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GesprächsprotokollKohl wollte laut Geheimpapieren Hälfte der Türken loswerden

Großbritannien hat Geheimdokumente veröffentlicht. Darunter das Protokoll eines Gesprächs von Margaret Thatcher und Helmut Kohl. Der Kanzler überlegte, 50 Prozent der in Deutschland lebenden Türken loszuwerden. 01.08.2013 - 19:38 Uhr

“I want my money back.” Margaret Thatcher (1925-2013)


Das hat Margaret Thatcher nur der Legende nach gesagt. Tatsächlich fielen, glaubt man der BBC, 1984 bei einem Europäischen Gipfeltreffen in Fontaineblau folgende Worte: "We are not asking the Community or anyone else for money. We are simply asking to have our own money back". Damals war das Vereinigte Königreich das drittärmste Land der damaligen EG und hätte wegen seines kleinen Agrarsektors kaum von den entsprechenden Subventionen profitiert. Vom Briten-Rabatt, den Thatcher damals herausschlug, profitiert das Land bis heute.

Foto: dpa

„Die Würfel sind gefallen.“ Gaius Julius Caesar (100-44 v. Chr.)

„Alea iacta est“, Caesars durch Sueton überlieferter Kommentar beim Überschreiten des Rubicons und damit Beginn des Bürgerkriegs gegen Pompeius, wird fast immer falsch übersetzt. „Alea“ ist singular, also nur ein Würfel, und „iacta“ heißt „geworfen“. Möglicherweise hat der Feldherr (oder Sueton) den Spruch aus einem nicht überlieferten Text des Dichters Menander übernommen.

Foto: WirtschaftsWoche

„Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Martin Luther (1483-1546)
Die sprichwörtlich gewordenen Luther-Aussprüche sind Legion, die meisten sind nicht mehr eindeutig zu belegen. Den vielzitierten Satz, der angeblich auf dem Reichstag in Worms am 17. April 1521 gefallen sein soll, als er seine theologischen Positionen vor Kaiser Karl V. und den Fürsten rechtfertigte, hat er tatsächlich anders gesprochen, als überliefert: „[Da] … mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, ich kann und will nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.“

Foto: dpa

„Paris ist eine Messe wert“ Heinrich IV. von Frankreich (1553-1610)

Von Frankreichs großem König ist nicht nur sein Kommentar seiner machtpolitisch inspirierten Konversion vom Protestantismus zum Katholizismus sprichwörtlich geworden: „Paris ist eine Messe wert“ („Paris vaut bien une messe.). Manche Historiker vermuten, dass nicht er, sondern sein Ratgeber Baron de Rosny den Satz sprach.

Foto: WirtschaftsWoche

„Wenn sie kein Brot haben, sollen sie Kuchen essen!“ Marie Antoinette (1755-1793)
Der Satz wird immer wieder genannt, um die Naivität oder den Zynismus der später geköpften französischen Königin angesichts einer Hungersnot am Vorabend der Französischen Revolution zu belegen. Vermutlich geht die Zuschreibung aber auf antimonarchische Propaganda zurück. Er findet sich in den „Bekenntnissen“ des Jean-Jacques Rousseau: "S'ils n'ont pas de pain, qu'ils mangent de la brioche."

Foto: WirtschaftsWoche

„Das Auto hat keine Zukunft. Ich setze auf das Pferd“ Wilhelm II. (1859-1941)
Sobald irgendjemand eine kurze Geschichte über die glorreiche Anfangszeit der Automobilindustrie erzählt, fällt dieses angebliche Zitat des letzten deutschen Kaisers. Dafür, dass dies eine Legende ist, spricht nicht nur die Existenz zahlreicher Varianten, wie zum Beispiel: „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung.“ Aber vor allem: So ignorant und dumm, wie der Spruch weismachen will, war der Kaiser nun auch nicht.

Foto: WirtschaftsWoche

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Lenin

Der dem russischen Revolutionär zugeschriebene Leitspruch ist nicht authentisch. Allerdings hat er sich sinngemäß durchaus so geäußert: „Nicht aufs Wort glauben, aufs strengste prüfen - das ist die Losung der marxistischen Arbeiter.“ Auch den russischen Spruch: „Vertraue, aber prüfe nach“ („Dowerjaj, no prowerjaj“), soll er gemocht haben.

Foto: dpa

„Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.“ (Winston Churchill)
Der größte britische Staatsmann des 20. Jahrhunderts war zweifellos auch ein großer Schriftsteller und Redner. Dass er nichts als „Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß“ anzubieten habe, sagte er zum Beispiel 1940 vor dem britischen Unterhaus. Aber für die oft kolportierte Aussage über den geringen Aussagewert von Statistiken gibt es keinen Beleg. Ebenso wenig, wie für seine angebliche Antwort „No Sports!“ auf die wohl nie gestellte Frage nach seinem hohen Alter.

Foto: dpa

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ Michail Gorbatschow
Den Satz hat Gorbatschow selbst, zumindest wörtlich und öffentlich, nie gesagt. Als er im Oktober 1989 die DDR besuchte, ging er kurz nach seiner Ankunft in Ost-Berlin in der Neuen Wache unter den Linden auf wartende Journalisten zu und sagte in die Kameras „Ja dumaju, opasnosti tolko podsteregajut tech, kto ne reagirujet na shisn“, was vom Dolmetscher live übersetzt wurde: „Ich glaube, Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren. Und wer die vom Leben ausgehenden Impulse – die von der Gesellschaft ausgehenden Impulse aufgreift und dementsprechend seine Politik gestaltet, der dürfte keine Schwierigkeiten haben, das ist eine normale Erscheinung.“ Bei einer Pressekonferenz soll angeblich sein Sprecher Gerassimow auf Englisch gesagt haben: „Those who are late will be punished by life itself“.

Foto: dpa

„640 kB sollten eigentlich genug für jeden sein.“ (Bill Gates)

Diesen viel zitierten Satz zur idealen Größe des Arbeitsspeichers eines PCs, der der Legende nach 1981 gefallen sein soll, hat der Microsoft-Gründer schon mehrmals dementiert. Er habe genau das Gegenteil gesagt, behauptet Gates. Im Bild sieht man ihn (links) im Jahr 1981 mit Paul Allen.

Foto: AP

Altbundeskanzler Helmut Kohl wollte laut Geheimpapieren der britischen Regierung in den 1980er Jahren die Hälfte der in Deutschland lebenden Türken nach Hause schicken. Das berichtete „Spiegel Online“ am Donnerstag unter Berufung auf ein geheimes Protokoll eines Gesprächs zwischen Kohl und der britischen Regierungschefin Margaret Thatcher vom 28. Oktober 1982. Kohl war damals etwa vier Wochen im Amt. Das Papier unterliegt nach Ablauf einer 30-jährigen Frist nun nicht mehr der Geheimhaltung und konnte von „Spiegel Online“ eingesehen werden.
In dem Protokoll mit dem Aktenzeichen PREM 19/1036 heißt es nach Angaben des Portals: „Kanzler Kohl sagte, [...] über die nächsten vier Jahre werde es notwendig sein, die Zahl der Türken um 50 Prozent zu reduzieren - aber er könne dies noch nicht öffentlich sagen“. Und weiter: „Es sei unmöglich für Deutschland, die Türken in ihrer gegenwärtigen Zahl zu assimilieren.“ Bei dem Gespräch anwesend waren demnach nur Kohl, sein Berater Horst Teltschik, Margaret Thatcher und ihr Privatsekretär A.J. Coles, der Verfasser des Dokuments.


Kohl sollte die Türken den Dokumenten zufolge im Oktober 1982 einfach nur loswerden. „Deutschland habe kein Problem mit den Portugiesen, den Italienern, selbst den Südostasiaten, weil diese Gemeinschaften sich gut integrierten“, zitiert Protokollant Coles den Kanzler, der seinerzeit gerade vier Wochen im Amt war. „Aber die Türken kämen aus einer sehr andersartigen Kultur. [...] Deutschland habe 11 Millionen Deutsche aus osteuropäischen Ländern integriert. Aber diese seien Europäer und stellten daher kein Problem dar.“

Als Beispiele für das „Aufeinanderprallen zweier verschiedener Kulturen“ nannte Kohl demnach Zwangsehen und Schwarzarbeit der Türken. Jeder zweite von ihnen müsse daher gehen, für die Bleibenden sieht der Kanzler spezielle Schulungen vor: „Diejenigen, die integriert werden, müssten Deutsch lernen“, heißt es im Protokoll.


Die britische Regierung veröffentlichte am Donnerstag eine Reihe von Geheimdokumenten. Das Nationalarchiv machte sie öffentlich zugänglich, einige davon im Netz. Aufsehen erregte unter anderem eine vorbereitete Rede von Queen Elizabeth II. an das Volk für den Fall des Ausbruchs eines Dritten Weltkriegs. Auch die britische Reaktion auf die US-Invasion in Grenada und innenpolitische Details aus der Regierung Margaret Thatcher waren dabei von großem Interesse.

dpa
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