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Pfund schmiert ab, Dax rutscht ins Minus „Der Brexit-Deal ist nach Raabs Rückzug eine Totgeburt“

Brexit: So reagieren die Märkte auf die Rücktritte Quelle: dpa

Der Brexit-Deal in Großbritannien steht auf der Kippe. Das lässt die Märkte nicht kalt. Börse und britische Währung geraten unter Druck: Hedgefonds wittern ihre Chance und wetten gegen das Pfund.

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Die Hoffnungen der Anleger auf eine Brexit-Einigung sind am Donnerstag schnell wieder zunichte gemacht worden. Dem Fortschritt in London folgte der Rückschlag: nachdem das britische Kabinett am Mittwochabend grünes Licht für den EU-Ausstiegsvertrag erteilt hatte, traten Brexit-Minister Dominic Raab, Nordirland-Minister Shailesh Vara und Arbeitsministerin Esther McVey am Donnerstag aus Protest zurück. Es ist völlig offen, ob der Entwurf überhaupt eine Mehrheit im britischen Parlament findet.

Die Gefahr eines chaotischen Ausstiegs der Briten aus der europäischen Union ist also nicht gebannt – und immer mehr Hedgefonds wetten auf einen weiteren Kursrutsch des Pfund Sterling. Daten der US-Derivateaufsicht CFTC für die vergangene Woche zeigen, dass die Wetten in den vergangenen Tagen deutliche zugenommen haben. Insgesamt setzen die Spekulanten 4,6 Milliarden Dollar darauf, dass der Kurs der britischen Währung fällt. „Manche europäische Politiker sind vielleicht optimistisch, dass es bald einen Deal geben wird zwischen Großbritannien und der EU, aber an den Märkten ist die Skepsis gestiegen“, sagt Chefanalyst Marc Chandler vom Broker Bannockburn Global Forex.

Das Pfund Sterling ging am Donnerstag bereits in die Knie mit dem größten Kursrutsch seit eineinhalb Jahren. Seit dem Brexit-Referendum vom Juni 2016 wertete das Pfund von rund 1,50 Dollar immer weiter ab. Anfang 2017 kostete es zeitweise sogar nur 1,20 Dollar und war so billig wie zuletzt Mitte der 1980er Jahre. Sollte es am Ende zu einem harten Brexit kommen, also einem Ausstieg ohne konkrete Regelungen, könnte der Kurs des Pfund auf unter 1,15 Dollar fallen und sich in Richtung Parität zu der US-Währung bewegen, prognostiziert Portfoliomanager John Taylor vom Vermögensverwalter AllianceBernstein. Die britische Währung verlor am Donnerstag bis zu 1,9 Prozent auf 1,2749 Dollar.

Bundesregierung erleichtert über Brexit-Einigung

Auch der deutsche Aktienmarkt zeigte sich am Donnerstagmittag schwächer: Der Dax notierte zuletzt 0,06 Prozent tiefer bei 11.405,23 Punkten. Der MDax, in dem die mittelgroßen Unternehmen repräsentiert sind, verlor 0,42 Prozent auf 23 934,60 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,28 Prozent auf 3196,31 Zähler abwärts.

Vor allem der Rücktritt Raabs ist nach Ansicht von Marktbeobachtern ein herber Schlag für Premierministerin Theresa May. „Der Brexit-Deal ist nach Raabs Rückzug eine Totgeburt und das könnte das Ende für May sein“, sagte Marktanalyst Naeem Aslam vom Brokerhaus Think Markets. Weitere Kabinettsmitglieder könnten ihren Hut nehmen. Analyst Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg sieht einen „langen und steinigen Weg“. Die wohl größte Hürde werde die Abstimmung im Unterhaus, in dem Mays Konservative 315 Abgeordnete stellen. Für eine Mehrheit sind 320 Stimmen nötig. EU-Ratspräsident Donald Tusk hat einen EU-Sondergipfel für den 25. November einberufen.

In London gingen Bankenwerte auf Talfahrt, Barclays und RBS verloren je mehr als sechs Prozent. Auch Einzelhandelstitel wie Marks & Spencer und Aktien der Baubranche wie Barrat Development, Persimmon oder Taylor Wimpey mussten Federn lassen. Der Londoner Leitindex gab ein halbes Prozent ab.

Anleger retteten sich in als sichere Häfen geltende Anlagen wie deutsche Bundesanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Anleihe sank um mehr als drei Basispunkte auf 0,36 Prozent.

Andere Belastungsfaktoren für die Börsen wie der Haushaltsstreit zwischen Italien und der EU sowie der von den USA angezettelte Handelskonflikt existierten ebenfalls noch weiter, sagten die Analysten der Helaba.

Schwindende Hoffnungen von Anlegern auf Steuererleichterungen für die Autobranche in China brachten die Aktien von europäischen Autowerten ins Straucheln. Die Titel von Volkswagen, Daimler, BMW und Continental rutschten um zwei bis drei Prozent ab und standen damit auf der Verliererseite im Dax ganz oben. In Frankreich gaben die Papiere von Peugeot und Renault bis zu 2,3 Prozent nach. Die Aktien von Fiat Chrysler fielen an der Börse in Mailand zeitweise um 1,2 Prozent. Die Regierung in Peking will die beim Autokauf anfallenden Steuern von zehn Prozent doch nicht auf fünf Prozent reduzieren. Dies war ursprünglich einmal im Gespräch, um den schwächelnden Automarkt in der Volksrepublik anzukurbeln.

Die Aktien des Salz- und Düngemittelherstellers K+S zeigten auf die Quartalszahlen trotz erneut gesenkter Jahresziele mittags dagegen kaum eine Reaktion. Das dritte Quartal sei nicht so schlimm ausgefallen wie befürchtet, sagte ein Händler.

Die zuletzt starken Lufthansa-Aktien kamen mit minus 2,3 Prozent etwas unter die Räder.

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