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Neue Arbeitswelt Digitalisierung: Segen oder Jobkiller?

Ein Gabelstapler ohne Fahrer Illustration Quelle: imago images

Das Problem der Digitalisierung ist nicht, dass sie zu wenige Arbeitsplätze schafft – sondern dass zu wenige Arbeitskräfte die nötigen Kompetenzen haben. Ein Beitrag von Ökonomie-Nobelpreisträger Christopher Pissarides.

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Es ist eine alte und seit jeher kontrovers diskutierte Frage: Ist der Fortschritt ein Jobkiller? Von den Ludditen des frühen 19. Jahrhunderts bis hin zu berühmten  Ökonomen wie John Maynard Keynes und Wassily Leontief hat das Phänomen der Automatisierung viele Sorgen ausgelöst. Keynes und Leontief bezweifelten, dass für die Menschen genug Arbeitsplätze übrig bleiben würden.

Angesichts des aktuell hohen Automatisierungstempos teilen viele heutige Ökonomen das Unbehagen der großen Denker von damals. Es geht um drei entscheidende Fragen: Wird es künftig noch genug Arbeitsplätze geben? Wo werden sich diese Jobs befinden? Und wird die Entlohnung hoch genug sein, um einen Anstieg von Armut und Ungleichheit zu verhindern?

Die Antwort auf die erste Frage ist eindeutig. Die Geschichte zeigt, dass technologische Innovationen, die Arbeitskräfte ersetzen, nicht zu langfristigen Veränderungen der Beschäftigungs- und Arbeitslosenquoten in Industrieländern führen. Keynes sprach von „technischer Arbeitslosigkeit”. Als es etwa in Großbritannien in den 1920er Jahren und in der Zeit der Großen Depression zu einem Niedergang der Kohleindustrie kam, war einer der Hauptgründe für steigende Arbeitslosigkeit die Konkurrenz aus Deutschland und den USA. Die Qualifikationen der Arbeiter und ihr geografischer Standort ließen ihren raschen Einsatz anderswo in der Wirtschaft nicht zu. Doch dies war eine Übergangsphase und ging vorüber. 

Die Angst vor technischer Arbeitslosigkeit existiert bis heute, weil nicht klar ist, wieviel neue Arbeitsplätze durch technologischen Fortschritt entstehen. Mittlerweile gibt es aber reichlich Beweise, dass menschlicher Einfallsreichtum per se eine Quelle neuer Arbeitsplätze darstellt. Als Keynes seine Schriften verfasste, waren in Großbritannien und den USA etwa 40 Prozent der Arbeitskräfte im Dienstleistungssektor beschäftigt. Sektoren wie Gesundheit, Pflege, Tourismus- und Gastgewerbe waren winzig. Heute sind in diesen Bereichen mehr Menschen beschäftigt als in der Fertigung. John F. Kennedy formulierte es so: „Wenn die Menschen über das Talent verfügen, neue Maschinen zu erfinden, die Menschen arbeitslos machen, dann haben sie auch das Talent, diesen Menschen neue Arbeit zu geben.“

Das Problem der Digitalisierung besteht nicht darin, dass diese zu wenig Arbeitsplätze schafft – sondern dass zu wenige Arbeitskräfte über die Kompetenzen verfügen, diese Arbeitsplätze zu besetzen. Ebenso wie manche Jobs von neuen Technologien profitieren und andere dadurch hinfällig werden, steigen auch manche Qualifikationen im Wert, während andere leicht zu ersetzen sind. Das Automobil steigerte den Wert technischer Qualifikationen und ließ den Marktwert von Fähigkeiten in der Pferdezucht sinken. Pferdezüchter mussten sich neue Kompetenzen aneignen, um weiterhin über ein Einkommen zu verfügen.

Bei den Arbeitsplätzen, die in den frühen Stadien der Robotik und der künstlichen Intelligenz bedroht waren, handelte es sich um Routinejobs oder Aufgaben im Bereich der Datenverarbeitung. Der Güterumschlag in Lagerhäusern oder die Verladung landwirtschaftlicher Erzeugnisse auf Lastwagen war leicht zu mechanisieren. Aufgaben in der Datenverarbeitung waren mit KI-Software zu erledigen und ein Rechtsassistent, der Gerichtsakten nach relevanten Präzedenzfällen durchsuchte, konnte durch eine Suchmaschine und ein paar Schlüsselwörter ersetzt werden.

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