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Ohne Werte und Moral Was die FIFA und VW gemeinsam haben

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Überraschung der Politiker ist nicht glaubhaft

Es ist jedoch nicht zu verkennen, dass die Riege um Blatter lediglich so mächtig geworden ist, weil unsere Mächtigen aus Politik und Wirtschaft sie so mächtig gemacht haben. Ohne das viele Geld der Sponsoren und das Geld für die TV-Rechte, welches im Falle Deutschlands auch noch das Geld der Bürger ist, wären die Granden der FIFA kleine unbedeutende Vereinsmeier. Selbst der UEFA Präsident Michel Platini hat offenbar Zuwendungen in Millionenhöhe von der FIFA erhalten und der deutsche DFB-Präsident Niersbach hält sich verdächtig bedeckt mit Kritik an dem korrupten und verrottetem System der FIFA. Als enger Vertrauter des UEFA-Präsidenten Platini zählte er, laut Spiegel, zu jenen Top-Funktionären, die Aufklärung und Reformen aktiv behinderten.

Bis vor kurzem haben wir genüsslich mit dem Finger auf die Schweiz mit ihrer korrupten FIFA-Funktionärszentrale gezeigt. Doch jetzt haben wir mit dem VW-Skandal auch in Deutschland ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Ein jeder Autofahrer weiß, dass die Verbrauchsangaben (getestet unter Laborbedingungen) aller Automobilhersteller absoluter Unfug sind und mit der Realität nichts zu tun haben.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

Seit kurzem ist nun bekannt: Es wurde bei Deutschlands größtem Autokonzern Volkswagen massiv betrogen. Dummerweise hat der VW-Konzern elf Millionen Autos verkauft, in denen ein Betrugsprogramm läuft, welches den Umweltbehörden falsche Abgaswerte vorgaukelt. Blöderweise wurde VW jetzt erwischt. Abermals wurden Werte und Moral mit Füßen getreten, abermals sind es amerikanische Behörden, die den Betrug in großem Stil aufgedeckt haben - und abermals sind deutsche Politiker und Behörden überrascht und schockiert. Glaubhaft ist die Überraschung nicht, denn seit etwa einem Jahr wusste die Bundesregierung, dass Diesel-Pkw weitaus mehr Stickstoffoxid ausstoßen als die Hersteller angeben.

Manager wollen von nichts gewusst haben

Es stellt sich die Frage, was macht eigentlich das Kraftfahrtbundesamt, welches laut eigenen Angaben mit seinen Aufgaben und seinem Präsidenten Ekhard Zinke an der Spitze „einen wesentlichen Beitrag zur Verkehrssicherheit, zum Umweltschutz und zur Bereitstellung von Informationen über den Straßenverkehr“ leistet. Sind die Amerikaner einfach cleverer oder testen die einfach besser? Fragen über Fragen.

Stimmen zum Abgas-Skandal bei VW

Wir sind gespannt was noch für „Überraschungen“ an das Licht der Öffentlichkeit kommen. Der Aktivismus rund um die zehn Euro teuren grünen Umweltplaketten für die Umweltzonen ist somit als Farce entlarvt. Bereits 2011 hatte sich ein Techniker an seinen Vorgesetzten in Wolfsburg gewandt, um auf die illegale Abgas-Software aufmerksam zu machen. Der Zulieferer Bosch soll bei VW ebenfalls darauf hingewiesen haben, dass ein Einsatz der Technik in normalen, verkauften Fahrzeugen gesetzeswidrig sei. All dies blieb folgenlos und niemand hat etwas von der Manipulation gewusst.

Keiner kann uns erzählen, dass in einem streng hierarchisch geführten Konzern wie VW mit seinen Marken VW, Audi, Skoda, Seat… auf unterer Managementebene eine solch gravierende Manipulation möglich ist. In deutschen Großkonzernen lässt sich ein jeder auch eine noch so hanebüchene Entscheidung von seinem Vorgesetzen absegnen. Es liegt also nahe, dass der Betrug von höchster Ebene gedeckt wurde.

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