die Assekuranz. Konstant träufelt jemand Wasser in das Fundament unserer Demokratie. Der Schaden bleibt erst unbemerkt – und wird dann umso deutlicher offenbar. Der Keller ist nass. Das wird teuer. Noch mehr Träufeln vertragen wir nicht. Hat der Kanzler dem US-Präsidenten Joe Biden nicht gerade dafür Respekt gezollt, dass er seine eigenen Ambitionen zurückstellt? Dafür, dass er im richtigen Moment von der politischen Bühne abtritt? Herr Scholz, jetzt sind Sie am Zug. Dann kehrt vielleicht auch die gute Laune zurück.

Lesen Sie auch: Wer nicht wiedergewählt wird, muss wenigstens das Richtige tun

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick