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Sicherheitsbehörden Halle-Attentäter zog Bundeswehr-Bewerbung einen Tag vor Auswahlverfahren zurück

Eine Innenausschuss-Sitzung bringt neue Hintergründe zum Täter. In Mönchengladbach durchsuchen die Ermittler Wohnungen von möglichen Unterstützern.

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Im „Manifest“ des Täters wimmelt es vor antisemitischen Begriffen. Quelle: dpa

Eine Woche nach dem Attentat in Halle gibt es neue Erkenntnisse über die Hintergründe. Der geständige Attentäter Stephan B. hat sich im September 2018 als Zeitsoldat bei der Bundeswehr beworben. Das verlautete am Mittwoch nach einer nicht-öffentlichen Sitzung des Innenausschusses des Bundestages, an der Generalbundesanwalt Peter Frank und ein Vertreter des Bundeskriminalamtes teilnahmen.

Der Mann habe sich auf eine Mannschaftslaufbahn beworben, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus der Bundeswehr. Im Jahr 2019 habe er einen Tag vor dem Auswahlverfahren dann eine E-Mail geschrieben und erklärt, er verzichte auf die Bewerbung. Die Gründe seien unklar geblieben. „Wir wissen es nicht“, hieß es dazu aus der Bundeswehr. Er hatte ab Ende 2010 einige Monate Wehrdienst geleistet. Ein Chemie-Studium brach er ab.

Am Mittwoch vor einer Woche hatte der Deutsche schwer bewaffnet versucht, in die Synagoge in Halle an der Saale einzudringen, wo rund 50 Gläubige den jüdischen Feiertag Jom Kippur begingen. Als der Plan misslang, erschoss der Täter auf der Straße eine 40 Jahre alte Frau und kurz darauf einen 20-jährigen Mann in einem Döner-Imbiss. Es gab mehrere Verletzte. Der 27-Jährige ist in Untersuchungshaft. Er hat die Tat gestanden und dabei antisemitische und rechtsextreme Motive eingeräumt.

Der Attentäter soll sich bereits 2015 im Internet eine Schusswaffe besorgt haben. Das berichteten mehrere Teilnehmer der Innenausschuss-Sitzung. Ob er die Waffe im offenen Internet oder im sogenannten Darknet fand, ist demnach noch nicht endgültig geklärt. Auch die Frage, ob es sich damals um eine Schreckschusspistole oder um eine scharfe Waffe handelte, sei letztlich offen geblieben.

„Offenbar war Stephan B. auch im Besitz einer nicht selbst-konstruierten Waffe“, sagte der FDP-Abgeordnete Benjamin Strasser. Die Behörden hätten über deren Herkunft bisher nur unzureichend Auskunft gegeben.

Für das von ihm geplante Massaker in der Synagoge baute er mehrere Waffen selbst und stellte auch Munition her. Der CDU-Innenpolitiker Armin Schuster sagte, dass der Mann die Tür der Synagoge nicht überwinden konnte, habe wohl vor allem an der relativ geringen Durchschlagskraft seiner selbstgebauten Waffen gelegen. Der Attentäter soll den Angaben zufolge gesagt haben, er habe seine selbstgebauten Waffen nur einmal in einem Schuppen seines Vaters ausprobiert.

Ermittlungen in Nordrhein-Westfalen

Vor der Tat hatte der Attentäter ein „Manifest“ voller antisemitischer Begriffe und mit detaillierter Beschreibung seines Waffenarsenals vor dem Anschlag im Internet veröffentlicht. Dieses soll von zwei Männern aus Mönchengladbach verbreitet worden sein. Jan Steils, Sprecher der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach, bestätigt am Mittwoch die Durchsuchung der Wohnungen der Beschuldigten.

Beamte des NRW-Landeskriminalamtes stellten dabei „zahlreiche elektronische Geräte und Speichermedien“ sicher. Das berichteten sie in einer gemeinsamen Erklärung mit der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft. Diese würden nun ausgewertet.

Es bestehe der Verdacht, dass sie „vom Attentäter herrührende“ Dokumente mit volksverhetzendem Inhalt „zeitnah zum Attentat von Halle“ verbreitet hätten. Gegen die 26 und 28 Jahre alten Männer werde wegen Volksverhetzung ermittelt.

Zuvor hatten bereits die „Süddeutsche Zeitung“, WDR und NDR von einer verdächtigen Person aus Mönchengladbach berichtet, die über die Tat informiert gewesen sein soll. Die Spur nach Mönchengladbach ergab sich nach einem Hinweis auf eine Computer-IP-Adresse, die das Bundeskriminalamt von US-Behörden erhalten habe.

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