EU-Kommission: "Wasser ist kein kommerzielles Produkt"
Wasser ist ein Menschenrecht
2010 erklärten die Vereinten Nationen sauberes Trinkwasser zu einem Menschenrecht.
Foto: dpaDer Mensch besteht aus Wasser
Je nach Alter, Geschlecht und Kondition besteht der Mensch zu etwa 60 Prozent aus Wasser. Ohne zu trinken, überlebt er nur wenige Tage.
Foto: imago imagesErde besteht zu 70 Prozent aus Wasser
Knapp drei Viertel der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Experten warnen, dass der Klimawandel den Meeresspiegel steigen lässt.
Foto: dpaTeuerstes Mineralwasser
„Rokko No Mizu“ heißt das teuerste Mineralwasser, das weltweit verkauft wird. 124 Euro kostet die Nummer Eins unter den Luxus-Mineralwassern. Das teuerste Wasser der Welt kommt aus dem japanischen Rokko-Gebirge. Eine Liste mit den Top Ten der Luxus-Wässerchen finden sie übrigens hier.
Übrigens: Wer „Rokko No Mizu“ vor Ort kauft, muss nicht einmal einen Euro pro Liter bezahlen.
Foto: dpa/dpawebSüßwasservorkommen
Mehr als die Hälfte der weltweit verwendbaren Süßwasservorkommen finden sich laut der Umweltorganisation WWF in gerade einmal neun Ländern: Brasilien, China, Indien, Indonesien, Kanada, Kolumbien, Kongo, den USA und Russland. Knapp 900 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Foto: APIndien hat die meisten Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser
In Indien müssen arme Menschen sieben Mal mehr für die täglich empfohlene Wassermenge von 50 Litern ausgeben als beispielsweise Bürger Großbritanniens. 75,8 Millionen Menschen - das sind fünf Prozent der Gesamtbevölkerung von 1,25 Milliarden - müssen nach einem Bericht der Hilfsorganisation Water Aid entweder teures sauberes Wasser kaufen oder mit Abwässern oder Chemikalien belastetes Wasser benutzen. Krankheiten und Tod sind die Folge: Von 315.000 Kindern, die jährliche an Durchfallerkrankungen sterben, sind 140.000 aus Indien, teilte Water Aid mit.
Weltweit ist die Versorgung mit sauberem Wasser seit 1990 besser geworden, heißt es in dem Bericht weiter. 2,6 Milliarden Menschen haben seitdem Zugang zu dem lebensnotwendigen Gut erhalten. Aber eine Entwarnung sei noch nicht möglich. Es seien im Gegenteil mehr Anstrengungen „in einer Welt notwendig, in der einer von zehn Menschen in einem Kreislauf von Armut und Krankheit in dem Streben nach einer sicheren, bezahlbaren eigenen Wasserversorgung gefangen ist.“
Arme Inder müssten täglich umgerechnet 64 Cent für die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen 50 Liter sauberes Wasser ausgeben, Briten 9 Cent. Das seien 20 Prozent ihres durchschnittlichen Tageseinkommens. Schlechtes Management der Wasserressourcen sei ein Grund für die schlechte Versorgung, hinzu kämen Klimawandel mit Dürren und anderen Umweltproblemen. Prognosen zufolge wird Indien in 15 Jahren nur die Hälfte seines Wasserbedarfs für Städte, Industrie und Landwirtschaft decken können.
Foto: Tarun Bharat Sangh/dpa
Verseuchtes Wasser
Krankheitserreger im Trinkwasser verursachen jährlich den Tod von mehr als 1,5 Millionen Kindern und etwa 3,5 Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen schlechter Wasserversorgung.
Foto: dpaFlüsse und Abwässer
Weltweit fließen 80 Prozent des städtischen Abwassers unbehandelt in Flüsse, Seen oder ins Meer. In Entwicklungsländern sind es bis zu 90 Prozent.
Foto: dpaMedikamente in Abwässern
Durch den verschwenderischen Umgang mit Medikamenten und Reinigungsmitteln gelangen immer mehr Chemikalien ins Trinkwasser, warnen Experten wie der Lüneburger Umweltwissenschaftler Klaus Kümmerer: „Vermutlich sind bereits mehrere tausend chemische Stoffe in dem vom Menschen genutzten Wasserkreislauf. Über ihre Wirkung wissen wir wenig." Das sich die Stoffe in Wasser und Boden chemisch verändern, habe man kaum Erkenntnisse über mögliche Auswirkungen auf Mensch und Tier.
Foto: dpaBadeseen und Fließgewässer
Nur etwa jedes zehnte Fließgewässer in Deutschland ist in einem ökologisch guten Zustand. 90 Prozent der Flüsse und Bäche erreichen die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie nicht, so das Umweltbundesamt. Dazu gehöre es etwa, die chemische Belastung des Wassers zu verbessern. In Deutschland ist die Strecke der Fließgewässer etwa 127.000 Kilometer lang. Insgesamt gibt es 25 Fließgewässertypen, 14 Seentypen, 9 Küstengewässertypen und 2 Übergangsgewässertypen.
In den meisten Seen und Flüssen in Deutschland kann man sorglos schwimmen: 97 Prozent der bundesweiten Badeplätze weisen der Untersuchung nach eine passable bis ausgezeichnete Wasserqualität auf. An diesen 13 Badeseen ist jedoch Vorsicht angebracht.
Foto: dpaWasser zur Herstellung von Lebensmitteln
Das meiste Wasser wird weltweit in der Landwirtschaft verbraucht. Für die Nahrungsproduktion werden weltweit rund 70 Prozent des Süßwassers verbraucht. Ein Beispiel: Um ein Kilogramm Rindfleisch zu bekommen, benötigt man durchschnittlich 15.000 Liter Wasser.
Foto: APUrsprung des Wortes
Das Wort "Wasser" stammt aus dem Althochdeutschen. Der ursprüngliche Begriff "wazzar" heißt so viel wie "das Feuchte" oder "das Fließende".
Foto: dpaDie Unterzeichner der ersten erfolgreichen europäischen Bürgerinitiative „Right2Water“ verlangten von der EU, dass sie sich stärker für „einen universellen Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung“ einsetzen solle. Sie forderte „das Recht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung“. Die EU-Kommission sagte öffentliche Beratungen über eine Reform der Wassergesetzgebung zu und versprach, sich international für den Zugang zu Wasser einzusetzen. Darüber hinaus sollte die Kommission "das Menschenrecht auf Wasserversorgung und Abwasserentsorgung im Europäischen Recht umsetzen."
Die EU-Kommission hat nun ihre Antwort verteidigt. In ihrer Antwort bestätigt und betont die Kommission die Bedeutung des Menschenrechts auf Wasser und Abwasserentsorgung sowie die Wichtigkeit von Wasser als öffentlichem Gut von grundlegendem Wert. Sie erklärt, "Wasser ist kein kommerzielles Produkt".
Dabei blieb es dann aber auch: "Die Reaktion der Europäischen Kommission ist wenig ambitioniert darin, den Erwartungen von 1,9 Millionen Menschen gerecht zu werden", sagt Jan Willem Goudriaan, Vizepräsident der EBI Right2Water. "Ich bedauere, dass es keinen Gesetzesvorschlag für die Anerkennung des Menschenrechts auf Wasser gibt."
Die Kommission verteidigt sich: "Die Bürger waren sehr ehrgeizig in ihren Forderungen - und wir waren sehr ehrgeizig in unserer Antwort", sagte EU-Verwaltungskommissar Maros Sefcovic. "Die Entscheidung darüber, wie Wasserdienstleistungen am besten betrieben werden, ist fest in den Händen der Behörden in den Mitgliedsstaaten", sagte Sefcovic. Die europäischen Verträge verpflichteten die EU zur Neutralität.
Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold vermisste Vorschläge für Gesetze. Die Kommissare „verweigern sich einer klaren Antwort auf klare Wünsche, indem sie nun monatelang neue Fragen stellen“, kritisierte er. „Die heute angekündigte Konsultation ist der Versuch, das Thema hinter die Europawahl zu verschleppen.“