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Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte 20.000 Betriebsärzte wollen „mit dem Impfen loslegen“

Die Betriebsärzte vieler Unternehmen fühlen sich bereit für Impfungen in Firmen. Quelle: dpa

Viele deutsche Firmen wollen im Haus impfen. Die Betriebsärzte haben sich schon vorbereitet. Deutschlands oberste Betriebsärztin Anette Wahl-Wachendorf erklärt, wie die Organisation von Impfungen in Unternehmen gelingt.

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Anette Wahl-Wachendorf ist Vizepräsidentin des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte. Die promovierte Medizinerin arbeitet als Ärztliche Leiterin des Arbeitsmedizinischen Dienstes der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU).

WirtschaftsWoche: Fast alle der Dax-30-Konzerne haben angekündigt, ihre Mitarbeiter auch selbst gegen Covid-19 impfen zu wollen. Wird denn irgendwo in Deutschland schon in Unternehmen geimpft?
Anette Wahl-Wachendorf: Nach meiner Kenntnis passiert das noch nicht, der Impfstoff ist noch sehr knapp. Es läuft nicht so zügig wie erhofft mit dem Impfen in Deutschland. Große Konzerne haben sich aber schon konkret um die Logistik gekümmert und die stehen bereit loszulegen. Einige haben ja angekündigt, sie würden auch die Familienangehörigen ihrer Mitarbeiter mit impfen können. So lassen sich viele Menschen erreichen.

Was wissen Sie aus den vielen mittleren und kleineren Unternehmen, die oft keine eigenen Betriebsmediziner haben?
Die bereiten sich auch vor und wollen mit dem Impfen loslegen. Es geht darum, bestimmte Räume zum Impfen auszuweisen und Abläufe zu organisieren. Das kann über Betriebsärzte geschehen, die in ihren Praxen Mitarbeiter mehrerer Unternehmen betreuen.

Einige der Beschäftigten haben Vorbehalte gegen das Impfen. Wie sollten sich Arbeitgeber da verhalten?
Es ist gut, dass die Bundesregierung eine sehr liberale Haltung vertritt und niemanden zum Impfen verpflichten will. Im Unternehmen sollte aber über die Immunisierung gut aufgeklärt werden und sollten durchaus die Vorteile benannt werden. Betriebsärzte können auch auf Ängste der Menschen eingehen. Immer gilt die Schweigepflicht, wer beim Impfen war oder nicht.



Was sagen Sie zum Impfstoff von Astrazeneca? Der ist für Jüngere im Einsatz und leichter zu kühlen als andere, vielleicht aber weniger wirksam.
Alle Impfstoffe, die zugelassen sind, sind sehr gut. Ich kann mich zu allen positiv äußern – sowohl was die Wirkung als auch etwaige Nebenwirkungen angeht.

Was können jetzt kleinere Unternehmen tun, die eine Impfung nicht selber organisieren können, aber schnell wieder zur Normalität zurück wollen?
Jedes Unternehmen – auch ein Zwei-Mann-Betrieb – wird in Deutschland betriebsärztlich betreut. So lassen sich also sehr viele Menschen erreichen. Da kann in den Praxen geimpft werden. Wenn man kreativ ist, lässt sich eine sehr hohe Zahl Menschen impfen. Es gibt 15.000 bis 20.000 Betriebsärzte und wenn man dabei noch Teams von freiwilligen Helfern etwa vom Roten Kreuz einsetzt, lassen sich schnell sehr viele Dosen verabreichen.

Mutmaßlich ist es aber komplizierter als die jährliche Grippeimpfung, die Beschäftigten oft über ihre Firma angeboten wird...
Das Vakzin ist empfindlicher als das gegen die Grippe, es braucht zwei Immunisierungen und dann sind die Meldepflichten ans Robert-Koch-Institut komplizierter als bei der Grippeimpfung. Außerdem kann man sich den Impfstoff nicht selbst besorgen, der wird vom Staat gekauft und weitergegeben. Ja, es ist aufwändiger, auch weil man nicht einfach zehn Patienten ins Wartezimmer setzen kann.

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Wenn Sie jetzt als Betriebsärztin impfen würden und jemand käme skeptisch zu Ihnen – was würden Sie raten?
Ich würde immer zeigen, was dafür und was dagegen spricht. Die Vorteile überwiegen eindeutig.

Was muss die Politik tun, damit das Impfen bald auch bei Betriebsärzten passieren kann?
Wir brauchen überhaupt erst einmal ein Kontingent an Impfstoff. Und dann müsste uns diese Leistung bezahlt werden, so wie sie den Kollegen auch bezahlt wird, die Dienst in den Impfzentren leisten. Sonst können wir nicht starten.

Mehr zum Thema: Bekommen nur Geimpfte ihre Freiheit zurück? Dafür müsste erst einmal die verkorkste Impfkampagne richtig aufgesetzt werden – mithilfe von Verhaltensökonomen, privaten Profis und Großkonzernen. Eine Anleitung in fünf Schritten.

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