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Deutsche Wirtschaft Die Konjunktur kühlt ab – Industrie in der Rezession

Nachlassende Nachfrage, politische Unsicherheiten und strukturelle Veränderungen sorgen für weniger Wachstum in Deutschland. Quelle: dpa

Führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für Deutschland deutlich nach unten korrigiert. Schuld sind sinkende Nachfrage, politische Unsicherheiten und strukturelle Veränderungen.

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In ihrer gemeinsamen Frühjahrsprognose rechneten die Wirtschaftsforschungsinstitute DIW, ifo, IfW Kiel, IWH und RWI noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,8 Prozent im Jahr 2019. Das haben sie jetzt korrigiert und erwarten im Herbstgutachten, das sie Mittwoch vorlegten, nur noch ein Wachstum von 0,5 Prozent. In ihrer im Auftrag für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erstellten Gemeinschaftsdiagnose senken die Konjunkturforscher auch für das kommende Jahr ihre Prognose auf 1,1 Prozent, nach noch 1,8 Prozent im Frühjahr.

„Die deutsche Industrie befindet sich in einer Rezession, die inzwischen auch auf die unternehmensnahen Dienstleister durchschlägt“, sagt Claus Michelsen, Leiter der Abteilung Konjunkturpolitik des gastgebenden Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). „Dass die Wirtschaft überhaupt noch expandiert, ist vor allem auf die anhaltende Kauflaune der privaten Haushalte zurückzuführen, die von den guten Lohnabschlüssen, Steuererleichterungen und Ausweitungen staatlicher Transfers gestützt wird.“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sieht die deutsche Konjunktur trotz der Schwächen nicht in einem Abwärtsstrudel. „Wir haben aktuell keine Konjunkturkrise“, sagte Altmaier am Mittwoch in Berlin. Eine solche Krise drohe auch nicht. Allerdings dämpfen Handelskonflikte und der Brexit die Aussichten. Das meinen auch die Wirtschaftsforscher. Denn sie belasten über die Investitionsbereitschaft der Unternehmen den Außenhandel. So seien vor allem die Risiken ausgehend von einer Eskalation des Handelskonflikts hoch, sagt Michelsen und ergänzt: „Aber auch ein ungeregelter Brexit hätte Kosten: Das Bruttoinlandsprodukt würde in Deutschland dadurch für sich genommen im kommenden Jahr um 0,4 Prozent niedriger ausfallen als bei einem geregelten Austritt.“

Betroffen von der konjunkturellen Abkühlung ist auch der Beschäftigungsaufbau und verliert deswegen an Fahrt. Die Industrie hat jüngst sogar Stellen abgebaut. Dienstleister und die Bauwirtschaft stellen aber weiter ein. In diesem Jahr rechnen die Institute daher mit einem Beschäftigungsaufbau von 380.000 Stellen. In den kommenden beiden Jahren dürften dann voraussichtlich nur noch 120.000 beziehungsweise 160.000 neue reguläre Jobs entstehen. Die Arbeitslosenquote soll im Jahr 2020 auf 5,1 Prozent steigen von 5,0 Prozent im Jahr 2019. Im Jahr 2021 werde sie aber wieder auf 4,9 Prozent sinken. Die Verbraucherpreise legen weiterhin moderat zu um 1,4 Prozent im Jahr 2019, 1,5 Prozent im Jahr 2020 und 1,6 Prozent im Jahr 2021. Beachtlich sind in diesem Jahr noch die Überschüsse des Staats mit voraussichtlich rund 50 Milliarden Euro. Allerdings schmelzen sie bis zum Jahr 2021 auf rund 4 Milliarden Euro.

Gründe dafür sind neben der konjunkturellen Abkühlung vor allem verschiedene fiskalische Maßnahmen wie Mehrleistungen bei der Rentenversicherung, Erhöhung des Kindergelds, Entlastung bei der Einkommenssteuer und nicht zuletzt die teilweise Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Sie belaufen sich in diesem Jahr auf rund 22 Milliarden Euro, im kommenden Jahr auf 18 Milliarden Euro und im Jahr 2021 auf voraussichtlich 23 Milliarden Euro. Die Finanzpolitik setzt so deutliche Impulse und stützt den privaten Konsum.

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