Geistesblitze der Ökonomie (XI): Kenneth Arrow - Mitbegründer der Sozialwahltheorie
Nobelpreisträger Kenneth Arrow im Oktober 2013
Foto: dpa
Als Kenneth Arrow 1951 seine Doktorarbeit vorlegt, weigern sich die zuständigen Professoren, das Werk zu begutachten. Der junge Wissenschaftler hatte ein kompaktes 120-Seiten-Stück mit dem Titel „Social Choice and Individual Values“ vorgelegt, doch die Ökonomen verstehen es schlichtweg nicht. Viel zu mathematisch sei der Text, Arrow habe sich wohl in der Fakultät geirrt. Sie reichen das Manuskript weiter an ihren Kollegen Ted Anderson, Professor der Mathematik. Der studiert es, stuft es zwar im Kern als ökonomisches Werk ein, gibt aber dennoch seine Meinung ab: bahnbrechend. Nur sechs Jahre später bekommt Arrow die John-Bates-Clark-Medal, 1972 dann den Nobelpreis – als jüngster Forscher aller Zeiten. Eine Wissenschaftler-Generation danach geht das landläufige Urteil noch weiter: Arrow hat mit seiner Doktorarbeit einen ganz neuen Zweig der Wissenschaft begründet.
Adam Smith, Karl Marx, John Maynard Keynes und Milton Friedman: Die größten Wirtschafts-Denker der Neuzeit im Überblick.
Foto: WirtschaftsWocheGustav Stolper war Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "Der deutsche Volkswirt", dem publizistischen Vorläufer der WirtschaftsWoche. Er schrieb gegen die große Depression, kurzsichtige Wirtschaftspolitik, den Versailler Vertrag, gegen die Unheil bringende Sparpolitik des Reichskanzlers Brüning und die Inflationspolitik des John Maynard Keynes, vor allem aber gegen die Nationalsozialisten.
Foto: Bundesarchiv, Bild 146-2006-0113 / CC-BY-SADer österreichische Ökonom Ludwig von Mises hat in seinen Arbeiten zur Geld- und Konjunkturtheorie bereits in den Zwanzigerjahren gezeigt, wie eine übermäßige Geld- und Kreditexpansion eine mit Fehlinvestitionen verbundene Blase auslöst, deren Platzen in einen Teufelskreislauf führt.
Mises wies nach, dass Änderungen des Geldumlaufs nicht nur – wie die Klassiker behaupteten – die Preise, sondern auch die Umlaufgeschwindigkeit sowie das reale Produktionsvolumen beeinflussen. Zudem reagieren die Preise nicht synchron, sondern in unterschiedlichem Tempo und Ausmaß auf Änderungen der Geldmenge. Das verschiebt die Preisrelationen, beeinträchtigt die Signalfunktion der Preise und führt zu Fehlallokationen.
Foto: Mises Institute, Auburn, Alabama, USAGary Becker hat die mikroökonomische Theorie revolutioniert, indem er ihre Grenzen niederriss. In seinen Arbeiten schafft er einen unkonventionellen Brückenschlag zwischen Ökonomie, Psychologie und Soziologie und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der „Rational-Choice-Theorie“. Entgegen dem aktuellen volkswirtschaftlichen Mainstream, der den Homo oeconomicus für tot erklärt, glaubt Becker unverdrossen an die Rationalität des Menschen.
Seine Grundthese gleicht der von Adam Smith, dem Urvater der Nationalökonomie: Jeder Mensch strebt danach, seinen individuellen Nutzen zu maximieren. Dazu wägt er – oft unbewusst – in jeder Lebens- und Entscheidungssituation ab, welche Alternativen es gibt und welche Nutzen und Kosten diese verursachen. Für Becker gilt dies nicht nur bei wirtschaftlichen Fragen wie einem Jobwechsel oder Hauskauf, sondern gerade auch im zwischenmenschlichen Bereich – Heirat, Scheidung, Ausbildung, Kinderzahl – sowie bei sozialen und gesellschaftlichen Phänomenen wie Diskriminierung, Drogensucht oder Kriminalität.
Foto: dpaJeder Student der Volkswirtschaft kommt an Robert Mundell nicht vorbei: Der 79-jährige gehört zu den bedeutendsten Makroökonomen des vergangenen Jahrhunderts. Der Kanadier entwickelte zahlreiche Standardmodelle – unter anderem die Theorie der optimalen Währungsräume -, entwarf für die USA das Wirtschaftsmodell der Reaganomics und gilt als Vordenker der europäischen Währungsunion. 1999 bekam für seine Grundlagenforschung zu Wechselkurssystemen den Nobelpreis. Der exzentrische Ökonom lebt heute in einem abgelegenen Schloss in Italien.
Foto: dpaDer Ökonom, Historiker und Soziologe Werner Sombart (1863-1941) stand in der Tradition der Historischen Schule (Gustav Schmoller, Karl Bücher) und stellte geschichtliche Erfahrungen, kollektive Bewusstheiten und institutionelle Konstellationen, die den Handlungsspielraum des Menschen bedingen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. In seinen Schriften versuchte er zu erklären, wie das kapitalistische System entstanden ist. Mit seinen Gedanken eckte er durchaus an: Seine Verehrung und gleichzeitige Verachtung für Marx, seine widersprüchliche Haltung zum Judentum. Eine seiner großen Stärken war seine erzählerische Kraft.
Foto: dpaAmartya Sen wurde 1933 in der Universitätsstadt Santiniketan, Indien, geboren. Er ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Harvard University in Cambridge (Massachusetts). Der Ökonom erhielt 1998 den Wirtschaftsnobelpreis für seine Arbeiten zur Wohlfahrtsökonomie und wirtschaftlichen Entwicklung. Er veröffentlichte im Laufe seiner Karriere mehr als Hundert Forschungsschriften und ist Inhaber rund 90 Ehrendoktortiteln, zum Beispiel von der Universität Toronto. Ein zentraler Gedanke in seinem Werk ist die Idee der Freiheit, er betrachtet diese als die Basis des menschlichen Daseins, die jedes seiner Themen, wie Entwicklung, Armut, Hunger, Markt und Moral, durchdringt. Seine Thesen als liberaler, linker Theoretiker sind nicht unumstritten, so wird beispielsweise sein Begriff von Freiheit und Markt weder von Marktdogmatikern noch von deren Gegnern geteilt.
Foto: dpaIn seiner Heimat ist die Arbeit von Friedrich List (1789 - 18 46) fast vergessen. Die letzte Neuauflage von Lists Hauptwerk liegt 80 Jahre zurück. Er ist der gedankliche Vater des Protektionismus. In Deutschland gilt sein Werk als überholt, doch es bietet theoretisches Rüstzeug, wie der Staat die Wirtschaftsentwicklung fördern kann - und wann er besser die Hände davon lassen sollte. In vielen Schwellenländern erfreut sich die Lehre von List daher großer Popularität.
Foto: dpaDer britische Ökonom David Ricardo (1772 – 1823) machte an der Londoner Börse gute Gewinne und konnte sich Dank seines eigenen Vermögens ganz den ökonomischen Studien widmen. Er machte sich mit dem „Kornmodell“ einen Namen, das auf dem Paper Essay on the Influence of a low Price of Corn on the Profits of Stock basiert, in dem er die freie Korneinfuhr empfiehlt. Nach ihm wurde auch die Ricardianische Äquivalenz benannt – ein Konzept, das sich mit der Wirkung von Steuersenkungen in der Gegenwart beschäftigt, die mit höheren Steuern in der Zukunft refinanziert werden sollen. Auf ihn geht auch die Theorie der komparativen Kostenvorteile zurück, ein Kernstück der Außenhandelstheorie und wesentliche Erkenntnis über die relativen Kostenvorteile internationaler Arbeitsteilung.
Foto: dpaIm Jahr 1987 erhielt der US-amerikanische Ökonom Robert Solow (*1924) den Wirtschafts-Nobelpreis für seine Forschungen zur neoklassischen Wachstumstheorie. Solow entwickelte das sogenannte Solow-Modell, das im Gegensatz zu Keynes Auffassung die Nachfrageentwicklung nicht als bestimmende Determinante des Wirtschaftswachstums ansieht. Sein Solow-Modell erklärt das langfristiges Wirtschaftswachstum in einer Volkswirtschaft nur durch technischen Fortschritt. Solow ist Emeritus-Professor am Massachusetts Institute of Technology.
Foto: Julia Zimmermann für WirtschaftswocheAls Prophet war Marx (1818 – 1883) ein Versager, als Soziologe ein Riese, als Ökonom vor allem ein gelehrter Mann: Karl Marx, der Theoretiker des Industriekapitalismus, wollte nicht nur zu revolutionären Ergebnissen kommen, sondern die Notwendigkeit der Revolution beweisen. Der Mauerfall hat ihn ideologisch entlastet und als originellen Denker rehabilitiert. Seine Lehren über Produktionsfaktoren und die Verteilung von Produktionsmitteln sowie der von ihm geprägte Begriff des Mehrwerts spielen noch heute eine große Rolle.
Foto: WirtschaftsWoche, APWalter Eucken zählt zu den wichtigsten Vordenkern der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. Der Mitbegründer des Ordoliberalismus hat analysiert, wie eine marktwirtschaftliche Ordnung konstruiert sein muss, die Wachstum schafft, Macht begrenzt und den Menschen dient. Der religiös geprägte Eucken glaubte an den Markt, aber nicht an dessen Unfehlbarkeit, er sah die Gefahr, dass wirtschaftliche Interessengruppen den Wettbewerb aushebeln können – und wollen. Noch während des zweiten Weltkrieges arbeitete er heimlich am theoretischen Grundgerüst der bis heute gültigen sozialen Marktwirtschaft in Deutschland.
Foto: PressebildFriedrich August von Hayek (1899-1992) war ein leidenschaftlicher Weltverbesserer. Sein ganzes Forscherleben hat er daran gearbeitet, Planwirtschaft und Kollektivismus wissenschaftlich zu widerlegen, er war leidenschaftlicher Gegner des Sozialismus und Modernisierer des klassischen Liberalismus. Führ ihn waren Freiheit, Eigentum, Gleichheit vor dem Gesetz, Wettbewerb und Marktwirtschaft Eckpfeiler der Zivilisation. Seine Tiraden gegen den Wohlfahrtsstaat haben jahrzehntelang die intellektuelle Brillanz seiner Theorie komplexer Ordnungen überschattet. Der gebürtige Wiener wurde als erster Ausländer an die renommierte London School of Economics berufen. Im März 1944 veröffentlicht er als seine leidenschaftliche Abrechnung mit Sozialismus und Nationalsozialismus, „Der Weg zur Knechtschaft“.
Foto: WirtschaftsWocheJohn Maynard Keynes (1883 – 1946) löste mit seiner Analyse der Unterbeschäftigung in der Weltwirtschaftskrise eine Revolution des ökonomischen Denkens aus. Er forderte, der Staat solle in Krisensituationen die Nachfrage ankurbeln, um Vollbeschäftigung zu gewährleisten. Seine Ideen bedeuteten eine radikale Abkehr von der bisherigen Wirtschaftlehre, die die Angebotsseite ins Zentrum allen wirtschaftlichen Handelns stellte, und beeinflussen bis auf den heutigen Tag Ökonomen, Zentralbanker und Finanzminister.
Foto: WirtschaftsWocheJoseph Schumpeter hat das Grundgesetz des Kapitalismus erforscht: ewiger Wandel durch „schöpferische Zerstörung“. Keiner sah so klar wie er, dass in seinen Krisen nicht nur der Kapitalismus selbst auf dem Spiel steht, sondern auch die Atmosphäre des Fortschritts. Schumpeter gilt als der größte Ökonom des 20. Jahrhunderts. Er hat in zahlreichen Wirtschaftsdisziplinen deutliche Spuren hinterlassen und Begriffe wie „Wagniskapital“, „Firmenstrategie“ und den vierten Produktionsfaktor „Unternehmertum“ sowie das Kreativitätsprinzip eingeführt. Schumpeters Erkenntnisse machen den modernen Kapitalismus bis heute aktuell.
Foto: WirtschaftsWocheDer amerikanische Ökonom Milton Friedman hat die Geldtheorie revolutioniert und sein Leben lang für freie Märkte und weniger Staat gekämpft. Als intellektueller Gegenspieler von John Maynard Keynes spaltete er Wissenschaft und Politik gleichermaßen. Zwischenzeitlich galt er als widerlegt. Jetzt zeigt sich: Friedmans Erkenntnis, dass die Geldmenge die Konjunktur und die Inflation bestimmt, ist aktueller denn je. Die Steuerung der Geldmenge durch Staaten und Notenbanken sah er als eine der wenigen Stellgrößen einer Wirtschaft, in der staatliches Eingreifen sinnvoll und gegebenenfalls nötig war. Er entwickelte die Idee der Bildungsgutscheine, das Konzept der negativen Einkommensteuer und lieferte den Regierungen die Blaupause für flexible Wechselkurse.
Foto: APReinhard Selten ist Deutschlands bislang einziger Wirtschafts-Nobelpreisträger und ein Vorreiter volkswirtschaftlicher Laborversuche. Als Pionier der experimentellen Wirtschaftsforschung hat er die Spieltheorie verfeinert und damit etwa die Analyse von Verhandlungssituationen – etwa bei Lohnverhandlungen – deutlich weiterentwickelt. Selten erhielt den Nobelpreis für Wirtschaft 1994. Er begründete ein Labor für experimentelle Wirtschaftsforschung in Bonn, dessen Koordinator er noch heute ist – im Alter von 81 Jahren..
Foto: dpaDer US-Ökonom Robert Shiller fordert eine neue Volkswirtschaftslehre, die sich der Psychologie von Menschen und Märkten öffnet. Lange war er ein Rufer in der Wüste – in der Finanzkrise ist er zum Massenprediger geworden. Bereits 2005 warnte er vor einer US-Immobilienkrise – die letztlich Auslöser der Finanz- und Schuldenkrise war. Seine Theorien zur Verhaltensökonomie (Behavioral Economics) gelten als Gegenentwurf zur lange propagierten Rationalität der Märkte. In seinen Hauptwerken geht es um Herdentrieb und irrationale Übertreibungen.
Foto: WirtschaftsWochePaul Anthony Samuelson (1915-2009) wurde 1970 mit dem Ökonomie-Nobelpreis ausgezeichnet. Er zählte zu den vielseitigsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, und prägte die Volkswirtschaftslehre wie kaum ein anderer. Samuelson modernisierte den Keynesianismus, indem er Keynes' sowie neoklassische Theorien zu einer Synthese verband, darüber hinaus forcierte er als erster Ökonom die systematische Mathematisierung seines Fachs. Sein in 19 Sprachen übersetztes Standartwerk "Economics" ist bis heute das meistverkaufte VWL-Lehrbuch aller Zeiten.
Foto: LaifDer schottische Ökonom Adam Smith (1723-1790) gilt als Urvater der Nationalökonomie. Er untersuchte als Erster systematisch die wohlstandsfördernde Wirkung von Arbeitsteilung und freien Märkten, und entwickelte die Ökonomie zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin, wo sie zuvor nur als wenig beachteter Teil anderer Fachrichtungen galt. Sein Hauptwerk "Der Wohlstand der Nationen" findet sich auch heute noch auf den Literaturlisten von Volkswirtschaftsstudenten wieder, er gilt als Begründer dessen, was heute als die klassische Nationalökonomie bezeichnet wird. Seine Ideen sind noch immer Basis jeder angebotsorientierten Wirtschaftspolitik.
Foto: Pressebild
Kenneth Arrow war der erste Ökonom, der gesellschaftliche Entscheidungen von einem ökonomisch-mathematischen Blickwinkel aus betrachtet hat. Bis dahin hatten Ökonomen stets den rational handelnden Einzelakteur zum Dreh- und Angelpunkt ihrer Analysen gemacht. Untersucht wurde, wie eine Summe von Individuen für sich genommen rational entscheidet. Arrow schränkte das ein: Um in der Gruppe ein effizientes Ergebnis zu erzielen, darf gerade nicht jeder für sich rational handeln. Stattdessen muss es darum gehen, ein für die Gruppe rationales Ergebnis zu erzielen.
Eine Art Baukasten
Arrow entwickelte in seiner bahnbrechenden Arbeit neben der grundlegenden Erkenntnis, dass soziale Entscheidungen für die Ökonomie relevant sind, eine Art Baukasten, um solche Entscheidungen zu analysieren. Seitdem haben immer mehr Ökonomen demokratische Entscheidungsprozesse als empirisches Forschungsfeld entdeckt, in offensichtlichem Bezug zu Arrow wird diese Denkschule als Social Choice bezeichnet.
In seinem Hauptwerk geht Arrow der Frage nach, wie die Präferenzen einer Gruppe von Menschen so zusammengeführt werden können, dass das Ergebnis der Summe ihrer Präferenzen entspricht. Auf den ersten Blick scheint diese Frage reichlich überflüssig, schließlich sollte eine einfache Abstimmung genügen: Das Ergebnis, das den meisten Gruppenteilnehmern am besten gefällt, wird ausgewählt. In den meisten Fällen stimmt das auch. Doch es gibt Ausnahmen, in denen diese Regel offensichtlich kein zufriedenstellendes Ergebnis bringt. Ausgangspunkt ist die Situation, in der drei Personen versuchen, aus drei Möglichkeiten eine Wahl zu treffen, zum Beispiel ein dreiköpfiger Unternehmensvorstand, der über Expansionsstrategien diskutiert. Die Gruppenmitglieder wählen aus den Aktivitäten A (den Konkurrenten kaufen), B (ein Joint Venture mit dem Konkurrenten eröffnen) und C (alleine weiter machen) folgende Präferenzreihenfolgen:
Vorstand 1: A, B, C
Vorstand 2: B, C, A
Vorstand 3: C, A, B
Keine virtuellen Teams
Eine Harvard-Studie hat herausgefunden, dass Teams, die physisch zusammenarbeiten, besser harmonieren und funktionieren, als virtuelle Gruppen. Nur per E-Mail und Telefon zu kommunizieren, verschlechtert das Arbeitsergebnis also. Wer virtuelle Teams trotzdem nicht umgehen kann, findet hier einige Tipps, wie sich deren Führung verbessern lässt.
Foto: Fotolia
Narzissten sind ideale Chefs
Narzissmus ja, aber bitte nicht zu viel. So lautet die Beschreibung für den idealen Chef. Wissenschaftler um Emily Grijalva von der Universität von Illinois fanden heraus, dass der Zusammenhang zwischen Narzissmus und dem Erfolg als Führungskraft die Form eines umgekehrten U annimmt. Soll heißen: Extremer Narzissmus hilft ebenso wenig weiter wie überhaupt kein Narzissmus. „Der ideale Chef ist in Maßen narzisstisch“, sagt Grijalva.
Foto: FotoliaMänner mögen keine Teamarbeit
Der Mann als einsamer Jäger - eine Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) zeigt, dass es sich dabei nicht nur um ein Klischee handelt. Männer arbeiten tatsächlich nicht gerne im Team. Es sei denn, sie können daraus einen konkreten Vorteil erzielen: Ein Mammut lässt sich schließlich auch nicht von einem allein erlegen.
Foto: FotoliaFrauen können besser mit Männern
Frauen arbeiten besser mit Männern als mit anderen Frauen zusammen. Das belegen mittlerweile sogar Studien. Wer also gut funktionierende Teams möchte, sollte keine reinen Frauengruppen zusammenstellen.
Foto: Fotolia10. In der Wir-Form denken
Ein guter Manager vergisst das „Ich“ und denkt in der „Wir“ Form. Er weiß zwar, dass er die Hauptverantwortung trägt, die sich weder teilen noch delegieren lässt. Seine Autorität entsteht aber erst dadurch, dass er Vertrauen durch die anderen Mitarbeiter bekommt.
Druckers Tipp: Kümmern Sie sich erst um die Bedürfnisse und Chancen der Organisation und Ihrer Mitarbeiter, bevor Sie sich um Ihre eigenen Bedürfnisse Gedanken machen. Dieser Grundsatz mag einfach klingen, wird aber von vielen Führungskräften missachtet.
Foto: FotoliaNarzissten sind risikobereiter
Wer sich selbst alles zutraut, ist automatisch risikobereiter. Für Unternehmen kann das zum Erfolgskonzept, denn Risiken bergen oft die Chance neuer Innovationen. Dennoch ist Vorsicht angebracht: Zu viel Risikobereitschaft kann dem Unternehmen auch schaden.
Foto: dpa/dpawebWer müde ist, ist teamfähiger
Eine Studie aus London zeigt, dass Mitarbeiter, die unausgeschlafen sind, besser zusammenarbeiten. Bei Aufgaben, die flexibles Denken, schnelle Anpassung und echte Teamarbeit verlangten, zeigten sich müden Kollegen den anderen überlegen.
Foto: FotoliaEin Querulant reicht, um alles zu ruinieren
Wenn in einem Team aber ein Kollege sitzt, der faulenzt, wird die Arbeit darunter leiden. Diverse Studien belegen, dass es auch nicht hilft, wenn alle anderen Vollgas geben, so lange einer bummelt. In diesem Zusammenhang spricht man vom Ringelmannn-Effekt.
Foto: FotoliaKarrierefaktor Empathie: Sich in andere Menschen hineinversetzen zu können wird auch für Manager immer wichtiger.
Foto: PresseWer am lautesten ist, hat Recht
Außerdem lassen sich Teams leicht durch Wiederholungen manipulieren. Eine Studie des Institute for Social Research an der Universität Michigan zeigt nämlich, dass derjenige, der am lautesten brüllt und oft genug dasselbe erzählt, am Ende Recht bekommt. Einen Kollegen, der zu so einem Verhalten neigt, sollte man also nicht unbedingt in ein Team stecken.
Foto: Fotolia
Hier hilft die Mehrheitsregel nicht weiter, denn jede Alternative wird von jeweils einer Person als erste Präferenz genannt. Auch wenn man die Positionen der einzelnen Alternativen miteinbezieht, kommt man zu keiner Lösung: Ordnet man diesen Werte zu (1, 2, 3) so erreichen alle Alternativen den Gesamtwert von 1+2+3 = 6.
Und das Gedankenspiel ist mehr als ein interessanter Spezialfall. Denn analog ist eine solche Situation mit jeder Anzahl von Alternativen und Gruppenmitgliedern denkbar, solange alle möglichen Präferenzordnungen in der Gruppe vorkommen. Damit wird aus der Knobelübung ein Paradoxon mit praktischer Relevanz: Wie soll eine Demokratie funktionieren, wenn sie regelmäßig Entscheidungen hervorbringt, die für viele Menschen unbefriedigend sind? Und wie soll die Ökonomie überhaupt funktionieren, wenn kooperatives Handeln ineffiziente Ergebnisse ergibt?
Materielle Sorgen
Dass Arrow überhaupt dazu kam, sich mit dieser wissenschaftlichen Frage auseinanderzusetzen, war durchaus überraschend. Denn nur fünf Jahre vor seiner bahnbrechenden Veröffentlichung hatte er der Wissenschaft den Rücken gekehrt. Arrow, 1921 in New York geboren, war das Kind rumänischer Auswanderer. Er studierte zunächst Mathematik. Mit 22 Jahren, als er während des Zweiten Weltkriegs bei der Luftwaffe arbeitet, veröffentlichte er seine erste wissenschaftliche Publikation. Es ging um die Auswertung von Wetterprognosen. Arrow fand durchaus Spaß daran, doch als der Krieg vorbei war, plagten ihn materielle Sorgen. So begab er sich auf die Suche nach einem sicheren Job und bewarb sich um eine Stelle als Mathematiklehrer. Doch er wurde abgelehnt, halb New York strebte zu dieser Zeit nach einer soliden Beamtenlaufbahn. Also nahm Arrow die Karriere an der ökonomischen Fakultät der Universität von Columbia wieder auf – und wurde innerhalb weniger Jahre zum Star der Zunft.
Spontan macht großzügig
Wer spontane Entscheidungen trifft, ist spendabel – wer dagegen lange zögert, neigt eher zur Knausrigkeit. Das fanden Forscher der Universität Harvard in einer Studie mit 2000 Teilnehmern heraus.
In einem Experiment wurden die Probanden in Vierergruppen eingeteilt und sollten jeweils Geld in einen Topf werfen. Das wurde später verdoppelt und auf alle Gruppenmitglieder aufgeteilt. Die Personen, die ihr Geld schneller in die Gemeinschaftskasse warfen, gaben in der Regel auch mehr Geld ab als diejenigen, die sich mit ihrer Entscheidung länger Zeit ließen.
Foto: FotoliaWeniger ist manchmal mehr
Wer bei seinen Kaufentscheidungen zwischen einer großen Auswahl an Produkten wählen kann, wird mit seiner Entscheidung am Ende nicht unbedingt glücklicher sein. Das Phänomen beschreibt Verhaltenspsychologe Barry Schwartz oft am Beispiel des Jeans-Kaufs.
Wer vor einer riesigen Auswahl an Jeans mit verschiedenen Farben und Schnitten steht, hat es schwer die richtige zu finden. Zum einen dauert die Entscheidung deutlich länger als bei einer kleinen Auswahl, zum anderen kommen zu Hause die Selbstzweifel: Habe ich das richtige Model gewählt, gibt es vielleicht bessere? Ähnliches passiert in Restaurants mit umfangreichen Speisekarten. Studien zeigen, dass Kunden im Supermarkt mehr kaufen, wenn die Auswahl kleiner ist.
Foto: REUTERS
Actionspiele beeinflussen Entscheidungen positiv
Verhaltensforscher der Universität Rochester haben herausgefunden, dass Actionspiele dabei helfen, Entscheidungen schnell und korrekt zu treffen. Die Spieler können der Studie zufolge besser einschätzen, was um sie herum vorgeht. Das hilft im Alltag beim Autofahren oder anderen Multitasking-Situationen. Probanden der Studie waren 18 bis 25-Jährige, die nicht regelmäßig spielten.
Foto: dpa
Sport macht effektiv
Ähnlich positiv wirkt sich Sport auf Entscheidungen aus. Wer sich im sportlichen Wettkampf gegen den Gegner durchsetzen will, muss schnelle Entscheidungen treffen. Eine Studie an 85 Handballern zeigte, dass deren Aktionen umso effektiver waren, je weniger Zeit sie vorher zum Nachdenken hatten.
Foto: dpa
Wahl nach Äußerlichkeiten
Versuchen zufolge hängen Wahlentscheidungen stark von der äußeren Erscheinung des jeweiligen Politikers ab. In einer Studie beurteilten die Testpersonen Wahlplakate aus der Schweiz. Obwohl sie nichts über die Politiker wussten, sondern nur ihr Aussehen kannten, trafen sie insgesamt fast die gleiche Wahlentscheidung wie die echten Wähler.
Foto: dpaBequemlichkeit für mehr Gesundheit
Wer sich vornimmt, im neuen Jahr, ab morgen oder nächster Woche endlich gesünder zu essen, wird voraussichtlich scheitern: Denn nur wenn gesünder auch gleichzeitig bequemer heißt, ist das Vorhaben erfolgversprechend. Ist die Salatbar näher als das Nachspeisenbuffet, greifen mehr Menschen zur Tomate. Schließt die Tür des Aufzugs sehr langsam, benutzen mehr Leute die Treppe. Dies zeigten Versuche an der Universität Cambridge.
Foto: Creative Commons-LizenzSohn zur Mutter, Tochter zum Vater
Bei der Partnerwahl lassen sich Menschen offenbar stark von ihrer Familie beeinflussen. Einer Studie der ungarischen Universität Pécs zeigt, dass Männer sich gerne für Lebenspartnerinnen entscheiden, deren Gesichtszüge denen der Mutter ähneln. Andersherum wählen Frauen gerne Männer, in denen sich der Vater wiedererkennen lässt.
Foto: dpaJe schneller desto besser
Testpersonen wurden befragt, ob sie lieber sofort 15 bis 35 Dollar in bar bekommen wollten, oder später 50 bis 75 Dollar. Männer, die kurz vorher eine attraktive Frau zu Gesicht bekamen, entschieden sich in der Regel fürs schnelle Geld.
Foto: dpaHohe Preise dank Anker
Beim Einkaufen lassen sich Menschen leicht beeinflussen. Kommt der Kunde in ein Möbelgeschäft und sucht ein Sofa, nimmt er den Preis der ersten Couch als Referenzpreis. Wirtschaftspsychologen sprechen vom sogenannten Verankerungs-Effekt. Deshalb werden in den Geschäften die teuren Produkte normalerweise zuerst präsentiert, schließlich kommen uns die anderen dann entsprechend günstig vor.
In einem Experiment forderte ein amerikanischer Forscher seine Studenten auf, sich zuerst die Endziffern ihrer Sozialversicherungsnummer zu merken und im Anschluss die Zahl der Ärzte in New York zu schätzen. Das Ergebnis: Je höher das Ende der Sozialversicherungsnummer, desto höher die Schätzungen.
Foto: FotoliaAnders als gedacht
Forscher der Northwestern University aus den USA haben herausgefunden, dass sich Teilnehmer einer Partnersuche via Speeddating häufig für Personen entscheiden, deren Profil gar nicht ihren ursprünglichen Vorstellungen entspricht.
Foto: Fotolia
Denn nachdem er das Paradoxon entdeckt hatte, suchte er nach demokratischen Auswegen, also nach Entscheidungsregeln, die keine einzelne Meinung diskriminieren und zu eindeutigen Ergebnissen führen. Dafür entwarf er Mindeststandards in Form von vier Regeln.
Unmittelbar einleuchtend ist dabei das Prinzip der Nichtdiktatur: Die Wahl darf nicht durch ein einzelnes Individuum bestimmt werden, sonst erübrigt sich der Begriff Wahl. In eine ähnliche Stoßrichtung geht das Prinzip der individuellen Souveränität, wonach es keinem Abstimmungsteilnehmer untersagt sein darf, eine bestimmte Alternative auszuwählen.
Daneben stellt Arrow drei logische Anforderungen an die Entscheidung: Wenn alle Individuen eine Alternative einer anderen vorziehen, muss diese auch in der kollektiven Entscheidung bevorzugt werden; die Präferenzen in Bezug auf zwei Variablen dürfen nicht von der Ausprägung einer dritten, irrelevanten, Alternative beeinflusst sein; in den Präferenzordnungen dürfen keine Zirkelschlüsse auftreten, wenn also eine Person A besser findet als B und B besser als C, kann sie nicht C gegenüber A vorziehen.
In der Folge aber stellt Arrow fest: Wenn man diesen Bedingungen folgt, gibt es keine Entscheidungsregel, die in der Lage ist, aus paradoxen Individualpräferenzen eine rationale Gruppenentscheidung abzuleiten. Als „Unmöglichkeitstheorem“ hat diese Feststellung die Wissenschaft revolutioniert. Zwar ist es nicht so, dass entsprechende Situationen in der Realität haufenweise zu beobachten wären. Doch allein die Erkenntnis, dass sie entstehen können, zeigt die Grenzen jedes vermeintlich fairen Verfahrens der gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung auf. Wer Arrows Werk kennt, vermeidet den Trugschluss, die Mehrheitsregel zum gesellschaftlichen Dogma zu verklären.
Dass Arrow in den folgenden Jahrzehnten zum Bezugspunkt einer ganzen Wissenschaftlergeneration wurde, lag jedoch nicht allein an der Bedeutung seiner Arbeit. Arrow erwies sich zudem als großer akademischer Lehrer. Rund um seinen Lehrstuhl an der Universität von Stanford entstand ein akademischer Zirkel, der zu den produktivsten der gesamten USA gehörte. Bis heute haben fünf von Arrows Schülern selbst den Nobelpreis erhalten. Sie loben vor allem Arrows breites akademisches Wissen, das ihn bei fast jeder Fragestellung zum kompetenten Kritiker macht.
Einer seiner Schüler, Eric Maskin, berichtete, wie er sich als Doktorand einmal gemeinsam mit ein paar Lehrstuhlkollegen über Wochen in ein völlig fremdes biologisches Fachthema einarbeitete, um Arrow durch ein wie zufällig inszeniertes Gespräch beim Mittagessen zu testen. Der Großmeister parierte locker: Das sei ja alles recht interessant, aber gebe es da nicht noch eine andere wissenschaftliche Strömung, die hier völlig außer Acht gelassen werde? Die Teilzeitbiologen mussten passen, so weit waren sie mit der Recherche nicht gekommen.
Wissenschaftlich wurde versucht, Arrows Grundprinzipien in Zweifel zu ziehen oder doch noch einen Entscheidungsmechanismus zu finden, der auf Basis der Regeln einwandfreie Entscheidungen erbringt. Beides ist gescheitert. Stattdessen haben viele Wissenschaftler Arrows Grundprinzipien als Ausgangspunkt genutzt, um existierende Entscheidungsmuster empirisch zu überprüfen.
Welche Prinzipien werden dabei häufig verletzt, und wie verändert das den Charakter von Entscheidungen? Nimmt man das Beispiel des Unternehmensvorstands, wird deutlich, dass in der Realität oft eine Art „beschränkter Diktator“ vorzufinden ist. Dabei wird zwar keinem einzelnen Gruppenmitglied die alleinige Entscheidungsgewalt zuerkannt, im Zweifelsfalle aber hat seine Stimme mehr Gewicht.