Manchester: Polizei identifiziert mutmaßlichen Täter - IS reklamiert Anschlag für sich
Sängerin Ariana Grande soll gerade ihr Konzert beendet haben, als es zur Explosion gekommen sein soll.
Foto: APEin Attentäter hat bei einem Popkonzert von Teenie-Star Ariana Grande in Manchester mindestens 22 Menschen in den Tod gerissen, darunter auch Kinder, wie die Polizei mitteilte. Rund 60 Leute seien verletzt. Der mutmaßliche Selbstmordattentäter ist der 22-Jähriger. Die Angabe von drei US-Regierungsvertretern bestätigte die britische Polizei. Geprüft werde, ob er allein gehandelt habe oder zu einem Netzwerk gehörte.
Die Terrormiliz Islamischer Staat hat den Angriff auf das Popkonzert derweilen für sich reklamiert. Einer seiner Kämpfer habe den Anschlag in Manchester verübt. Jedoch haben die USA eine Verbindung der Extremistenmiliz zu dem Anschlag noch nicht bestätigt, wie der Direktor der nationalen Geheimdienste, Dan Coats, erklärte. Im Stadtbezirk Fallowfield von Manchester kam es am Nachmittag zu einer kontrollierten Sprengung. Diese stehe im Zusammenhang mit den anhaltenen Terror-Ermittlungen, erklärte die Polizei laut dem Sender Sky.
Die britische Premierministerin Theresa May hatte nach einer Krisensitzung der Regierung erklärt, dass die Ermittler bei dem Terroranschlag von einem Einzeltätern ausgingen. Trotzdem sei nun zu klären, ob der Täter Teil eines Netzwerkes gewesen sei, was jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Der Terroralarm bleibt derweilen auf der höchsten Stufe. Der Wahlkampf vor den Parlamentswahlen am 8. Juni ist unterbrochen.
US-Präsident Donald Trump hat den Anschlag von Manchester auf das Schärfste verurteilt. Seine Gedanken seien bei den Getöteten und Verletzten, sagte Trump am Dienstag in Bethlehem. "Wir stehen in vollkommener Solidarität an der Seite Großbritanniens."
"So viele junge Menschen sind von bösartigen Verlierern ermordet worden", sagte Trump. "Ich werde sie nicht 'Monster' nennen, denn das würden sie mögen, diesen Namen würden sie mögen. Ich werde sie von jetzt an 'Loser' nennen, denn das ist es, was sie sind."
Die Gesellschaft könne keine Unterstützung bieten für Terrorismus und für Blutvergießen, sagte Trump. Manchester sei eine Attacke gegen so viele unschuldige Kinder gewesen. Die Unterstützung des Terrors müsse ausgerottet werden. "Diese kranke Ideologie muss verschwinden", sagte Trump. Bei einem Besuch in Bethlehem kündigte er an, für die Menschen von Manchester zu beten, und sprach sein tiefes Mitgefühl aus.
Foto: REUTERSPalästinenserpräsident Mahmud Abbas hat die Attacke als „schrecklichen Terroranschlag“ verurteilt. Er bedaure, dass es Dutzende unschuldiger Opfer gegeben habe, sagte Abbas bei einer Pressekonferenz mit US-Präsident Donald Trump in Bethlehem. „Ich spreche der Premierministerin (Theresa May), den Angehörigen und dem britischen Volk mein Beileid aus“, sagte Abbas.
Foto: AP„Der Terror ist eine weltweite Bedrohung und die aufgeklärten Staaten müssen ihn gemeinsam besiegen“, sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ über ihren Regierungssprecher Steffen Seibert über Twitter die Botschaft verbreiten: "Mit Trauer und Entsetzen verfolge ich die Berichte aus Manchester. Es ist unbegreiflich, dass jemand ein fröhliches Popkonzert ausnutzt, um so viele Menschen den Tod zu bringen oder ihnen schwere Verletzungen zuzufügen. Meine tiefe Anteilnahme gilt allen Opfern und Betroffenen sowie den Angehörigen in ihrer Trauer und Verzweiflung. Dieser mutmaßliche terroristische Anschlag wird nur unsere Entschlossenheit stärken, weiter gemeinsam mit unseren britischen Freunden gegen diejenigen vorzugehen, die solche menschenverachtenden Taten planen und ausführen. Den Menschen in Großbritannien versichere ich: Deutschland steht an Ihrer Seite."
Foto: APDie britische Premierministerin Theresa May sagte nach dem verheerenden Anschlag auf das Publikum eines Popkonzerts in Manchester: „All unsere Gedanken sind bei den Opfern und den Familien von allen, die betroffen sind.“ Sie sprach von einem widerwärtigen und feigen Angriff, der mit „kalter Berechnung“ auf die jüngsten Menschen des Landes gezielt habe.
Foto: dpaDie britische Königin Elisabeth II. sagte zu dem Selbstmordanschlag in Manchester, die ganze Nation sei über die vielen getöteten und verletzten Menschen schockiert.
Foto: dpaBundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Opfern und Verletzten sein Mitgefühl ausgedrückt. Die Nachrichten über das mörderische Attentat erschütterten ihn, teilte Steinmeier mit. In Gedanken sei er bei den Opfern und Verletzten und auch bei denen, die um einen nahen Menschen trauerten oder fürchteten. „Wir sind dem britischen Volk in diesem tragischen Moment besonders verbunden.“
Foto: REUTERSAuch der französische Präsident Emmanuel Macron drückt den Briten nach dem Anschlag von Manchester sein Mitgefühl aus. Die Regierung in Paris werde im Kampf gegen den Terrorismus weiter mit den Briten zusammenarbeiten, heißt es in einer Stellungnahme. Macron will zudem mit Premierministern Theresa May wegen des Anschlags telefonieren.
Foto: REUTERSEU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat Großbritannien nach dem Anschlag sein Beileid bekundet. „Heute trauern wir mit Ihnen. Morgen werden wir Seite an Seite mit Ihnen daran arbeiten, gegen diejenigen zurückzuschlagen, die versuchen, unseren Lebensstil zu zerstören“, teilte Juncker in einer Erklärung mit. Es zerreiße ihm das Herz, wenn er wieder daran denken müsse, wie Terrorismus versuche, dort Angst zu säen, wo eigentlich Freude herrschen sollte.
Foto: dpaDer deutsche Außenminister Sigmar Gabriel hat sich betroffen gezeigt. „Entsetzliche Nachrichten aus Manchester!“, schrieb der SPD-Politiker am Dienstag auf Twitter. „Unsere Gedanken sind jetzt bei unseren britischen Freundinnen und Freunden. United we stand.“ Der Spruch heißt auf Deutsch etwa: „Wir stehen Seite an Seite.“
Foto: dpaDie britische Innenministerin Amber Rudd hat den Anschlag als „gezielten Angriff“ bezeichnet. Die Explosion bei dem Konzert der US-Sängerin Ariana Grande sei ein „barbarischer Angriff, der absichtlich abzielt auf einige er Verwundbarsten in unserer Gesellschaft - junge Menschen und Kinder bei einem Popkonzert“, sagte Rudd in einer veröffentlichten Mitteilung. Manchester sei bereits früher Ziel von Terrorismus gewesen. Dieser Angriff solle Angst schüren und spalten. „Aber das wird ihm nicht gelingen.“ Die Ministerin sprach den Familien und Opfern ihr Mitgefühl aus und lobte die Arbeit der Rettungskräfte. Im Sicherheitskabinett der Regierung würden weitere Informationen über diesen Angriff zusammengetragen, sagte Rudd, mehr könne sie derzeit nicht dazu sagen. Die Bevölkerung solle wachsam bleiben, aber keine Angst haben.
Foto: REUTERSDer gesamte Wahlkampf für die Parlamentswahl im Juni wird Labour-Chef Jeremy Corbyn zufolge bis auf Weiteres ausgesetzt. Darauf habe er sich mit Premierministerin Theresa May verständigt, teilt der Oppositionsführer mit.
Foto: APPapst Franziskus hat sich erschüttert über den Terroranschlag in Manchester gezeigt. Das Oberhaupt der Katholiken sei tief betrübt gewesen, als er von den Verletzungen und dem tragischen Verlust von Menschenleben durch die „barbarische Attacke“ in der nordenglischen Stadt erfahren habe, hieß es in einer Mitteilung des Vatikans am Dienstag. Der Papst bete für die Angehörigen, Verletzten und Toten, insbesondere für die Kinder und Jugendlichen unter den Opfern. „Er drückt seine von Herzen kommende Solidarität mit all denen aus, die von diesem sinnlosen Akt der Gewalt betroffen sind.“
Foto: dpaSPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat sich bestürzt geäußert. „Grauenhafte Nachrichten aus Manchester“, schrieb er am Dienstagmorgen bei Twitter. „Wissen noch nicht viel, aber das Leid ist unfassbar. Meine Gedanken sind bei Opfern und Angehörigen.“
Foto: dpaDer australische Premierminister Malcolm Turnbull hat den Anschlag als einen „brutalen Angriff auf junge Leute überall“ verurteilt. „Dieser Vorfall, dieser Angriff, ist besonders abscheulich, besonders kriminell, besonders schrecklich, weil er sich offenbar vorsätzlich gegen Teenager richtete“, sagte Turnbull am Dienstag im australischen Parlament in Canberra. „Das ist ein Angriff auf Unschuldige. Sicherlich gibt es keine verwerflichere Straftat als den Mord an Kindern.“
Foto: REUTERS„Die Kanadier sind durch die Nachricht des schrecklichen Angriffs heute Abend in Manchester geschockt", sagte Kanadas Premierminister Justin Trudeau noch am Montagabend. "Bitte nehmt die Opfer & ihre Familien in eure Gedanken auf."
Foto: APDie japanische Regierung verurteilte den Vorfall ebenfalls. Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga sagte in Tokio: „Wenn das ein Terroranschlag war, können solche verabscheuungswürdigen terroristischen Angriffe aus keinen Gründen gerechtfertigt werden.“
Foto: REUTERS36 Stunden vor dem Finale der Fußball-Europa-League hat Manchester United geschockt auf den Anschlag in der Heimatstadt reagiert. „Wir sind von den schrecklichen Ereignissen der letzten Nacht in der Manchester Arena sehr erschüttert. Unsere Gedanken und Gebete gehen an alle Betroffenen“, twitterte der Finalist am Dienstagmorgen. Im Gedenken an die Anschlags-Opfer haben Spieler und Trainer des Fußball-Clubs während ihres Abschlusstrainings eine Schweigeminute eingelegt.
Zuvor hatte auch Lokalrivale Manchester City via Twitter sein Beileid bekundet. „Es erfüllt uns mit großer Traurigkeit, dass wir von den schrecklichen Ereignissen in der Arena hören müssen. Unsere Herzen gehen zu allen Betroffenen und zu den Notdiensten unserer Stadt“, hieß es im Twitter-Feed.
Foto: REUTERSAuch der aus Manchester stammende frühere Oasis-Sänger Liam Gallagher hat den Anschlagsopfern und ihren Familien sein Mitgefühl ausgesprochen. Er sei „total geschockt und absolut am Boden zerstört“ über die Ereignisse in der Stadt, schrieb Gallagher am Dienstagvormittag auf Twitter. Er sende „Liebe und Licht“ an alle Betroffenen.
Foto: dpaDie britische Rockband Rolling Stones reagierte ebenfalls über Twitter auf den Anschlag: „Die Rolling Stones sind zutiefst bestürzt über die schrecklichen Ereignisse in Manchester und senden ihr Beileid an alle, die von dieser Tragödie betroffen sind.
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Die US-amerikanische Sängerin Taylor Swift schrieb auf Twitter: „Meine Gedanken, Gebete und Tränen gehen an alle, die von der Manchester-Tragödie heute Nacht betroffen sind. Ich schicke all meine Liebe.“
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„Meine Gedanken und Gebete sind mit allen, die von diesem schrecklichen Vorfall in Manchester betroffen sind", schrieb der US-amerikanische Sänger Justin Timberlake auf Twitter. Mit der Aufforderung: "Wir müssen besser werden. Wir müssen UNS LIEBEN.“
Foto: APRusslands Präsident Wladimir Putin zeigte sich kämpferisch: „Wir verurteilen dieses zynische, unmenschliche Verbrechen scharf. Wir rechnen damit, dass die Drahtzieher einer angemessenen Strafe nicht entkommen werden.“
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Die Explosion hatte sich am späten Montagabend in der Manchester Arena ereignet, einer Konzerthalle, die bis zu 21.000 Besuchern Platz bietet. Zeugen berichteten von einem Knall nach dem letzten Lied Grandes gegen 22.30 Uhr Ortszeit. Die BBC berichtete unter Berufung auf die Polizei, die Explosion sei im Foyer der Halle gewesen. Der Veranstalter erklärte, es sei in einem öffentlichen Raum außerhalb der eigentlichen Konzerthalle passiert. Der Mann habe eine selbstgebaute Bombe gezündet, wie am frühen Morgen bekannt wurde.
Krankenwagen rasten zur Manchester Arena. Hubschrauber kreisten über dem Areal. Notfalldienste und Feuerwehr baten die Bevölkerung über den Kurznachrichtendienst Twitter, sie wegen des Einsatzes nur bei lebensbedrohlichen Angelegenheiten zu kontaktieren. Rund um die Halle zogen bewaffnete und maskierte Polizisten auf. Auch Sprengstoffspezialisten waren im Einsatz.
Der unmittelbar neben der Halle liegende Bahnhof Manchester Victoria wurde gesperrt. Die Polizei forderte die Menschen via Twitter auf, sich aus der Gegend um die Halle fernzuhalten. Sie rief die Bürger zu Wachsamkeit auf.
In der Konzerthalle spielten sich nach der Explosion laut Augenzeugen dramatische Szenen ab. „Der Knall hallte durch das Foyer der Arena und die Leute fingen an zu laufen“, berichtete ein 17-Jähriger, der mit seiner zwei Jahre älteren Schwester das Konzert besucht hatte. „Ich sah, wie die Leute schreiend in eine Richtung rannten und sich plötzlich viele umdrehten und wieder in die andere Richtung liefen“, sagte der Jugendliche dem Nachrichtensender Sky News.
Augenzeugen berichteten von Menschen, die blutüberströmt auf dem Boden lagen. Dort hätten auch Metallteile und Splitter gelegen. Auf Bildern waren Konzertbesucher mit Beinverletzungen zu sehen. Menschen flohen in Panik und mit Tränen in den Augen aus der Halle.
Grande war angesichts der Ereignisse „am Boden zerstört“. „Aus tiefstem Herzen: Es tut mir so leid. Mir fehlen die Worte“, schrieb die 23-Jährige auf Twitter. Kollegen wie Justin Timberlake und Christina Aguilera zeigten sich entsetzt. In Manchester boten Anwohner den Betroffenen Unterschlupf an; bei Twitter gab es dafür den Hashtag #roominmanchester.
Sollte es sich um einen Terroranschlag handeln, wäre es für Großbritannien der schwerste seit 2005. Damals zündeten vier Muslime mit britischem Pass in der U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen starben, etwa 700 wurden verletzt.
Im März hatte ein Attentäter ein Auto absichtlich in Fußgänger auf einer Brücke im Zentrum Londons gesteuert und anschließend einen Polizisten erstochen. Von den Opfern auf der Brücke erlagen vier ihren Verletzungen.
Die Explosion bei dem Ariana-Grande-Konzert löste weltweit Betroffenheit aus. Die britische Popgruppe Take That, die sich 1990 in Manchester gegründet hat, sagte ihren für Dienstagabend vorgesehenen Auftritt im benachbarten Liverpool ab. Reaktionen von Politikern und Prominenten lesen Sie hier.