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VerbraucherpreiseInflation im Euroraum sinkt schwächer als erwartet

Die Verbraucherpreise in der Währungsunion sind im Juli weiter zurückgegangen. Was das für die künftige Geldpolitik der EZB bedeuten könnte. 31.07.2023 - 11:18 Uhr

Die Inflation in der Eurozone bleibt über dem Ziel der EZB.

Foto: imago images

Der Inflationsdruck in der Euro-Zone lässt trotz der immer höheren Leitzinsen nur leicht nach. Die Verbraucherpreise stiegen im Juli um 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt Eurostat am Montag mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten mit diesem Wert gerechnet – nach 5,5 Prozent im Juni.

Die Kernrate, in der die schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise sowie Alkohol und Tabak ausgeklammert bleiben, ging allerdings nicht zurück: Sie verharrte auf dem Vormonatswert von 5,5 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) legt ein besonderes Augenmerk auf die Kernrate, da sie als wichtige Messgröße für die zugrundeliegenden Inflationstrends gilt. Sie versucht, die Inflation mit immer höheren Leitzinsen in den Griff zu bekommen.

Schneller schlau: Inflation
Wenn die Preise für Dienstleistungen und Waren allgemein steigen – und nicht nur einzelne Produktpreise – so bezeichnet man dies als Inflation. Es bedeutet, dass Verbraucher sich heute für zehn Euro weniger kaufen können. Kurz gesagt: Der Wert des Geldes sinkt mit der Zeit.
Die Inflationsrate, auch Teuerungsrate genannt, gibt Auskunft darüber, wie hoch oder niedrig die Inflation derzeit ist. Um die Inflationsrate zu bestimmen, werden sämtliche Waren und Dienstleistungen herangezogen, die von privaten Haushalten konsumiert bzw. genutzt werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) beschreibt das wie folgt: „Zur Berechnung der Inflation wird ein fiktiver Warenkorb zusammengestellt. Dieser Warenkorb enthält alle Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte während eines Jahres konsumieren bzw. in Anspruch nehmen. Jedes Produkt in diesem Warenkorb hat einen Preis. Dieser kann sich mit der Zeit ändern. Die jährliche Inflationsrate ist der Preis des gesamten Warenkorbs in einem bestimmten Monat im Vergleich zum Preis des Warenkorbs im selben Monat des Vorjahrs.“
Eine Inflationsrate von unter zwei Prozent gilt vielen Experten als „schlecht“, da sie ein Zeichen für schwaches Wirtschaftswachstum sein kann. Auch für Sparer sind diese niedrigen Zinsen ein Problem. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an.
Deutlich gestiegene Preise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie können sich für ihr Geld weniger leisten. Der Privatkonsum ist jedoch eine wichtige Stütze der Konjunktur. Sinken die Konsumausgaben, schwächelt auch die Konjunkturentwicklung.
Von Disinflation spricht man, wenn die Geschwindigkeit der Preissteigerungen abnimmt – gemeint ist also eine Verminderung der Inflation, nicht aber ein sinkendes Preis-Niveau.

Die Energiepreise fielen im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat – und zwar um 6,1 Prozent, nach einem Rückgang um 5,6 Prozent im Juni. Die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak erhöhten sich hingegen um 10,8 Prozent, nach zuvor 11,6 Prozent. Industriegüter ohne Energie verteuerten sich diesmal um 5,0 Prozent. Im Juni hatte der Zuwachs noch bei 5,5 Prozent gelegen. Und Dienstleistungen verteuerten sich um 5,6 Prozent nach 5,4 Prozent im Vormonat.

Im Detail schwächte sich der Preisauftrieb in vielen Bereichen ab. Lebens- und Genussmittel waren zwar immer noch 10,8 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, der Trend zeigt allerdings weiter nach unten. Die Energiepreise sanken erneut deutlich um 6,1 Prozent, nachdem sie im vergangenen Jahr drastisch gestiegen waren.

Die Preise von Industriewaren stiegen nicht ganz so deutlich wie im Vormonat, im großen Dienstleistungssektor beschleunigte sich dagegen der Preisauftrieb.

Die EZB hat am Donnerstag die geldpolitischen Schlüsselsätze um einen viertel Prozentpunkt angehoben, um der Inflation Paroli zu bieten. Der am Finanzmarkt maßgebliche Einlagensatz, den Banken für das Parken überschüssiger Gelder von der EZB erhalten, stieg damit auf 3,75 Prozent - das höchste Niveau seit Oktober 2000. Zum weiteren Kurs nach der Sommerpause wollte sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde nicht festlegen.

Die Auswertung der Daten werde zeigen, ob die EZB im September und in den folgenden Sitzungen noch eine Wegstrecke zu gehen habe und wie groß diese dann sei. Dabei schloss sie eine Zinspause nicht aus. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hält die Inflation im Euro-Raum für noch nicht besiegt.

Lesen Sie auch: Was der EZB-Zinsentscheid für deutsche Sparer bedeutet

rtr, dpa
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