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TV-Duell 90-Minuten-Debatte ohne Zukunft

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Viele Themen kamen in der Debatte zu kurz

Wie intensiv haben Merkel und Schulz über Wirtschaftspolitik geredet?

Wirtschaftspolitische Fragen spielte nur eine untergeordnete Rolle. Die vier Moderatoren stellten beinahe eine Stunde lang Fragen zur Flüchtlingslage und wie Einwanderung künftig organisiert werden soll. Die Rente mit 70 (siehe Frage zuvor) war ein Thema, ebenso der Dieselskandal. Schulz übte sich in Managerschelte, Merkel behauptete, deutsche Verbraucher würden entschädigt werden. Das stimmt zwar nicht, blieb aber unwidersprochen. Schulz ließ noch wissen, dass er die PKW-Maut stoppen will – so weit so bekannt. Große wirtschaftspolitische Differenzen zwischen Schulz und Merkel waren nicht zu erkennen. Wie viele anderen Themen auch spielte die Steuer- und Finanzpolitik beispielsweise keine Rolle in der Debatte.

 

Wie sind die ersten öffentlichen Einschätzungen?

Duett statt Duell, Einigkeit statt Streit, Wohlgefallen statt rhetorischer Haken: so nahmen viele Beobachter das TV Duell wahr. Thomas Gottschalk brachte dieses Gefühl bei Anne Will auf den Punkt: „Die haben ja immer beide mit dem Kopf genickt, wenn der andere geredet hat“, sagte der Moderator. Außerdem vermissten viele Zuschauer Zukunftsthemen, etwa Bildung, Digitalisierung oder Infrastruktur.

Herausforderer Martin Schulz leistete sich keinen größeren Fehler, verpasste es aber auch, den angestrebten Stimmungswechsel auszulösen. Zu brav, zu wenig überraschend, zu emotional fanden viele Beobachten seinen Auftritt. Merkel tat das, was sie am besten kann: Fachkompetenz demonstrieren, Ruhe bewahren, „Maß und Mitte“ besetzen.

In den sozialen Netzwerken sorgte vor allem Schulz‘ verworrenes Zitat („Jenseits von richtig und falsch liegt einen Ort. Dort treffen wir uns“) für Aufsehen. Außerdem kritisierten viele Twitter-Nutzer das Auftreten von Moderator Claus Strunz, der immer wieder mit populistischen Nachfragen auffiel.

Nach den Ergebnissen einer ARD-Umfrage hat das TV Duell Angela Merkel gewonnen. 55 Prozent der Zuschauer fanden die Kanzlerin überzeugender als Martin Schulz, den nur 35 Prozent vorn sahen. Bei einer ZDF-Umfrage fiel Merkels Vorsprung knapper aus. Nach den Ergebnissen dieser Umfrage hat sich Merkel für 32 Prozent der Zuschauer besser geschlagen während 29 Prozent den SPD-Chef besser fanden.

SPD-Justizminister Heiko Maas versuchte es nach dem Duell trotzdem mit Optimismus: „Martin Schulz und der gesamten SPD wird das Duell Rückenwind geben“, sagte Maas. Unionsfraktionschef Volker Kauder sah das erwartungsgemäß anders. Martin Schulz könne Angela Merkel in dieser schwierigen Weltlage nicht das Wasser reichen, sagte er.

Wie geht es weiter im Wahlkampf?

Ein weiteres TV-Duell ist nicht vorgesehen, das wollte vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht. Von nun an touren die beiden Kandidaten getrennt, sie werden auch separate diverse TV-Formate absolvieren. Am Montag folgt ein Gipfel der kleineren Parteien im Fernsehen - während für die Kanzlerin schon wieder Regierungsalltag ansteht. Merkel empfängt die Vertreter der Kommunen zu einem Gipfeltreffen, es soll um die Luftreinheit in deutschen Städten gehen, der Dieselskandal lässt grüßen. 

 

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