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Knauß kontert

Eltern, lasst eure Schulkinder laufen

Ferdinand Knauß Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Ferdinand Knauß Reporter, Redakteur Politik WirtschaftsWoche Online Zur Kolumnen-Übersicht: Anders gesagt

Absurde Verhältnisse vor deutschen Schulen: Elterntaxis vertreiben Schülerlotsen und gefährden Kinder. Selbst der ADAC fordert, dass Schüler endlich wieder zu Fuß gehen sollen.

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Der sichere Weg zur Schule. Quelle: imago images

In den vergangenen drei bis vier Jahrzehnten hat sich in Deutschland etwas grundlegend verändert. Nein, hier ist ausnahmsweise mal nicht von der großen Politik die Rede. Sondern von einem allmorgendlichen Phänomen, das vielleicht mehr über den Zustand dieses Landes sagt als manche Nachricht aus Bundestag oder Kanzleramt: Die Kinder, also künftige Bürger dieses Landes, gehen nicht mehr zu Fuß zur Schule.

Mütter und Väter schulpflichtiger Kinder werden das wissen und alle anderen Menschen, die morgens gegen acht Uhr an Schulen vorbeikommen auch. Da herrscht nämlich deutschlandweit allmorgendlich ein Stau von „Elterntaxis“, der umso größer ist, je wohlhabender und daher hochmotorisierter die Eltern der dort unterrichteten Schüler sind.

Der ADAC steht nicht gerade im Verdacht, Auto-feindlich zu sein. Doch seit einiger Zeit fordert selbst die älteste organisierte Interessenvertretung der deutschen Autofahrer zur Umkehr auf. Das Elterntaxi sei zwar gut gemeint aber ein Risiko. Verkehrspolizisten, die bei Informationsveranstaltungen für Eltern künftiger Grundschüler stets dabei sind, warnen ebenso: Die schlimmen Unfälle von Schulkindern passieren nicht auf dem Schulweg zu Fuß, sondern unmittelbar vor den Schulen – durch die Autos der chauffierenden Eltern!

Striche zählen und Werte ablesen

Das Deutsche Kinderhilfswerk und der ökologische Verkehrsclub VCD prangern seit einigen Jahren schon die Elterntaxis an. Sie veranstalten zum Beginn des nächsten Schuljahres vom 18. September bis 29. September 2017 die Aktionstage „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“, um zu zeigen, „wie positiv die Auswirkungen des Laufens und Radelns sind und dass es geht – auch in der Großstadt“. Offenbar wissen das viele Eltern nicht.

Können Sie diese PISA-Aufgaben lösen?

Kinderhilfswerk und VCD haben in diesem Jahr außerdem von der Berliner Verkehrssenatorin Regine Günther gefordert, „dem wachsenden und gefährlicher werdenden Autoverkehr vor vielen Schulen entgegenzutreten.“ Denn die chauffierenden Eltern haben in Berlin immer wieder die Anweisungen von Schülerlotsen missachtet, die dafür da sind, zu Fuß zur Schule gehenden Kindern den Übergang über viel befahrene Straßen zu erleichtern.

„Die Probleme mit rücksichtslosen Autofahrerinnen und Autofahrern“, sagt Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes, die zum Abzug der Schülerlotsen vor Berliner Schulen geführt haben, müssen schnell gelöst werden.“ Wenn Appelle und Aufkläre nicht wirkten, müssten Halteverbotszonen und Tempobeschränkungen eingerichtet werden. Hofmann fordert „polizeiliche Präsenz“.

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