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Griechenland Keine Lösung, sondern gekaufte Zeit

Griechenland bekommt neue Milliardenhilfen. Doch die Einigung der Euro-Finanzminister ist keine Lösung der Krise, sondern bloß der Kauf von Zeit. Nur einer kann zufrieden sein.

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Quelle: dpa

Jeder kennt das: Der Zahn schmerzt schon lange – aber zum Arzt geht man erst, wenn das Pochen kaum noch zu ertragen ist. Eigentlich hätte man am kommenden Wochenende Zeit für die Steuererklärung – aber es sind ja noch ein paar Wochen bis zum Ende der Frist. Freunde reden einem ein, sich um die Altersvorsorge zu kümmern – aber die wird doch erst in Jahrzehnten relevant.

Wichtige Dinge aufschieben bis es nicht mehr anders geht: In der Fachsprache heißt das Prokrastination. Ungefähr 15-20 Prozent der Deutschen leiden darunter. Doch sie befinden sich in guter Gesellschaft. Denn auch die Euro-Finanzminister gehören zu den notorischen Aufschiebern.

Die Finanzminister beherrschen jedoch die Kunst, das Aufschieben als Erfolg darzustellen. Ein großer Schritt vorwärts sei die Einigung über die neuen Milliardenhilfen für Griechenland gewesen, sagte Euro-Gruppe-Chef Jeroen Dijsselbloem am Donnerstagabend in Luxemburg nach dem Treffen der EU-Finanzminister. „Endlich gute Nachrichten für Griechenland“, schrieb EU-Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter.

Es gibt neues Geld für Griechenland. 8,5 Milliarden Euro gehen nach Athen. Eine drohende Zahlungsunfähigkeit des Landes ist abgewendet. Das ist erst einmal eine gute Nachricht. Doch mit der Lösung der viel tiefer liegenden Wirtschaftskrise des Landes haben die neuen Überweisungen so viel zu tun wie eine Portion Currywurst-Pommes mit einem Diätplan. Schließlich dienen die neuen Kredite vor allem dazu, dass Griechenland einen Teil der alten Kredite zurückzahlen kann. Ob das Land jedoch jemals in der Lage sein wird, den gesamten Schuldenberg aus eigener Kraft zu tilgen, ist absolut unklar.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) glaubt nicht mehr an dieses Szenario. Deshalb fordert er seit einiger Zeit Schuldenerleichterungen für Griechenland. Nur wenn die EU-Finanzminister auf einen Teil der griechischen Rückzahlungen verzichten, will IWF-Chefin Christine Lagarde wieder Geld nach Griechenland schicken.

Viele EU-Finanzminister aber wollen Schuldenerleichterungen mit allen Mitteln verhindern. Keiner will zuhause seinen Wählern erklären müssen, dass die Kredite aus Athen nicht mehr zurückkommen. Vor allem Wolfgang Schäuble tönte in dieser Diskussion besonders laut. Er habe gar kein Mandat des Bundestages, um auf eigene Faust Schulden zu erlassen. Lagarde und Schäuble liegen deswegen im Clinch.

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