Katalonien: Unternehmen planen ihre Flucht

AnalyseKatalonien: Unternehmen planen ihre Flucht

Viele Unternehmer in Katalonien haben bereits den Plan B in der Tasche. Sie wollen das seit Jahren konfliktreiche Katalonien verlassen. Auch deutsche Unternehmen wie Lidl stehen in den Startlöchern.

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Unternehmer nehmen Reiß aus und verlassen Katalonien.

Unternehmen haben nur eins im Kopf: ihr Geschäft, und wenn sie an der Börse notieren auch noch ihren Aktienkurs. Aus diesem Grund äußerten sich die katalanischen Firmen lange nicht zu den sich seit 2014 intensivierenden Bestrebungen ihrer Regionalregierung, eine Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien zu erzielen.

Erst in letzter Minute am vergangenen Donnerstag beginnen sie die Flucht nach vorne, weil sie ihre Aktienkurse fallen und unüberwindbare Gefahren im Markt sehen: „Wir denken an unsere Kunden und an die Sicherheit ihrer Einlagen,“ heiβt es bei den größten Banken der Region, Banco Sabadell und Caixabank.

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Sie fürchten, dass ihre Anleger aus Sorge vor einer möglichen Unabhängigkeit und Chaos in Katalonien dem Kreditinstitut das Geld entziehen könnten. Deswegen entschieden die Führungsgremien in der vergangenen Woche den Umzug nach Alicante beziehungsweise Valencia/Palma.

Rede vor dem Regionalparlament Puigdemont erklärt Katalonien noch nicht für unabhängig

Der Regierungschef von Katalonien, Carles Puigdemont, will am Ziel einer Unabhängigkeit von Spanien festhalten. Er setze diesen Prozess aber aus, um in den nächsten Wochen einen Dialog und eine Vermittlung einzuleiten.

Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont Quelle: AP

Das hatte zahlreiche weitere Verlegungen von Geschäftsstellen anderer großer Firmen wie Abertis und Gas Natural zu Folge, aber auch vieler kleinerer mittelständischer Unternehmen wie Naturhouse. Dessen Eigentümer Félix Revuelta hatte schon Anfang August diesen Schritt gewagt und die Geschäftsstelle nach Madrid verlegt: „Wir Unternehmer wollen Ruhe und in Katalonien gibt es die nicht.“

Revuelta war auch einer der Hauptakteure bei der erfolgreichen Pro-Spanien-Demo am Sonntag in Barcelona. Natürlich dürfte hier auch Druck der Madrider Regierung geholfen haben, diese nicht einfachen unternehmerischen Entscheidungen zu treffen und klar Stellung zu beziehen. So konnte der spanische Premier Mariano Rajoy nach dem umstrittenen Einsatz der Nationalpolizei in Barcelona am 1. Oktober in der vergangenen Woche wieder Oberwasser in dem sich gefährlich zuspitzenden Konflikt gewinnen.

Wirtschaft zwingt die Separatisten in die Knie

Irrationaler Weise hat auch einer der Hauptakteure der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung, Joan María Vallvé, seine Investmentfirma CVC Gaesco gerade nach Madrid verlegt. Er ist die Nummer zwei der separatistischen Bewegung „Òmnium Cultural“. Selbst der Separatist fürchtete am Freitag um die Einlagen seiner Kunden und entschloss sich zu diesem Schritt, der schließlich den eigenen Rücktritt zur Folge hat, da weder die einen noch die anderen seine Entscheidung gutheißen können. Und der Versicherungskonzern Axa verkündete am Mittwoch seine Verlagerung von Barcelona nach Bilbao.

Gemäß vieler Beobachter waren es auch diese unternehmerischen Fluchtbewegungen aus Katalonien, die den Regierungschef Carles Puigdemont letztendlich zur Vernunft gebracht haben und er die Unabhängigkeit zwar nach seinem Auftritt am Dienstagabend im regionalen Parlament weiter anstrebt, aber nicht wie geplant ausgerufen hat. Stattdessen fordert der die Madrider Regierung auf, sich mit ihm an einen Tisch zu setzen.

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