Tauchsieder

Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar

Vor 25 Jahren wurde Alfred Herrhausen ermordet. Er war der letzte Manager von staatsbürgerlichem Großformat - seine Nachfolger sind nichts als austauschbare Governance-Zwerge. Eine Verneigung.

Todestag von Alfred Herrhausen Quelle: imago

Alfred Herrhausen hat keine Lücke hinterlassen, sondern einen leeren, schwarzen Riesenraum.  Als der Vorstandssprecher der Deutschen Bank heute vor 25 Jahren von Terroristen der Rote Armee Fraktion ermordet wird, versammeln sich tags darauf mehr als 10.000 Menschen in Frankfurt, ziehen schweigend, trauernd und schockiert durchs Bankenviertel. Sie gedenken eines Bankmanagers, der ein Staatsmann war und eines Staatsmannes, der ein Bankmanager war. Vielleicht ahnen einige von ihnen, dass es einen wie Herrhausen nicht mehr geben wird. Einen Mann der Wirtschaftselite, der die politische Öffentlichkeit suchte. Einen Mann des Geldes, der über Fluch und Segen des Kapitalismus nachdachte. Ein Mann aus der Unternehmerwelt, der sich einmischte, stritt - und der Albtraum jedes Pressereferenten war.

Die geheimen Clubs der Wirtschaftselite
Capital ClubNur gegen Aufnahmegebühr und Jahresbeitrag darf im Capital Club getroffen werden. Gäste: Joschka Fischer, Roland Pofalla, Klaus Wowereit Adresse: Mohrenstraße 30, 10117 Berlin www.berlincapitalclub.de Quelle: Pressebild
Airport Club Quelle: Presse
Deutsche Parlamentarische Gesellschaft Quelle: Deutscher Bundestag/Siegfried Bücker
Soho House, Berlin Aus dem Ur-Soho-House in London stammt der Grundsatz für Mitglieder: No bankers, no lawyers. In der City der Neunziger war das ein Erdbeben, in der Berlin ist nichts leichter als das. Gäste: Hierher kommen Modedesignerwie Michael Michalsky, Jungunternehmerwie Jan-Henrik Scheper-Stuke, Chef des Krawattenlabels Edsor Kronen, oder Schauspieler wie Heike Makatasch. Und Madonna? War auch schon da. Adresse: Torstraße 1, 10119Berlin www.sohohouseberlin.com
Business-Club Schloss Solitude Quelle: Andreas Körner für WirtschaftsWoche
Kieler Yachtclub Der Club hieß bis 1918 Kaiserlicher Yachtclub, hier war die wilhelminische Elite, Industrielle und Adlige Mitglied. Auch die Mitglieder der Familie Krupp aus Essen. Vor dem an der Kieler Förde gelegenen Clubhaus, das seit 2007 dem ThyssenKrupp-Konzern gehört,  ist die alte Krupp-Yacht „Germania VI“ vertäut, mit dunkelgrünen Rumpf. Gäste: Zur Kieler Woche im Juni ist der Yachtclub noch heute gesellschaftlicher Treffpunkt deutscher und vor allem skandinavischer Industriemanager. www.kyc.de Quelle: Screenshot
Union Club in der Villa MertonIn der neobarocken Villa Merton gelegen, suchen die Mitglieder des Union Club in sicherer Entfernung vom Rummel des Bankenviertels Kontakt zu Entscheidern aus Industrie und Finanzwelt.. Gäste: Air-Berlin-Chefpilot Hartmut Mehdorn schaut hin und wieder vorbei. Auch der ehemalige Vorstandssprecher und spätere Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Rolf-Ernst Breuer, kommt gerne her. Gleiches gilt auch für den US-Generalkonsul in Frankfurt, Edward Alford. Adresse: Am Leonhardsbrunn 12, 60487 Frankfurt http://www.union-club.com/ Quelle: Presse
China ClubTradition und chinesische Avantgarde-Kunst versprechen ebenso wie Spitzenkoch Tam Kok Kong aus Singapur Flair und Genuss. Gäste: Die Industriebosse schauen gerne hier vorbei, Eckhard Cordes von der Metro etwa oder die Oberchemiker von der BASF. Adresse: Behrenstraße 72, 10117Berlin www.china-club-berlin.de Quelle: Presse
Industrie-Club DüsseldorfSeit seiner Gründung im Jahr 1912 versteht sich der Club als „Treffpunkt der Eliten“. Seine drei Salons und sieben Clubzimmer sind wie geschaffen fürs vertrauliche Gespräch. Gäste: Die Gästeliste des Clubs, zu dessen Mitgliedern einst August Thyssen und Konrad Adenauer gehörten, reicht in jüngerer Zeit von Helmut Schmidt bis Angela Merkel. Adresse: Elberfelder Straße 6, 40213 Düsseldorf www.industrie-club.de Quelle: Screenshot
Bischoff Dekra Club, StuttgartDas Club-Restaurant im Erdgeschoss der Dekra-Zentrale zählt zu den Top-Adressen für Geschäftsessen in Stuttgart. Die Manager können mit dem Auto in die Tiefgarage rollen und inkognito mit dem Aufzug ins Foyer fahren, wo eine Codekarte die Edelstahltür zum Salon von Markus Bischoff öffnet. Gäste: Daimler-Vorstände schätzen den Club ebenso wie der Ex-Unternehmenslenker Hans-Peter Villis (EnBW), Jörg Klaus Fischer (Fischer Dübel), Anton Märli (MAO), Stefan Wolf (Elring Klinger). Adresse: Handwerkstraße 15, 70565 Stuttgart www.bischoff-club.de Quelle: Andreas Körner für WirtschaftsWoche

Alfred Herrhausen hatte nichts gemein mit den Top-Managern von heute, die aus Angst vor kursrelevanten Zwischentönen genau abgezirkelte Interviews in handverlesenen Publikationen geben, in den gesetzten Worten der Corporate Governance und politischen Neutralität, versteht sich, gespickt mit allerlei Effizienzphrasen aus dem Baukasten der Business-Schools. Alfred Herrhausen hatte auch nichts gemein mit den Reichen und Superreichen, die ihre Millionen und Milliarden in die Schweiz schaffen, die unfotografierte Anonyme sind hinter der Fassade ihrer Erfolgsunternehmen, die die Geschäfte ihres Unternehmens systematisch verdunkeln, um sie in Gestalt von Briefkästen in Luxemburg oder Delaware den Augen der wirtschaftenden Bevölkerung zu entziehen. Kurzum, Alfred Herrhausen war das Bild eines Managers, das noch kein Bild des Elends und des Jammers war. Eine Person des öffentlichen Lebens wie ein Politiker, Schauspieler oder Schriftsteller - ein geachteter, selbstkritischer, in das soziale Netz der deutschen Gesellschaft eingebetteter Prominenter aus der Welt der Wirtschaft - kurz: einer, der heute im nackten Sinne des Wortes fehlt. 

Alfred Herrhausen hat auf all die entscheidenden Fragen, die uns vor 25 Jahren anfingen zu bedrängen, erste Antworten gesucht - auf all die Fragen, die Manager und Unternehmer und (noch dazu die allermeisten) Wirtschaftswissenschaftler heute mit dröhnendem Schweigen beantworten: Wie reagieren wir auf den Vormarsch der institutionellen Vernunft mit ihren systemischen "Alternativlosigkeiten"? Wie gehen wir angesichts knapper werdender Ressourcen mit  der Expansionslogik der kapitalistischen Wirtschaftsform um? Wie bekommen wir den Kreditismus der Moderne mit seiner Schuldenproblematik in den Griff, die Machtkonzentration von globalen Konzernen und die Fiktionalisierung der Finanzmärkte?   

Wegbegleiter und Gegenspieler

Wenn man sich heute noch einmal die 32 Reden und Aufsätze durchliest, die Alfred Herrhausen in den Siebziger- und Achtzigerjahren verfasst hat, gewissermaßen seinen Nachlass sichtet, so wie er testamentarisch versammelt ist in einem Band mit dem programmatischen Titel "Denken - Ordnen - Gestalten", weiß man zunächst nicht, was einen am meisten beeindruckt. Die ideologisch ungetrübte Sauberkeit, mit der Herrhausen auf eine zunehmend komplexe Moderne blickt? Die sezierende Schärfe, mit der er seine Gedanken gliedert und gute Argumente von schlechten trennt? Die logisch-lustvolle Strenge, mit der er "Staatsbejahung, Selbstsicherheit und Zukunftsoffenheit" zu Imperativen verantwortungsvollen Handelns erhebt? Oder ist man am Ende einfach nur verblüfft, dass ein Bankmanager überhaupt von einer "gesellschaftspolitischen Mission" beseelt sein kann - und fähig zu gedankenschweren Einmischungen ins politische Geschäft? Was bleibt, ist zweierlei: die rückblickende Freude über eine Persönlichkeit von so wacher Zeitgenossenschaft - und die düstere Erkenntnis vom intellektuellen Mangel, an dem die deutsche Bankwirtschaft seit Herrhausens Tod leidet.

Er ist der letzte Kapitalist in Frankfurt


Herrhausens frappierende Aktualität drückt sich zunächst einmal darin aus, dass er die Ambivalenz der Moderne als ihr entscheidendes Merkmal respektiert und scheinbar Gegensätzliches mühelos zusammen denkt: Macht und Verantwortung, Freiheit und Bindung, Staat und Wirtschaft, Führung und Moderation. Herrhausen weiß, dass das eine nicht ohne das andere zu haben ist - es sei denn auf Kosten des Gesamtüberblicks, zum Preis der Wirklichkeitsverzerrung. Herrhausen verabscheut Einseitigkeiten, die "geistige Verengung" seiner Zunft und ihrer Vertreter, den "Ressortegoismus", die Fokussierung auf den "Wachstumszwang", die "Konzentration auf das Nur-Ökonomische".

Die größten Risiken und Probleme der Deutschen Bank
Libor-Skandal Über Jahre versuchten internationale Großbanken den Referenzzins zu manipulieren, um höhere Gewinne zu erzielen. Daran waren auch Beschäftigte des Dax-Konzerns beteiligt. Mehrere Investmentbanker der Deutschen Bank mussten gehen. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war auch Jain, der seit Jahren das Investmentbanking verantwortet. Die drei Konkurrenten Barclays, Royal Bank of Scotland und UBS mussten bereits hohe Strafen zahlen. Das droht auch der Deutschen Bank. Quelle: dpa
Kirch-ProzessIm Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch wurde die Bank vom Münchner Oberlandesgericht grundsätzlich zu Schadensersatz verurteilt. Die Höhe steht noch nicht fest. Die Bank wehrt sich vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gegen den Schuldspruch, bildete in diesem Fall aber auch erstmals Rückstellungen. Die Kirch-Seite macht die Bank für die Pleite der Medienunternehmens 2002 verantwortlich und fordert gut zwei Milliarden Euro Schadenersatz. Einen Vergleich lehnte die Deutsche Bank bislang ab. Im April sah sich das Institut zu einer außerordentlichen Hauptversammlung gezwungen, weil Kläger aus dem Kirch-Lager erfolgreich Beschlüsse des letzten regulären Aktionärstreffens im Mai 2012 angefochten hatten. Quelle: dapd
USADas Land ist einer wichtigsten Märkte für die Deutsche Bank. Die Politik dort will nun die Kapitalregeln für Auslandsbanken verschärfen. Das würde die Deutsche Bank besonders zu spüren bekommen. Zudem kämpft das Institut wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/08 mit zahlreichen Klagen. Oft geht es um Hypothekengeschäfte. Quelle: AP
AbbausparteDer Bereich wird auch als „Bad Bank“ der Deutschen Bank bezeichnet. In der Sparte hat sie alle Geschäfte und Anlagen geparkt, von denen sie sich trennen möchte. Dazu gehören auch einige verlustreiche Ladenhüter wie das einst von der Bank finanzierte Kasino Cosmopolitan in Las Vegas und der US-Hafenbetreiber Maher, die schon seit Jahren auf einen Verkauf warten. Der eigentlich schon vereinbarte Verkauf der Frankfurter BHF-Bank an die Finanzgruppe RHJ stockt seit Monaten, weil die Finanzaufsicht kein grünes Licht gab. Quelle: Presse
VermögensverwaltungGern hätte das Institut im vergangenen Jahr einen Großteil dieses Geschäfts verkauft. Die Verhandlungen verliefen aber im Sande, da die Gebote zu niedrig waren. Nun will die Bank die Sparte selbst weiterentwickeln. Doch die Konkurrenz wird größer. Immer mehr Institute buhlen um reiche Kunden in aller Welt, da dieses Geschäft als vergleichsweise stabil gilt. Die Deutsche Bank findet sich international in der Vermögensverwaltung bislang nur auf einem der hinteren Plätze. Quelle: REUTERS

Als Sprecher der Deutschen Bank, der er seit 1985 ist, hat er eben nicht nur die schwarzkünstlerischen Selbstvermehrungskräfte des Geldes an den Kapitalmärkten, die Verwöhnung seines Instituts mit ausreichend Eigenkapital und Rendite im Sinn, sondern auch und vor allem das "Rollenverständnis" der Banken. Die gewinnträchtige Bewirtschaftung von Kapital empfindet er als selbstverständliche Managerpflicht; die ständige Standortbestimmung der Wirtschaft in der Gesellschaft als seinen staatsbürgerlichen Auftrag.

Alfred Herrhausen lässt keinen Zweifel daran, dass die Deutsche Bank sich "nicht allein darauf beschränken" kann, "gute Geschäfte zu machen"; dass sie im Gegenteil "auf Akzeptanz angewiesen" ist, je größer ihre Gebäude, je abstrakter ihre Produkte, je globaler ihre Geschäfte werden. Sein unternehmerisches Handeln stellt er daher unter "dauernden Begründungszwang". Stets ist er um eine "bestimmte Autorität", um "gesellschaftliche Verantwortung" und um die "Auslegung unserer Funktion" bemüht, also darum, "sich und anderen die Bezogenheit unserer... Einzelaufgabe zum Ganzen" bewusst zu machen. Man könnte auch sagen, dass Alfred Herrhausen der letzte Kapitalist in Frankfurt ist, der ein echtes, ehrliches Interesse an der Einbettung von Quartalszahlen in den gesamtgesellschaftlichen Kontext offenbart: Handlungsreisender und Verantwortungsethiker in einer Person, zugleich homo oeconomicus und zoon politicon, gleichzeitig Globalmanager und demokratievernarrter Patriot. Man kann sich Alfred Herrhausen in den Achtzigerjahren jederzeit als Staatssekretär vorstellen, als Minister, als Chef der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds, als Honorarprofessor für Sozialökonomie - oder als Bundespräsidenten. Die meisten Staatschefs würden die meisten seiner Reden gerne halten.

Mit beinahe kindlicher Zuversicht glaubt Herrhausen an eine Identität von Fortschritt und Vernunft, an die Aufwärtsentwicklung einer aufgeklärten Menschheit. Mit der Kant’schen Aufforderung, das Wissen zu wagen, verbindet er die Hoffnung auf eine glückliche Überwindung von Vorurteilen und Ideologien, auf die Rationalität einer Handlungsmoral kraft Verstand, Evidenz und Erfahrung. "Richtiges, fehlerfreies Denken" nennt Herrhausen das. In seinem ständigen Bemühen um eine "Abbildung von Wirklichkeit, so wie sie ist", beruft er sich auf den Philosophen Karl Popper und die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann: "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar." 

 

Natürlich könnte Herrhausen sich dabei auch Jürgen Habermas verpflichtet fühlen; beiden gilt der "Sachverhalt" als kommunikatives Projekt; beide suchen "Wahrheit" im Konsens vernünftiger Sprecher; beide wollen einem freien Diskurs normative Realitäten abgewinnen, mit denen der gesellschaftliche Fortschritt zugleich bezeugt und formiert wird. Nur auf diese Weise, im faktenbasierten Wägen und Wiegen der Tatsachen und Sichtweisen, so Herrhausen, und im Vertrauen auf eine Moral, die bereit ist, sich klug zu machen, können sich die "Dissonanzen des Fortschritts", das "Problem des Umweltschutzes, der Entwicklungsländer, der Frage der Vermögensverteilung" als produktive, "schöpferische Unruhe" erweisen, als "Quelle für neue Kraft zur positiven Veränderung, zur besseren Gestaltung... - wenn wir es wollen".

Alfred Herrhausen war eine Legende


Die ihn am 30. November 1989, an diesem Sonntag vor 25 Jahren, ermorden, wollen es nicht. Wollen nicht sprechen, nicht gestalten, nicht verändern. Wollen sich stattdessen, ideologisch eingebunkert und verpanzert, ihr dunkel-narzisstisches Weltbild erhalten, ihr Ressentiment retten, ihre monströsen Horizontverengungen vor dem Zugriff der Vernunft schützen. Es gehört zur bösen Wahrheit über die RAF, dass sie mit ihren Morden nichts und wieder nichts erreichen will - außer dass alles bleibt, wie es ist. Deshalb schlagen die Terroristen das Gesprächsangebot von Alfred Herrhausen auf denkbar definitive Weise aus; deshalb bringen sie mit Alfred Herrhausen weniger ihr Feindbild um, vielmehr den, der ihr Feindbild zu ruinieren droht. "Herrhausens Pläne gegen die Länder in der Dritten Welt", heißt es im Bekennerschreiben, "die selbst in linksintellektuellen Kreisen als humanitäre Fortschrittskonzepte gepriesen werden, sind nichts anderes als der Versuch, die bestehenden Herrschafts- und Ausplünderungsverhältnisse längerfristig zu sichern."

 

Kirch gegen Deutsche Bank
Der Fall Leo KirchFebruar 2002Rolf Breuer, der Chef der Deutschen Bank, stellte vor 10 Jahren die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe infrage. In einem TV-Interview, dass am 4. Februar bei Bloomberg TV ausgestrahlt wurde, sagt er, nach allem, was man „darüber lesen und hören“ könne, sei der Finanzsektor nicht mehr bereit, „auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“. Quelle: AP
Interview im Wortlaut Quelle: AP
Insolvenz Quelle: AP
Taurus-Holding Quelle: AP
BGH Quelle: dpa/dpaweb
Rücktritt Quelle: REUTERS
Abgewiesen! Quelle: dpa
April 2010Kirch scheitert mit einer Strafanzeige gegen Breuer. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt verwirft einen Antrag auf Klageerzwingung als unzulässig. Quelle: dpa
Februar 2011Das Landgericht München weist milliardenschwere Schadenersatzforderungen Leo Kirchs zurück. Es geht um Ansprüche der Printbeteiligungs GmbH, in der Kirch seinen Anteil am Springer-Konzern gebündelt hatte. Quelle: dpa
März 2011Am 25. März 2011, neun Jahre nach der Plaite des Kirch-Konzerns, treffen Breuer und Kirch erstmals vor Gericht aufeinander. Die Vernehmung des schwer kranken Kirch vor dem OLG München wird nach gut eineinhalb Stunden abgebrochen. Quelle: dapd
März 2011, das TreffenEs ist 9.52 Uhr, als Kirch in einem Rollstuhl in den Saal 411 des Münchner Oberlandesgerichts (OLG) gefahren wird. Der 84-Jährige lächelt, schaut fast vergnügt durch die gelbgetönten Gläser seiner Brille. Breuer grüßt er nicht, die beiden älteren Männer haben sich nichts mehr zu sagen. Der fast blinde Kirch hat Mühe zu sprechen, er ist heiser, kaum zu hören. Quelle: dapd
Juli 2011Am 14. Juli stirbt Kirch im Alter von 84 Jahren. "Unser geliebter Ehemann, Vater, Bruder, Dr. Leo Kirch, ist heute im Kreise seiner Familie friedlich verstorben. Wir sind sehr traurig!", teilte seine Familie am 14.07.11 mit. Jahrzehntelang war Kirch die graue Eminenz der deutschen Medienlandschaft. Er galt als unersättlich, gewieft und risikobereit - eine Kombination, die nicht nur seine Gegner fürchteten. Durch seine Öffentlichkeitsscheu - lange Zeit gab es nicht einmal Fotos von ihm - wurde dieser Mythos noch verstärkt. Einen seiner wenigen öffentlichen Auftritte hatte Kirch im Mai 2008 als Trauzeuge bei der zweiten Hochzeit von Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, mit dem er persönlich befreundet war. Die guten Kontakte Kirchs zu einflussreichen Politikern und großzügige Kredite der Banken trugen in Kirchs besten Jahren zum Image des machtbesessenen Medienmoguls bei. Zum Portrait Quelle: AP
Springer Quelle: dapd
November 2011Die Deutsche Bank stellte einen Befangenheitsantrag gegen das Richter-Trio, über den noch nicht abschließend entschieden ist. Grund für den Befangenheitsantrag war, dass in den vergangenen Monaten die Kanzlei von Anwalt Peter Gauweiler - die die Kirch-Seite in den Zivilverfahren vertritt - Akteneinsicht bekam, ohne dass die Verteidigung davon informiert worden sei, sagte Verteidiger Sven Thomas. Dies habe er bereits schriftlich moniert, ohne Ergebnis. Zudem habe Richter Winkler in einer Stellungnahme zum Befangenheitsantrag geschrieben, ihm sei „das Schreiben nicht aufgefallen“. Auch deshalb zweifle er an der Eignung Winklers. Quelle: REUTERS
Prozess eingestellt Quelle: dapd
Dezember 2012Am 14. Dezember 2012 kommt es nach zehn Jahren das sensationelle Urteil des Oberlandesgerichts im Streit mit den Erben des Medienmanagers Leo Kirch: Die Deutsche Bank muss Schadenersatz für Verluste in Folge der Pleite des Kirch-Imperiums 2002 zahlen. Die Höhe der Wiedergutmachung sollen zwei Gutachter bestimmen, für deren Benennung beide Seiten bis Ende Januar 2013 Vorschläge unterbreiten können. Die Kirch-Seite hatte die Bank in diesem Verfahren auf mehr als zwei Milliarden Euro verklagt. Eine Revision gegen das Urteil ist nicht zugelassen. Die Deutsche Bank hält die Ansprüche der Kirch-Erben für haltlos und geht gegen das OLG-Urteil beim Bundesgerichtshof vor. Quelle: dpa
November 2013Die Staatsanwaltschaft München ermittelt jetzt auch gegen den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen. Es gebe einen Anfangsverdacht des versuchten Betrugs. Ob gegen Fitschen Anklage erhoben werde, stehe noch nicht fest. Die Deutsche Bank bestätigte, dass Fitschen über die Ermittlungen in Kenntnis gesetzt worden sei. Es gehe um den Verdacht, dass während der Beweisaufnahme bewusst unwahre Angaben gemacht worden seien. „Die Bank ist davon überzeugt, dass sich der Verdacht als unbegründet erweisen wird.“ Quelle: REUTERS
20. Februar 2014Die Deutsche Bank zahlt den Kirch-Erben 775 Millionen Euro plus Zinsen. Mit diesem Vergleich zieht das Geldhaus einen Schlussstrich unter den seit fast zwölf Jahren andauernden Streit um eine Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Kirch-Konzerns. Quelle: dpa

Das ist nicht fest und entschieden formuliert, sondern despotisch und doktrinär - und zeugt von einer noch größeren Kommunikationsstörung und Sprachlosigkeit als die Bombe, die Alfred Herrhausen das Leben kostet. Es ist deshalb so verständlich wie sinnlos, dass die Angehörigen der Ermordeten noch immer auf eine Erklärung der Mörder warten, dass namentlich Traudl Herrhausen, die zweite Ehefrau des Opfers, den "Mördern meines Mannes" endlich "in die Augen sehen" will. Die Terroristen haben - vielleicht niemals deutlicher als im Falle von Alfred Herrhausen - das, was sie zur "positiven Veränderung" und "besseren Gestaltung" der Gesellschaft beizutragen hatten, ein für alle Mal gesagt: mit ihren Waffen. Der Rest war, ist und bleibt Schutzbunkerschwätzerei, Stadtguerillasermon und Häftlingsbefreiungsschleim.

Alfred Herrhausen braucht nicht mehr als viereinhalb Jahre Zeit an der Spitze der Deutschen Bank und drei große Themen und Ereignisse, um zu einer Legende zu werden. Mit seinem Plädoyer für einen Schuldenerlass und seinem Interesse an globalen Fragen, mit seiner zweifelnden Offenheit in Fragen der Geldkonzentration und Bankenmacht und mit seiner Klarsicht in den Wochen nach dem Mauerfall sichert er sich ein Maß an öffentlicher Anerkennung, wie sie einem deutschen Unternehmenschef seither nicht mehr zuteil wurde.

Als Herrhausen Ende September 1987 auf der Jahrestagung der Weltbank in Washington vor die Presse tritt, verwirft er plötzlich die bis dahin gängige Politik des billigen Geldes, die die Entwicklungs- und Schwellenländer zur Aufnahme immer neuer Kredite und zur Begleichung immer neuer Zinsen, kurz: ins Joch des ewigen Schuldendienstes, zwingt. Herrhausen spricht von einem "anderen Lösungsansatz" - und davon, dass auch die "Banken gewisse Opfer bringen" müssen. Während Eine-Welt-Engagierte ihren Ohren nicht trauen, westliche Regierungsvertreter vor einem "Präzedenzfall" warnen und deutsche Bankvorstände eine "Schnapsidee" weglachen, tritt Herrhausen in den folgenden Wochen sachlich, kühl und überlegt den Beweis für die "Richtigkeit" seines Denkens an: Es gehe darum, dass die Schuldnerländer ihre Kreditwürdigkeit und "Marktqualität" zurück gewinnen, so Herrhausen, "was viele zukünftige geschäftliche Möglichkeiten eröffnet". 

Herrhausen ist ganz begeistert von Debt Equity Swaps, die die Umwandlung von Schulden in Beteiligungskapital erlauben - oder von Debt for Nature Swaps, mit denen sich der Schuldenverzicht an die Einhaltung von Umweltschutzzielen knüpfen ließe: "Denken wir nur an die Urwaldgebiete oder die afrikanische Savanne", so Herrhausen: "Wäre hier nicht eine Sichtweise angebracht, wonach solche Groß- Biotope den Ländern, auf deren Territorien sie liegen, gleichsam als Treuhandgut der ganzen Menschheit überantwortet sind, weil die gegenseitige Abhängigkeit aller auf dem Raumschiff Erde, auf dem wir leben, gerade in der ökologischen Herausforderung in nicht zu überbietender Weise sichtbar wird?"

Die Macht der Banken, das bin ich


Herrhausen ist kein Träumer. Kaum hat er die Biotop-Idee eingeführt, stellt er klar, dass es selbstverständlich "keinen... Konflikt zwischen Marktwirtschaft und Umweltschutz" gibt, im Gegenteil: "Effizienter Umweltschutz ist erst möglich durch den Einsatz marktwirtschaftlicher Instrumente, die den Preismechanismus und damit das Eigeninteresse des Verursachers zur Linderung der Umweltprobleme nutzen." Auch der Vorwurf, dass die Deutsche Bank bereits einen Großteil ihrer Kredite an die Schuldnerländer abgeschrieben habe und sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen wolle, ficht Herrhausen nicht an: Das Wohlergehen seines Unternehmens schließt die Sorge um den Planeten nicht aus.

Manager verraten ihr Erfolgsgeheimnis
James Dyson, Designer, Erfinder und Gründer des Unternehmens Dyson"Ich liebe Fehlschläge. Aufgegeben habe ich nie. In den 1980er Jahren habe ich in meiner Werkstatt an 5126 Staubsauger-Prototypen getüftelt, die alle nicht funktionierten. Aber Nummer 5127 tat, was er sollte. Der Erfolg von Dyson geht zurück auf den einzigartigen Pioniergeist und außergewöhnlichen Einsatz aller meiner Ingenieure."
Simone Frömming, Deutschland-Chefin von VMware, einem der Top-Ten-Softwareproduzenten"Über Nacht zur Führungskraft? Bei mir war das genau der Fall! Bei einem Vortrag zum Thema "Go-To-Market im Softwarevertrieb" konnte ich meinen damaligen Geschäftsführer derart überzeugen, dass er mich von heute auf morgen befördert hat. Alle meine Ideen waren recht unpolitisch und leidenschaftlich - aber dafür stets zielorientiert. Als Account Managerin hätte ich damals nie gedacht, dass ein einzelner Vortrag der Wendepunkt meiner ganzen Karriere sein kann. Nach einem ersten sprachlosen Moment hat mich dieses Angebot aber darin bestätigt, Dinge auch entgegen der gängigen Meinung anzusprechen und verändern zu wollen. Eine wichtige Eigenschaft in der IT-Branche, in der jeden Tag aufs Neue ein Wettrennen um aufregende Ideen ausgetragen wird. Und letztlich auch eine Eigenschaft, die mich dahin gebracht hat, wo ich heute stehe."
Eckart von Hirschhausen, Moderator und Kabarettist, gelernter Mediziner"1997 wurde ich von einem Radiosender engagiert für eine Tour durch Kinderkrankenhäuser. In der Kinderpsychiatrie in München machte ich eine Zaubershow. Alle Kinder wurden involviert, mussten laut zählen, pusten und mitmachen. Nach der Show kam ein Arzt auf mich zu und erzählte von einem kleinen „Wunder“. Ein Junge war seit Wochen schon in Behandlung wegen „Mutismus“, einer seelischen Störung bei der Kinder aufhören zu sprechen. Der Junge „vergaß“ während der Show seine Störung und machte munter mit. Seitdem nehme ich die Rolle von positiven Gemeinschaftserlebnissen, von Humor, Musik, Kunst und anderen Wegen uns zu „verzaubern“ viel ernster, seit 2006 auch mit meiner Stiftung Humor hilft heilen."
Richard Quest, Chef der Wirtschaftsredaktion und Anchorman bei CNN Gibt es einen Moment, an den ich zurückdenke und sagen kann „Heureka!“, das war der Moment, an dem ich es geschafft hatte? Nein. Es gab viele Momente, an denen eine Geschichte Aufmerksamkeit für mein Schaffen erzeugt hat. Jeden dieser Momente habe ich dann genutzt, um mich auf meiner rutschigen Karriereleiter eine Sprosse weiter nach oben zu hangeln. Dazu gehören mein erster Hurricane-Bericht über Hurricane Gilbert im Jahr 1988, meine erste Berichterstattung zu einer US-Präsidentschaftswahl, mein Bericht von Queen Mums Beerdigung, die Berichterstattung zu Queen Elizabeths Kronjubiläum und meine Arbeit zur Einführung des Euro. Wenn ich wählen müsste, was DIE Story gewesen ist, dann wäre das der Schwarze Montag, der 19. Oktober 1987. Ich war ganz neu als Finanzreporter in London. Der Abwärtstrend an der New Yorker Börse hatte begonnen. Und bevor der Tag vorbei war, hatte der Dow Jones mehr als 500 Punkte (= 25 Prozent) verloren. Dies gilt nach wie vor als der anteilsmäßig stärkste Tagesverlust in der Geschichte des Dow Jones. Ich war im Dienst. Ich habe dabei zugesehen, wie der Markt sich in den Sekunden nach Börsenschluss um 100 Punkte verschlechtert hat und berichtete während der nächsten paar Tage morgens, mittags und abends – auf allen Programmen. Ich wurde dann eilig weggeschickt, um die Berichterstattung in New York aufzunehmen. Die Arbeit, der ich damals nachging, brachte mir die Aufmerksamkeit des Chefredakteurs ein, ich hatte mich als Finanzreporter etabliert. Ich werde den Schwarzen Montag nie vergessen. Als der Vorsitzende der New Yorker Börse sagte, dieser Tag sei am nächsten an einen Zusammenbruch der Finanzmärkte herangekommen, als alles, was wir uns hätten vorstellen können. Dies galt natürlich nur bis zum nächsten Finanzcrash. Zum letzteren Zeitpunkt war ich älter und weiser – aber interessanterweise war ich genauso erschrocken.
Karsten Eichmann, CEO des Gothaer-Konzerns"Aha- da gibt es ja noch so viel Spannendes" – für die entscheidenden Karriereschritte war meine Neugierde ein wesentliches Momentum. So auch als ich mit 43 Jahren meine berufliche Komfortzone aus Erfolg und Sicherheit verlassen und von München nach Hamburg gegangen bin, um als Vorstandschef der Advocard eine neue, spannende Herausforderung anzupacken. Nur durch das "Loslassen" von Gewohntem war der Weg bis zum CEO des Gothaer-Konzerns möglich - und diese Neugierde auf die Zukunft werde ich mir bewahren."
Uwe Schuricht, Geschäftsführer der Personalberatung Change Group"Mein Lebensweg hat entscheidende Weichenstellungen auf dem Tennisplatz bekommen: Mit Tennisunterricht habe ich mein Jura-Studium finanziert und schon damals davon geträumt, Headhunter zu werden. Dank Tennis habe ich einen Förderer gefunden, der mich bei der Promotion unterstützt hat. Die Promotion hat mich zu einer amerikanischen Kanzlei nach Paris geführt. Dort wurde ich als Manager entdeckt und danach war es nur noch ein kleiner Schritt zu meinem Traumberuf."
Sven Eggert, Eggert Group Werbeagentur"Nach einem Studium im Ausland (Oxford und Paris) nahm ich eine Stellung als Vorstandsassistent an. Mein Chef öffnete mir schnell die Augen, dass ich mit dem Europa-Hintergrund nicht so international aufgestellt war, wie uns im Studium suggeriert wurde. Die Entscheidung, daraufhin noch für vier Jahre in den USA zu arbeiten, war goldrichtig."
Karen Heumann, Vorstandssprecherin und Mitinhaberin der Agenturgruppe thjnk"Mit 31 Jahren war ich Chefin der Strategischen Planung bei KNSK/BBDO, als mir ein Headhunter einen Geschäftsführerposten bei der britischen Agentur Leagas Delaney anbot. Ein heißer Laden mit Kunden wie Adidas und Patek Philippe. Ich flog nach London und verbrachte einen gesamten Tag mit den Chefs. Auf dem Rückflug war klar: Ich wollte es unbedingt machen! Denn England ist das Land, aus dem meine Profession kommt, ich würde nie mehr so viel lernen können. Aber ich war mir auch sicher: Die wollen mich nicht, ich war zu jung, der Schuh vielleicht doch zu groß – warum sonst hätten diese Werbe-Lichtgestalten all die Stunden ausschließlich über persönliche Interessen und allgemeine Weltbetrachtungen mit mir gesprochen? Engländer sind halt höflich, dachte ich mir, die wollten mich nicht einfach zurückschicken. Am Tag darauf hatte ich den Job. Und ich machte tatsächlich riesige Lernsprünge in kurzer Zeit, hatte endlich den nötigen Hebel, um inhaltlich etwas zu bewegen. Ein paar Jahre später wollte ich von Bruce Haines, dem CEO, wissen, wieso man mir damals keine einzige berufliche Frage gestellt hatte. Und er sagte: „Wir sind davon ausgegangen, dass Du weißt, wie es geht. Wir mussten rauskriegen, ob Du weißt, wie es gehen könnte!“ Denn nur ein freier Geist könne die Zukunft mitgestalten und im Driver’s Seat sitzen. Diese Erkenntnis prägt mich bis heute."
Bernd Rödl, Gründer der internationalen Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner"Bei einer Beiratssitzung der Gothaer Versicherung lernte ich 1992 Abtprimas Notker Wolf in Brüssel kennen. Der christliche Glaube war für mich schon immer ein starker Halt gewesen. Notker Wolf hat mir für die Regeln des Benedikt und die Bedeutung der Demut die Augen geöffnet. Die Erkenntnis, dass wir nie unseren menschlichen Ursprung vergessen dürfen, hat mich mein ganzes Leben lang geprägt."
Tjorven Jorzik, Gründer der digitalen Weinberatung „Frag‘ Henry! GmbH“"Mein Schlüsselerlebnis hatte ich mit 34, damals noch Global Sales Director bei Danone: An einem Freitag den Flieger in Istanbul verpasst, musste ich mal wieder das Wochenende statt bei meiner hochschwangeren Frau im Hotel verbringen. Da hat es Click gemacht. Was ist wirklich wichtig im Leben, wie stelle ich mir die Zukunft vor? Ich nahm vier Monate Elternzeit und lernte die hiesigen Winzer auf den Spaziergängen mit dem Kinderwagen kennen. Anschließend begann ich die Sommelier-Ausbildung und beschloss den Konzern zu verlassen, um ein StartUp zu gründen. Heute steigern unsere Weinempfehlungs-Terminals bei Globus, Kaufland und Edeka den Weinabsatz und die europäische Expansion schreitet voran."
Constanze Ulmer-Eilfort, Managing-Partnerin von Baker & McKenzie"Ich hatte das große Glück, einen starken Mentor zu haben, einen älteren Partner unserer Sozietät. Auf meinem Karriereweg, wann immer ich eine Entscheidung treffen musste oder zur Partnerwahl anstand, hat er sich für mich eingesetzt, mir Mut gemacht und mir den Weg geebnet. Für eine Frau in einem von Männern dominierten beruflichen Umfeld kann ein solcher Mentor entscheidend sein."
Thomas Klindt, Produkthaftungspapst und Partner der internationalen Großkanzlei Noerr"Während der Examensvorbereitung in Münster saß ich stundenlang am Schreibtisch und habe mich dauernd über die gigantisch laute Baustelle gegenüber geärgert, die von 5:00 Uhr bis 20:00 Uhr den Boden zum Vibrieren gebracht hat. Mehr aus Wut entstand erst die Idee eines juristischen Aufsatzes, an dessen Stelle dann aber gleich die technikrechtliche Dissertation zu Baulärm und EU-Maschinenrecht wurde. Heute leite ich in der Industrieberatung die mehrköpfige Product Compliance bei Noerr LLP...."
Philipp Zeller, zweifacher Weltmeister im Feldhockey und Rechtsassessor bei Seitz Partner"Zu Beginn meiner sportlichen Karriere wurde mir einmal gesagt, es gäbe viele Spieler die das Talent hätten Großes zu erreichen. Es würden aber nur diejenigen Großes erreichen, die auch gewillt seien trotz ihres Talents hart an sich zu arbeiten. Im Laufe der Zeit sind leider viele Spieler mit wesentlich mehr Talent als ich es hatte auf der Strecke geblieben. Mein Durchbruch war sicherlich der Moment, in dem ich die Bedeutung der damaligen Worte tatsächlich begriffen hatte. Jetzt stehe ich am Beginn meiner beruflichen Karriere. Auch hier gibt es wieder viele Talente."
Viktoria Kickinger, Gründerin des TV-Senders Directors Channel"Ich hatte nie Vorbilder, jedoch stets Menschen, die es gut mit mir gemeint haben und/oder an mich und meine Projekte und Ideen geglaubt haben. Friedrich Huemer, CEO und Gründer der Polytech Holding AG hat mich in meinen ersten Aufsichtsrat berufen und somit den Grundstock für meine berufliche Entwicklung gelegt, bis hin zum heutigen Director's Channel, dem nunmehr sich schon abzeichnend erfolgreichen Internet TV Sender für deutsche Aufsichtsräte.
Anton Klees, Geschäftsführer der Internet-Agentur active value"Nach dem Besuch der Business School in den USA habe ich mich 1998 in New York bei einer Internet Agentur beworben. Ich wollte Teil der New Economy sein. Nach der Einstellung wurde ich sofort als Experte gehandelt. Viele Begriffe hatte ich in der Bewerbung zum ersten mal gehört. Unser erstes Projekt mit Pixelpark war der Online Shop für das Museum of Modern Art. Aber ich hatte nicht nur meine Industrie gefunden in der ich arbeiten wollte - in New York habe ich auch meine zukünftige Frau kennengelernt. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Heute bin ich immer noch begeistert wie am ersten Tag von den Möglichkeiten der digitalen Veränderung. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir erst am Anfang sind. Neben einer Online Agentur habe ich mit Partnern StartUps gegründet. Das neuste beschäftigt sich mit der Auswirkung von Social Media auf die Verbreitung von News."
Schuhproduzent Floris van Bommel, Creative Director der Schoenfabriek Wed.J.P. van Bommel„In der Grundschule sollte ich während der Bastelstunde ein Musikinstrument aus Weinflaschenkorken erstellen. Leider funktionierte es nicht so wie ich es wollte, während es bei allen anderen Kindern besser zu klappen schien. Aber anstatt in Panik zu verfallen, fühlte ich ein tiefes Vertrauen, dass ich mit einer guten, kreativen Idee immer weiter komme. Am Ende war alles in bester Ordnung, mein Musikinstrument aus Kork sah genial aus und ich habe nie mehr an meinen kreativen Fähigkeiten gezweifelt.“
Markus Bergmann, Geschäftsführer beim Autozulieferer Faurecia"Meine früheren Kollegen waren ziemlich erstaunt, als ich nach 24 Jahren bei der MTU Aero Engines und der heutigen Airbus Defence and Space aus einer sicheren Position heraus entschied, als Geschäftsführer zum Autozulieferer Faurecia zu gehen. Mit zwei Kindern in der Ausbildung überlegt man jede Veränderung sehr genau. Aber mich reizte das Neuland und ich wollte gerne etwas Neues bewegen. Heute bin ich 50 Jahre alt, seit vier Jahren bei Faurecia und habe diesen Wechsel keinen Tag bereut."
Elke Bartels, Polizeipräsidentin von Duisburg"Bei meiner Bewerbung als Juristin im Landesdienst Nordrhein-Westfalen konnte ich als Einsatzorte Münster, Arnsberg, Detmold, Düsseldorf oder Köln angeben. Da ich in Bochum wohnte und das Rheinland für mich terra incognita war, gab ich als von mir favorisierten Einsatzort Münster an. Ich bin über die weise Entscheidung des Landes, mich in Düsseldorf einzustellen, ausgesprochen froh, denn mein beruflicher Werdegang wäre sonst ganz anders verlaufen. Wahrscheinlich hätte ich weder im Landtag noch in einem Ministerium gearbeitet und somit auch nicht die Weichen für meine jetzige Tätigkeit stellen können. Und an das Alt habe ich mich sehr schnell gewöhnt."
Rainer Brune, Vorstandsvorsitzender von Roland Rechtsschutz"Der vielleicht wichtigste Schritt auf meinem beruflichen Weg war meine zweijährige Tätigkeit als Vorstandsassistent. Dadurch konnte ich intensiv hinter die Kulissen blicken und früh ein Gefühl für strategische Prioritäten und Entscheidungsfindung entwickeln."
Peter Rohrbach, Vorstand der cellent AG"Am meisten geprägt und verändert hat mich meine Auslandstätigkeit in den USA von 1999 bis 2001. Dort traf ich auf eine andere Kultur und kam nicht nur mit vielen Amerikanern zusammen, sondern mit Indern, Chinesen und Hispanics. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland waren all meine folgenden Assignments internationaler Natur, so beispielsweise im Bereich Application Management, das stark mit Indien verbunden ist. Das Projektgeschäft verstehe ich nach wie vor als globale Verantwortung. Ohne meine Erfahrungen in den USA hätte ich meine zukünftigen Projekte niemals so erfolgreich umsetzen können."

Herrhausen ist sich der Kritik an der eminenten Macht der Deutschen Bank jederzeit bewusst. Aber er sieht überhaupt nicht ein, sich dieser Macht zu schämen. "Ja, wir haben Macht", pflegt er zu tönen, während die Kollegen lieber "Einfluss" flüstern - das Entscheidende sei doch wohl, wie verantwortungsvoll man mit Macht umgehe. Herrhausen warnt die Deutschen davor, einen "Popanz aufzubauen"; schließlich sei sein Institut im Weltmaßstab alles andere als "omnipotent". Das stimmt - einerseits. Andererseits ist die Deutsche Bank im Inland schon damals der unangefochtene Branchenprimus. Die Vorstände und Direktoren sitzen in 400 Aufsichtsräten; die Bank selbst ist unter anderem an Daimler-Benz (28 Prozent), Klöckner (100), Holzmann (35), Karstadt, Horten (je 25), Roland Berger (75) und Südzucker (23) beteiligt. 

 

In Berlin erzählt man sich, dass Herrhausen 1983 die Regierungserklärung von Helmut Kohl mit verfasst hat. Herrhausen selbst ist von Hybris nicht frei, rückt sich in die Nähe eines Sonnenkönigs: "Die Macht der Banken, ...das bin ich." Als Manager kalkuliert er kühl sein Gewicht: "Die Wirtschaft ist gut beraten, wenn sie kompetenten Sachverstand abruft." Als Citoyen gibt er zu bedenken: "Was den rationalen Diskurs über solche Fragen so schwierig macht, ist der suggestive Charakter der Sprache. Wenn von Macht die Rede ist, klingt immer gleich der Verdacht von Machtmissbrauch durch." Sicher, sagt Herrhausen: "Man muss Macht auch wollen." Sein letztes Motiv aber, bei allem, was er tue, sei "das Bemühen, einen optimalen Sachbeitrag zu leisten".

Als die Mauer fällt, ist Herrhausen sogleich zur Stelle. Während Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) zehn Tage nach der Grenzöffnung von "zwei deutschen Staaten" spricht, die in der Europäischen Gemeinschaft aufgehen sollen, empfiehlt Herrhausen der Politik, die "Wiedervereinigung" jetzt offensiv zu wollen: "Warum hat sich das alles so ergeben in der DDR...? Weil die Menschen... ein anderes System wollen. Wenn das so ist, dann sollten wir nichts tun, was diesen Schwung erlahmen lässt." Herrhausen hat nicht den leisesten Zweifel an der Überlegenheit von Marktwirtschaft und Demokratie; die Ereignisse selbst sind ihm der Beweis dafür. 

 

"Geschichte" hat für Herrhausen kein Ziel und kein Ende, ist nur als Prozess verstehbar, als evolutionäre Entwicklung, die sich offenbart in dem, was wir tun. Herrhausen widerspricht daher entschieden Francis Fukuyamas Steilthese vom "Ende der Geschichte" - und erfasst den Kollaps des Ostblocks blitzschnell als historische Chance, sich endlich den "wirklichen Problemen dieses Globus" zuzuwenden: "Niemals hat sich die Menschheit größeren Herausforderungen gegenüber gesehen..., die Nord-Süd-Problematik, die technologische Revolution, die ökologische Frage..., und dies alles zur gleichen Zeit. Für aktive Menschen, die etwas bewirken wollen, ist es eine Lust, zu leben."

In Arbeit
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Allein als Manager ist Herrhausen dieses Leben zuweilen eine Last, ausgerechnet, hier scheitert er, zumindest teilweise. Im Mai 1988 avanciert er zum alleinigen Vorstandssprecher der Deutschen Bank - und sieht als Chefaufseher bei Daimler tatenlos zu, wie der Kollege Edzard Reuter sich in Stuttgart einen "integrierten Technologiekonzern" zurechtzimmert. Auch im eigenen Haus, das damals in etwa so modern ist wie ein britischer Herrenclub, treibt Herrhausen die "Diversifizierung" des Geschäfts voran. Die Zahl der Privatkunden ist auf 5,5 Millionen gestiegen, die Filialen erwirtschaften 83 Prozent des Gewinns, aber das Firmengeschäft lahmt, die Entwicklung innovativer Finanzprodukte geht nur schleppend voran. Herrhausen drängt auf die Internationalisierung der Bank, ihren Einstieg ins Investmentgeschäft, ihren Umbau zum Allfinanzkonzern, kurz: Er vollendet den deutschen Ledersessel-Kapitalismus mit der Deutschen Bank als Spinne im Beteiligungsnetz - und er sucht ihn zugleich zu überwinden mit dem, was er "banking around the globe, around the clock" nennt.

Zwei Tage vor seinem Tod blitzt er mit seinen umfangreichen Renovierungsarbeiten im Vorstand ab. Herrhausen ist den Kollegen zu schnell, zu schneidend, zu selbstverliebt; sie nennen ihn "Ikarus" und "Herrgott", beklagen sich über seine Verantwortungssucht, seinen intellektuellen Stolz und seinen Hochmut, ständig darüber zu befinden, wer richtig denkt - und wer nicht. Herrhausen droht mit Rücktritt. Keiner sucht ihn zurückzuhalten. Am 30. November 1989 macht er sich, pünktlich um halb neun, wie immer, auf den Weg zur Sitzung, die über sein weiteres Berufsleben entscheidet. Schmeißt Herrhausen hin? Holt Helmut Kohl ihn nach Bonn? Zwei Minuten später zünden die Terroristen die Bombe.

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