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EditorialKrise der Autozulieferer: Wir sind noch nicht mal aufgewacht

Die Transformation wird für die Zuliefererbranche zur Existenzfrage. Aber das Problem nur auf Managementfehler zurückzuführen, macht die Sache zu einfach. Eine Kolumne.Horst von Buttlar 26.01.2024 - 09:55 Uhr
Foto: dpa

Die Transformation der deutschen Autozulieferer könnte man in kurzen, harten Sätzen umreißen: Umbau verzögert, Umstieg verschlafen, Anschluss verloren – und nun hat man den Salat: Tausende Arbeitsplätze gehen verloren, Märkte brechen weg, der Kampf um die Zukunft wird zur Existenzfrage.

Damit aber macht man es sich zu einfach, auch wenn Managementfehler, wie bei jeder Transformation, eine Rolle spielen. Die Lage ist komplizierter, weil die Existenzfrage eine ganze Branche erschüttert – die auch noch Schlüsselindustrie ist. Damit ist sie fast schon historisch verwoben mit der Frage der Zukunft unseres Standortes. Sie ist emotional, symbolisch und auch politisch, und man muss aufpassen, dass sie nicht auch toxisch wird. Denn längst haben Populisten auch dieses Thema für sich entdeckt.

Diese Transformation, ohnehin ein Jahrhundertumbau, fällt erstens in eine Zeit voller Ausnahmezustände, in der die Weltkonjunktur schwach ist und Lieferketten an ein Mobile erinnern, das ständig einen Schlag bekommt: Das Gleichgewicht ist ein seltener Zustand geworden.

Zweitens: Die politische Flankierung ist unbeständig, oft ideologisch und kontraproduktiv. Als im vergangenen Herbst die britische Regierung das Aus des Verbrenners um fünf Jahre nach hinten schob, war die britische Autoindustrie (oder das, was von ihr übrig ist), der größte Kritiker. Die Ford-Chefin des Landes sagte in einem bemerkenswerten Statement, man brauche von Regierungen für diesen Großumbau drei Dinge: „ambition, commitment, and consistency“.

Diesen Dreiklang vermisst man auch in Deutschland, wo die Regierung ohnehin nicht daran arbeitet, das Land wettbewerbsfähiger zu machen. Gerade erst wurden Zuschüsse zu E-Autos gestrichen, erste Politiker wie Markus Söder fordern, das Ende des Verbrenners um zehn Jahre auf 2045 zu verschieben. Wie soll man damit als Chef eines Autozulieferers umgehen? Wieder Hoffnung schöpfen, wie nach einer Krebsdiagnose?

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Drittens, diese Transformation ist keine Marktwirtschaft. Sie vollzieht sich in einer Zeit, in der in China und den USA zwei große Märkte merkantilistisch gesteuert, gestaltet und gepampert werden. Es ist ein unfaires, ungleiches Spiel, dessen Regeln laufend umgeschrieben werden. Wenn in Deutschland also etwas verschlafen wurde, muss man hinzufügen: An manchen Stellen sind noch nicht einmal alle aufgewacht.

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