Schwacher Konsum: Die Deutschen halten ihr Geld lieber zusammen
Die Stimmung der deutschen Verbraucher kommt auch nach den Bundestagswahlen nicht aus dem Tief. Das für April berechnete Konsumbarometer stieg entgegen der höheren Erwartungen der von Reuters befragten Experten nur minimal – und zwar um 0,1 Zähler auf minus 21,3 Zähler, wie die GfK und das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) am Freitag zu ihrer Umfrage unter rund 2000 Personen mitteilten. Diese wurde vom 27. Februar bis 10. März erhoben und damit kurz nach der Bundestagswahl vom 23. Februar. Die Konsumenten bewerteten ihre Einkommensaussichten und die Konjunkturperspektiven besser. Zudem nahm ihre Bereitschaft zu größeren Anschaffungen zu.
„Da jedoch auch die Sparneigung in diesem Monat zunimmt, bleibt das Konsumklima nahezu unverändert“, so das Fazit von NIM-Konsumexperte Rolf Bürkl. Die Tendenz, Geld auf die hohe Kante zu legen, könne als Ausdruck einer beträchtlichen Verunsicherung der Verbraucher gesehen werden.
Doch hätten die Bundestagswahlen mit der Aussicht auf eine neue Regierung bei einer Reihe von Konsumenten den Pessimismus etwas schwinden lassen. Die Stimmung in den Chefetagen der Wirtschaft hat sich zuletzt deutlich verbessert. Und auch die Konjunkturerwartungen der Analysten machten einen Satz nach oben. Getrieben wurde die Entwicklung durch die Aussicht auf eine handlungsfähige Bundesregierung und einen erhofften Konjunkturschub durch das riesige Finanzpaket der angehenden Koalitionäre Union und SPD.
„Eine zügige Regierungsbildung sowie die baldige Verabschiedung eines Haushalts für dieses Jahr wäre ein wichtiger Beitrag für mehr Planungssicherheit – nicht nur bei Unternehmen, sondern auch bei den privaten Haushalten“, sagte Konsumforscher Bürkl. Denn dann wären die Verbraucher wieder eher bereit, Geld auszugeben und den Konsum zu beleben.
Hoffnungen auf Finanzpaket gerichtet
Nach zwei Rückgängen in Folge verbesserten sich immerhin die Einkommenserwartungen der Verbraucher im März wieder: Diese Indikator stieg um 2,3 Zähler auf minus 3,1 Punkte. „Ob damit der seit Mitte 2024 herrschende Abwärtstrend gestoppt ist und eine Erholung der Einkommensstimmung einsetzen kann, bleibt abzuwarten“, gibt Bürkl zu bedenken. Als Gründe für die schwache Entwicklung gelten neben den hohen Preisen und ungenügenden Einkommen auch die anhaltend unsichere politische und wirtschaftliche Lage.
Die Hoffnungen auf eine Belebung der deutschen Konjunktur haben sich nach den Neuwahlen zumindest verstärkt. Dieses Barometer legte 5,7 Zähler auf 6,9 Punkte zu. Ein besserer Wert wurde zuletzt im April 2024 gemessen. Ob die Hoffnungen der Verbraucher auf eine Belebung der deutschen Konjunktur berechtigt sind, bleibt abzuwarten, so Bürkl: „Dies wird auch davon abhängen, ob das kürzlich beschlossene Finanzpaket zügig und zielgerichtet eingesetzt wird.“
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