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Spanien Lug und Betrug statt Weiterbildung

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Spanier fühlen sich komplett betrogen

Einer der Hauptgründe für diese Skandale rund um die Arbeitsnehmer ist seiner Meinung nach, dass die öffentlichen Finanzen nicht richtig kontrolliert werden vom spanischen Rechnungshof und viele von Steuergeldern finanzierte Institutionen ihre Finanzen nicht offenlegten, dazu gehören in Spanien auch die Gewerkschaften.
“Aber auch die Parteien”, kritisiert Ramírez, der ein Buch geschrieben hat, in dem er aufzeigt, das fehlende die Transparenz bei der Finanzierung von Politik und ein ungerechtes Wahlsystem, zu einem Zweiparteien-System geführt, das solche Korruptionsskandale wie der um die Weiterbildungskurse nur fördere. Das habe auch bei der regierenden Partei PP zu der immer noch nicht geklärten B-Buchhaltung geführt. Millionen Summen im zweistelligen Bereich sind in die Schweiz geflossen. Bisher wurde dafür erst der Buchhalter zur Verantwortung gezogen.

So denkt Spanien über Europa
Im Internet waren die satirischen Landkarten des bulgarischen Designers Yanko Tsvetkov schon lange ein Renner. Er zeichnete jeweils den Blick verschiedener Gruppen oder Nationalitäten auf Europa und die Welt, in dem er die Namen der jeweiligen Länder durch Klischees ersetzte, die am häufigsten mit diesen Ländern assoziiert werden. Mittlerweile gibt es die Landkarten auch gebunden, als "Atlas der Vorurteile", erschienen im Knesebeck-Verlag. Auf 80 Seiten stellt der Designer dar, wie die verschiedenen Nationalitäten ihre Nachbarn wahrnehmen. Auch den Spaniern widmet Tsvetkov eine ganze Seite. Und die lassen kein Gutes Haar an ihren Nachbarn - nicht mal an den weiter entfernten. So stehen beispielsweise "verheiratete Priester" für Russland, Estland, Lettland und Litauen werden zum "Russischen Galizien" und Weißrussland zum "Russischen Franco". Ebenfalls wenig schmeichelhaft: Die Ukrainer sind aus Sicht der Spanier "Radioaktive Nannys". Quelle: Screenshot
Ähnlich charmant ist die spanische Sicht auf Rumänien: Wegen der vielen Alten- und Krankenpfleger, die von dort kommen und in anderen europäischen Ländern Arbeit suchen, ist Rumänien in der spanischen Europasicht schlicht das Land der Windelwechsler. Quelle: dpa
Sich selbst sehen die Spanier übrigens als "Café para todos" - also als Café oder beliebten Treffpunkt für alle anderen Europäer. Was ja auch nicht falsch ist. Quelle: dpa
Bei vielen Iren mag die spanische Einordnung als "Rotschöpfe" ja stimmen. Alle Briten unter "kotzende Touristen" zusammenzufassen, tut dagegen sicher sehr vielen Unrecht. Quelle: dpa
Die Türkei kommt mit "östliches Marokko" eigentlich noch recht gut weg. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Deutschland dagegen hat - Sparpolitik & Co. sei Dank - gar keinen guten Stand bei den Spaniern. Wegen der deutschen Rolle in der Euro-Krise wird Deutschland auf der Landkarte, die Spaniens Europasicht verdeutlichen soll, "Cruella de Merkel" genannt. Quelle: dpa
Schöne Strände, gute Küche und guten Wein haben die Spanier selbst. Was fällt ihnen darüber hinaus zu Italien ein? Auf der spanischen Seite im Atlas der Vorurteile steht statt Italien "Muttersöhnchen". Griechenland bekommt dagegen den Beinamen "schlechtes Olivenöl". Auch nicht nett. Quelle: AP

Spanische Politiker genießen seit jeher ein schlechtes Images beim Volk, durch die vielen Verwicklungen bei Missbrauch von Ausbildungsgeldern fühlen sich viele Spanier jedoch jetzt auch von gewerkschaftlichen Vereinigungen wie der UGT und CCOO komplett betrogen. Das ist ein Grund, warum heute nur noch rund 15 Prozent der spanischen Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert sind. Nur in Frankreich, Estland und Litauen ist das Interesse noch geringer. Ihre Finanzierung erfolgt deswegen inzwischen hauptsächlich aus Steuergeldern. Aus dem Haushalt 2014 fließen 11,6 Mrd. EUR in die Kassen der spanischen Arbeitnehmervertreter. “Das ist ein Skandal. Sie sollten sich wie anderswo hauptsächlich über Mitgliederbeiträge finanzieren,” sagt Arsenal.
In Madrid steht die Arbeitnehmervertretung UGT unter Verdacht, falsche Angaben über Kurse an Unternehmen der Region gemacht zu haben. Die Autonome Region Madrid untersucht derzeit 150 Stiftungen, Firmen und Gewerkschaften im Zusammenhang mit der Veruntreuung von Fortbildungshilfen über Sinergia Empresarial.

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Hierbei geht es um die Veruntreuung von 17 Millionen Euro. “Die Korruption, die hier bei den Gewerkschaften vorherrscht, ist gefährlich für die gesamte Wirtschaft, weil wir keine richtigen Arbeitnehmervertretungen mehr haben, denen Unternehmen und Arbeiter vertrauen können”, sagt der Madrider Unternehmensberater Ignacio de Benito.
Für José Lopez aus Alcalá la Real gibt es nur einen Ausweg aus dieser verfahrenen Situation: “Die ausländischen Medien. Ihr müsst darüber berichten, was hier passiert, ohne Angst.” Er packt seinem ausländischen Besuch Oliven und Kirschen aus der Region ein: “Wir haben doch so viele gute Sachen, das gerät total in Vergessenheit, wenn wir nicht aus diesem Sumpf kommen.”

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