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Tief "Burglind"Orkanböen treffen auf den Westen Deutschlands

Wegen des Tiefs „Burglind“ peitschen orkanartige Böen über viele Landesteile. Am Morgen gab es amtliche Unwetterwarnungen im Westen und Verkehrsbehinderungen. Am Vormittag dürfte der Süden betroffen sein. 03.01.2018 - 10:00 Uhr aktualisiert

Ein Radfahrer fährt am 03.01.2018 in Frankfurt am Main durch eine große Pfütze, die sich nach starken Regenfällen gebildet hat.

Foto: dpa

Mit orkanartigen Böen von mehr als 120 Kilometern pro Stunde ist Sturmtief „Burglind“ auf den Westen Deutschlands getroffen. Umgestürzte Bäume und heftiger Regen behinderten am Mittwochmorgen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz massiv den Berufsverkehr. Straßen waren blockiert und der Regionalverkehr der Bahn gestört. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Die Polizei appellierte an Autofahrer, besonders vorsichtig zu fahren.

Ein Regionalzug in Selm im südlichen Münsterland prallte am Morgen gegen einem entwurzelten Baum. Der Zug sei teilweise aus den Schienen gesprungen, verletzt worden sei aber niemand, sagte ein Bahnsprecher. Die Bergung auf der Strecke zwischen Lünen und Lüdinghausen dauerte am Vormittag an.

Im Fernverkehr der Bahn gab es nach Auskunft eines Sprechers am Morgen erste Behinderungen im Großraum Köln. Die Auswirkungen waren zunächst noch unklar.

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von Katja Joho

In Essen und Mülheim standen Straßen unter Wasser, Gegenstände flogen umher. Ein umgestürzter Baum blockierte die wichtige Regionalbahnlinie zwischen Aachen und Düsseldorf. Auch auf den Autobahnen A44 zwischen Jülich und Aldenhoven und auf der A59 bei Duisburg kam es laut WDR und Radio Duisburg zu Behinderungen: Auf der A44 stürzte ein Hochsitz auf die Fahrbahn.

In Hessen legte „Burglind“ den Verkehr teilweise lahm. Vielerorts stürzten Bäume um und behinderten den Verkehr. Bei Limburg fiel ein Baum auf die Oberleitung der Bahn und bremste Züge auf der Strecke Limburg-Frankfurt aus. Das Polizeipräsidium Westhessen registrierte zahlreiche umgestürzte Bäume. Es gingen laufend Meldungen ein, vor allem für den Rheingau, Hochtaunus und Limburg, sagte ein Sprecher. Die Polizei riet auch über den Kurznachrichtendienst Twitter, vorsichtig zu sein, gerade bei Fahrten durch Waldgebiete.

Schwere Verkehrsbehinderungen auch in Rheinland-Pfalz: Umgestürzte Bäume blockierten viele Straßen, auch im Bahnverkehr gab es Störungen. In mindestens drei Ortschaften in der Südwestpfalz fiel der Strom aus, wie die Polizei in Dahn mitteilte. Die Böen erreichten Geschwindigkeiten von 120 Kilometern pro Stunde. Alle Einsatzstellen seien am Rotieren, sagte eine Polizeisprecherin.

Die Deutschen sind eine Pendler-Nation

43 Prozent der Deutschen pendeln täglich insgesamt mehr als 90 Minuten. Den kürzesten Arbeitsweg hat man mit 31 Minuten in Baden-Württemberg, in Berlin, sind 47,1 Prozent der Arbeitnehmer mehr als 45 Minuten unterwegs, wenn sie zur Arbeit fahren. Zurück nach Hause dauert es nochmal genauso lang. Das ist das Ergebnis der Transport- und Pendler-Studie der Personalberatung PageGroup, an der europaweit 12.485 Personen teilgenommen haben, davon 1.227 aus Deutschland. Zwar fährt deutschlandweit nur rund ein Drittel mit Bus und Bahn - Ausnahmen sind München, Berlin und Hamburg - doch wer öffentliche Verkehrsmittel nutzt, braucht oft länger und ist gestresster als Rad- und Autofahrer, wie die Studie zeigt:

Demnach brauchen 54 Prozent der deutschen Pendler, die mit öffentlichen Verkehrsmittel fahren, für einen Weg mehr als 45 Minuten. Regelmäßig auftretende technische Störungen, Verspätungen, schmutzige und überfüllte Busse und Bahnen gehen einem Drittel der Pendler mächtig auf den Zeiger.

Im Folgenden ein paar Tipps von Profi-ICE-Pendlern, wie das alltägliche Elend erträglicher wird.

Foto: dpa

Die leeren Waggons finden

Ein ICE ist auf vielen Strecken nicht genug - dann spannt die Bahn zwei vollständige ICE hintereinander. Das ist die "Doppeltraktion", erklärt @pendlomator. Der Profi-Pendler und Twitterer rät, beim Einsteigen entweder ganz ans Ende oder ganz an den Anfang des Zuges zu gehen, auch wenn das einen Fußmarsch von einiger Länge auf dem Gleis erfordert. Diese Mühe sparen sich viele. "Deswegen sind in den Waggons weniger Menschen, das heißt mehr Ruhe, also angenehmeres Reisen."

Foto: AP

Den Waggon richtig wählen

Wählen Sie bei der Reservierung den Waggon , der beim Aussteigen den kürzesten Weg zum Taxistand hat, empfiehlt, Sascha Hüsing, der seine Reiseerlebnisse in dem Blog im-zug-unterwegs.de niederschreibt. Im Kopfbahnhof Frankfurt wäre das der vordere Waggon, bei Bahnhöfen wie Hamburg oder Düsseldorf eher mittig gelegene Waggons. Das spart Zeit und lange Fußmärsche.

Foto: dpa

Eine clevere Bahnhofswahl treffen

Der vermeintliche Startbahnhof der Reise ist nicht unbedingt immer die beste Wahl, um bei vollen Zügen einen Sitzplatz zu ergattern. Es lohnt sich, gegen die Fahrtrichtung eine Station mit S-Bahn oder Regionalexpress zurückzulegen, raten Profipendler. Das funktioniert in Berlin beispielsweise mit den Stationen Gesundbrunnen oder Ostbahnhof, in Hamburg mit Altona und Dammtor und in Frankfurt mit Fernbahnhof oder gar Darmstadt und Marburg.

Foto: dpa

Hauptsache vorankommen

Wer keine Direktverbindung hat, ist von Verspätung oft noch ärger betroffen, da die Anschlusszüge nicht warten. Profipendler @pendlomator rät deswegen als eiserne Regel: "Strecke machen. Grundregel bei verspäteten Zügen: Nimm das erste, was fährt." Das bedeutet auch, gegebenenfalls die Reservierung verfallen zu lassen und in den nächsten Zug zu steigen, der einem dem Ziel näher bringt, wenn schon nicht ganz dorthin. Verspätungen können sich auch noch auf dem Bahnsteig verlängern und der Zug, der einen zumindest etwas näher bringt, ist fort.

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Mit dem leider alltäglichen Horror umgehen

Für die Lokführer ist es am schlimmsten. Die schnellen ICE werden immer wieder von Menschen gewählt, um sich das Leben zu nehmen. Die Personenunfälle, kurz PU, erfordern den Einsatz von Rettungskräften, auch wenn diese in der Regel nichts mehr ausrichten können. Auf den Ablauf des Schienenverkehrs haben diese Vorfälle eine große Auswirkung.

Die Verspätungen, die ein PU auf dieser Strecke verursachen, gehen schnell auf mehr als 120 Minuten. Die Bahn leitet dann nachfolgende Züge um. Das nimmt jedoch deutlich mehr Fahrtzeit in Anspruch. Pendler Hüsing rät, möglichst mit Geschick und Einfühlungsvermögen von den Zugbegleitern zu erfahren, wie lange der Unfall her ist und dann zu entscheiden. Ist der PU länger als zwei Stunden her, dann keine Umleitung fahren. Die Schwierigkeit liegt darin, den Zeitpunkt zu erfragen.

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Den Zub und Twitter fragen

Die Zugbegleiter, kurz Zubs, sind die Überbringer der schlechten Nachricht. Im Zug müssen sie - kaum besser informiert als die Passagiere - mitteilen, dass eine Verspätung anfällt und wie lange es noch dauert. Alle Profi-Pendler raten deshalb zur Höflichkeit gegenüber den Mitarbeitern. Auch wenn sie die Bahn in dem Moment vertreten - für die Ursache können sie nichts. Als Informationsquelle empfiehlt der twitter-Pendler @pendlomator auch diesen Kurznachrichtendienst. Entweder über das Social Media Team der Bahn oder Menschen an Bahnhöfen bekommt man so bisweilen früher Infos über die Ursachen einer Verspätung als vom Zugbegleiter.

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Ruhe bewahren!

Ruhe ist schwer zu finden in einem überfüllten Zug. Pendler Hüsing setzt auf Kopfhörer mit Noise-Cancelling, die Umgebungsgeräusche ausblenden, selbst wenn keine Musik spielt.

Foto: dpa

Bodenhaftung behalten

Selbst in der ersten Klasse herrscht bei beliebten Verbindungen oft Gedränge. Und manchmal ist der Zug einfach voll. Überall. Dann heißt es, den richtigen Ort am Boden zu wählen. Die Profi-Pendler empfehlen den Platz neben der Tür. "An die Wand ohne den Ausströmer", rät Stella Pechmann, die früher als Mitarbeiterin der Bahn pendelte und heute für einen Autohersteller arbeitet und pendelt. Aus den Schlitzen kommt Luft, das könnte kalt werden. Ein Dreibein, so Pechmann, ist unter Umständen eine gute Idee, wenn man berufsbedingt ebenfalls öfter pendeln muss. Dann bleibt die Hose sauber und trocken. "Keine helle Kleidung!", ist deswegen Pechmanns Rat.

Foto: REUTERS

Handtuch-Sitzer austricksen

Was dem deutschen Klischeetouristen am Swimmingpool des Urlaubshotels ist, um die Liege zu reservieren, ist dem ICE-Reisenden die Jacke, der seinen Platz sichern will, während er im Speisewagen sitzt. Pendlerin Stella Pechmann nutzt das aus. "Viele bleiben fast die ganze Zeit im Speisewagen. Ich setze mich hin. Notfalls muss ich aufstehen. Erfahrungsgemäß passiert das oft erst kurz vor deren Zielbahnhof." Doch wie erkennt man, ob ein Fahrgast nur kurz auf Toilette oder lang im Speisewagen verweilt? Pechmann erkennt es oft an der Anordnung der Jacken und spätestens die Mitreisenden weisen sie daraufhin, dass da besetzt sei und die Mitfahrer nur im Speisewagen seien. Erst mal hinsetzen gilt auch für reservierte Plätze. Sitzplatzlotto nennt das Sascha Hüsing, der oft genug erlebt hat, dass die reservierten Plätze nicht genutzt wurden.

Foto: dpa

Den Mönch in sich wecken

Flugverspätungen, Stau auf der Autobahn - Reisen bedeutet heute oft Stress. Und bei der Bahn sind Verspätungen an der Tagesordnungen ebenso wie Zugausfälle und geänderte Wagenreihungen. Und manchmal kommt alles zusammen. Dann geht gar nichts mehr. Für Pendler Hüsing gibt es nur eine Möglichkeit: „Sich der Gegebenheit hingeben und es einfach zulassen, denn so spart man definitiv Nerven und Stress.“

Foto: dpa

Einen Überblick, wie groß die Schäden waren, gab es zunächst nicht. „Ich glaube, wir werden diese Bäume heute nicht mehr zählen können.“ Es seien einfach zu viele, erklärte die Sprecherin. Das Unwetter sorgte außerdem im Hunsrück und im Westerwald für Chaos, wie ein Polizeisprecher in Koblenz mitteilte.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor umherfliegenden Gegenständen und umstürzenden Bäumen. „Die Böden sind durch den Regen der vergangenen Tage durchnässt, Bäume kippen leichter um“, sagte der DWD-Meteorologe Robert Hausen in der Nacht zum Mittwoch. Vor allem in Wäldern solle man sich am Mittwoch lieber nicht aufhalten.

Am Vormittag sollte die Kaltfront in Richtung südliches Hessen, Baden-Württemberg und Bayern weiterziehen. Der Wind dürfte laut Hausen Spitzengeschwindigkeiten zwischen 100 und 130 Stundenkilometern erreichen. Die Unwettergefahr nehme im Laufe des Vormittags vom Westen aus ab, so der Meteorologe. An der Nordseeküste könne es am späten Vormittag orkanartige Böen geben.

Ganztägig wird im Alpenvorland in Höhenlagen ab 1500 Metern vor Orkanböen gewarnt. In Hochlagen im Harz und auf dem Fichtelberg im Erzgebirge gilt das bis Donnerstagmorgen.

dpa
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