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Netzausbau Warum uns ein Strom-Stau droht

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Wozu die neuen Leitungen?

In den kommenden Jahren ist der Neubau von 1700 Kilometern an Drehstromleitungen und 2100 Kilometern an Hochspannungs-Gleichstromleitungen erforderlich. So steht es im Netzentwicklungsplan (NEP). Außerdem sieht der Plan eine Netzverstärkung und Optimierung von 4400 km des vorhandenen Netzes in Deutschland vor. Die Kosten dafür werden mit 21 Milliarden Euro veranschlagt.

Der NEP stellt den Ausbaubedarf des deutschen Stromnetzes für die nächsten zehn Jahre dar. Er wird von den vier Übergangsnetzbetreibern Tennet TSO, 50Hertz Transmission, Amprion und TransnetBW aufgestellt. Diese vier Unternehmen teilen sich die Stromnetze in Deutschland regional auf. Mit dem NEP soll der sichere Betrieb und die Stromversorgung gewährleistet werden, bei gleichzeitig weiterem Ausbau erneuerbarer Energien und des europäischen Binnenmarktes.

Die Infrastruktur ist nicht zukunftssicher

Ursprünglich sollten die Nord-Süd-Leitungen fertig sein, wenn die letzten deutschen Kernkraftwerke 2022 vom Netz gehen. Viele der Atommeiler stehen im Süden der Republik. Um die Versorgung dort weiterhin zu gewährleisten, muss Strom durch das ganze Land dorthin geleitet werden.

Seit Jahrzehnten ist das Stromnetz darauf ausgerichtet, den Strom weniger großer Kohle-, Kern- und Gaskraftwerke zu verteilen. Von dort aus wird die Elektrizität auf bis zu 380.000 Volt hochtransformiert und in Höchstspannungsleitungen zu den Verbrauchszentren geleitet. In Umspannwerken wird der Strom wieder zurück auf eine niedrigere Spannung herabtransformiert und regional bis an die Steckdose verteilt. Besonders energiehungrige Industrieunternehmen werden teilweise auch direkt über Hochspannungsleitungen versorgt.

Dezentrale Stromproduktion

Solar- und Windkraftanlagen sind dezentral verteilt, dafür ist das Stromnetz nicht ausgelegt. Die hauptsächlich als Verteilnetz von Großkraftwerken aus konzipierte Infrastruktur muss zukünftig auch als Einspeisenetz taugen.

Große Windparks etwa werden oft in eher abgelegenen oder ländlichen Regionen errichtet, zum Beispiel an Küsten. Dort besteht aber kein hoher Strombedarf. Die dort vorhandenen Netze sind deshalb unterdimensioniert. Um die steigende Windstromeinspeisung aufzunehmen und in die Verbrauchszentren etwa im Ruhrgebiet oder Süddeutschland zu verteilen, braucht es leistungsfähigere Stromautobahnen.

Strom fließt über Ländergrenzen hinweg

Auch der mit der Liberalisierung des Strommarkts zunehmende europäische Stromhandel zieht Ausbaubedarf nach sich. Vorteil eines über Ländergrenzen hinweg verknüpften Stromnetzes: Über- und Unterkapazitäten können besser ausgeglichen werden, die Einspeisung des Stroms von Solar- und Windkraftanlagen lässt sich verstetigen.

Mit moderner Höchstspannungstechnik und Gleichstromkabeln lassen sich auch große Distanzen mit nur geringen Verlusten überbrücken. Selbst auf Entfernungen von 5000 Kilometern sind damit die Kosten geringer als die Speicherung des Stroms in Speicherkraftwerken, Transportverluste mit eingerechnet.

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