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Großspende Nicht nur die Grünen, auch die Finanziers haben sich verändert

Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, nimmt am digitalen Politischen Aschermittwoch seiner Partei in der Heinrich-Böll-Stiftung teil. Quelle: dpa

Im Bundestagswahljahr hat die Ökopartei ihre bislang höchste Einzelspende bekommen. Hier zeigt sich, welche zentrale Rolle den Grünen nach der Wahl zugeschrieben wird. Ein Kommentar.

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Auf der Netzseite des Bundestags ist eine dürre Information aufgetaucht, die bei genauem Hinsehen viel Wucht entwickelt: Nach dem Parteispendengesetz ist da frisch vermerkt, dass die Grünen jüngst 500.000 Euro vom Erben einer Pharmadynastie bekommen haben. Das ist die größte Einzelspende in der Geschichte der Sonnenblumenpartei, die lange selbst sehr kritisch gegenüber Großspendern (und deren Hang Einfluss zu nehmen) waren und hohen einzelne Summen ablehnten.

Das Geld stammt von Antonis Schwarz, einem Mittdreißiger und Erben des ehemals rheinischen Unternehmens Schwarz Pharma, das in den Nullerjahren nach Belgien verkauft wurde. Das Geld soll die Wahlkämpfe im Bund und in den Ländern unterstützen, zum Beispiel in Baden-Württemberg (mit grünem Ministerpräsidenten) und Rheinland-Pfalz (mit grüner Regierungsbeteiligung) wird da einiges entschieden.

Die Spende zeigt, wie sich die grüne Partei gewandelt hat, wie anders aber auch viele Investoren und Unternehmer bei der politischen Landschaftspflege unterwegs sind als früher.

Bei den Ökos galt früher „Small Is Beautiful“ als Maß des Wirtschaftens. Nachhaltigkeit und Demokratie waren Ziel für Entscheidungen auch in der Ökonomie. Die Partei wollte es klein, transparent und überschaubar, das unterschied sie. Doch seit der Klimawandel und seine negativen Folgen als allgemein anerkannt gelten, hat sich einiges geändert.

Die Klimakrise, also der menschengemachte rasche Wandel der Lebensgrundlage auf der Erde beeinflusst die Entscheidungen des Wahlvolkes und ist zum Maßstab für Reformen in der Politik geworden. Welche Wucht das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 für die EU entfaltet, haben Wirtschaftsleute wohl schon stärker verinnerlicht als viele, die politisch die Regeln dafür setzen müssten. Die Grünen freilich nehmen für sich in Anspruch, die Größe des Themas verstanden zu haben.

Umgekehrt haben Vorderen der Ökopartei langsam verstanden, dass der Umbau der Wirtschaft nur im großen Stil funktioniert und mit denen, die sie früher bekämpft haben. Die Finanzbranche – Großbanken, Fonds und Versicherungen – sind die Geldgeberinnen für erneuerbare Energien und neue Mobilität. Maschinenbau und Autobranche sind die Entwicklerinnen neuer Produkte und Lösungen dafür. Und die Chemie und Big Pharma werden gebraucht, um Volkswirtschaften ressourcenschonend und lebenswert auszustatten.

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In diese Gemengelage passt Antonis Schwarz mit seiner Großspende hinein: Der Deutsch-Grieche hat eine Stiftung mit Sitz in Berlin gegründet, die Guerrilla Foundation. Das meiste Geld wird dabei nicht gespendet, sondern investiert mit dem Ziel die Wirtschaft umzukrempeln. Guerrilla eben. Die soziale (und ökologische) Marktwirtschaft stellt er dabei nach seinen eigenen Aussagen in Interviews nicht in Frage. Er will aber alles am ökologisch und sozial ausrichten. „Impact Investing“ ist sonst sein Metier - also Investieren, um Anstöße und gesellschaftliche Wirkung zu entfalten. Erneuerbare Energien, Kleinkredite für UnternehmerInnen und oder andere Sozialunternehmen.

Beide – Investoren wie Schwarz und die nun spenderfreundlichen Grünen – sind nicht mehr das, was mal Koordinatensystem der Bundesrepublik als sicher angesehen wurde. Wie beide Seiten nun zusammenkommen zeigt aber nur, wo sich der Mainstream und die Macht aller Voraussicht nach versammeln werden nach der Bundestagswahl.

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