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Frühkindliche Bildung Kita-Gipfel ohne Kita-Betreiber

Die Trägerverbände der Kinderbetreuung sind verärgert, dass sie an den politischen Entscheidungen noch nicht beteiligt sind. Familienministerin Schwesig hatte nur ihre Länderkollegen zum Kita-Gipfel geladen.

Wo es die beste Kinderbetreuung gibt
Frauen tragen am Donnerstag (09.02.2012) bei einer Demonstration vor dem Rathaus in Wiesbaden Schilder mit der Aufschrift "Familie und/oder Beruf" und "Frauen an den Herd? Quelle: dpa
Eine Passantin geht am Mittwoch (21.12.2011) mit einem Kinderwagen, an dem ein Regenschirm hängt, an der Alster in Hamburg spazieren. Quelle: dpa
Kinder einer Charlottenburger Kita besichtigen in Berlin den Plenarsaal des Deutschen Bundestages Quelle: dpa/dpaweb
Kinder der AWO-Kindertagesstätte «Käthe Kollwitz» Quelle: dpa
Eine Mutter geht mit ihrem Kinderwagen durch Soemmerda Quelle: dapd
Spaziergänger gehen vor Schloss Rheinsberg mit einem Kinderwagen am Grienericksee spazieren Quelle: dapd
Die einjährige Laureen spielt am Donnerstag (28.06.2012) am Strand von Warnemünde. Quelle: dpa

Neun Milliarden Euro. So viel Geld werde jedes Jahr zusätzlich gebraucht, um eine qualitativ hochwertige Kindertagesbetreuung nach OECD-Empfehlungen zu realisieren. So jedenfalls sehen es die Arbeiterwohlfahrt (AWO), Caritas und  die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Ausgerechnet diese Verbände der Trägerorganisationen der Betreuung waren zum Kita-Gipfel von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig aber nicht eingeladen. Die traf sich lieber nur mit den  Familienministern der Länder.

Dass mehr getan werden müsse, darin waren auch die Minister sich einig. „Wir haben einen neuen Bildungskonsens erreicht“, verkündete Schwesig. Bislang war oft über die Verteilung zwischen Ländern und Bund gestritten worden. Bildung - und dazu zählt im weiteren Sinne auch die Kita - ist Ländersache. Einige Länder fürchteten einen Kompetenzverlust, wenn sie dem Bund nun mehr Platz für Investitionen einräumen.

Nun unterzeichneten die Minister  ein gemeinsames Communiqué, in dem die Qualitätsziele für die Kita-Betreuung festgehalten sind. Eine neu zu gründende Arbeitsgruppe soll Details ausarbeiten. Es geht um Personalschlüssel, pädagogische Arbeitszeit oder die Qualifizierung der Fachkräfte.

So glücklich wie Schwesig ist Norbert Hocke, GEW-Vorstandsmitglied und Leiter des Vorstandbereiches Jugendhilfe und Sozialarbeit, nicht. Zwar sei das Communiqué ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Allerdings sind ihm die nächsten Schritte nicht konkret genug. So hätte man festhalten können, dass etwa das Verhältnis Fachkräfte-Kinder jetzt als erstes auf dem Programm steht. „Wichtig ist aber, dass der Bund endlich mehr Verantwortung übernimmt, auch in finanzieller Hinsicht. Es kann nicht sein, dass der Geldbeutel der Kommunen über die Qualität der frühkindlichen Bildung entscheidet“, sagt Hocke.

Dass die Verbände an der ersten Runde von Schwesigs Kita-Gipfel noch nicht teilnehmen durften, kritisiert auch Wolfgang Stadler, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der AWO, scharf: „Ich hoffe, dass wir in den kommenden Gesprächen über die Rolle des Katzentisches hinauskommen“, sagt Hocke. „Wir sind diejenigen, die jeden Tag die Qualität der Betreuung umsetzen und sicherstellen. Deshalb erwarten wir ein Verfahren, an dem alle am Geschehen Beteiligten involviert werden. Sonst steht zu befürchten, dass die Qualitätsdebatte zu einem Geschachere von Bund und Ländern um Finanzen verkommt.“

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