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Ifo-Index „Die Details lehren einem nach wie vor das Fürchten“

Die deutsche Wirtschaft steht derzeit an der Schwelle zur Rezession. Quelle: dpa

Nach einem Rekordtief im August, beurteilten deutsche Führungskräfte ihre Geschäftslage im September günstiger, zeigt der Ifo-Index. Ihre Aussichten für die kommenden sechs Monate sind allerdings etwas skeptischer.

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Die bessere Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat die Anleger in Europa weitgehend kalt gelassen. Der Dax trat am Dienstag bei 12.341 Zählern auf der Stelle, der EuroStoxx50 schaffte ein Plus von 0,2 Prozent auf 3543 Zähler. Der Ifo-Geschäftsklimaindex legte im September zu. „Der aktuelle Wert des Geschäftsklimaindex ist kein Grund zur Freude“, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager bei der Vermögensverwaltung QC Partners. „Die Talfahrt ist zwar für's Erste gestoppt, ein Stimmungsumschwung ist das aber noch lange nicht.“

Der Euro notierte unverändert bei 1,0992 Dollar. Der gestiegene Ifo-Index sei nur auf den ersten Blick eine positive Nachricht, sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. „Die Details lehren einem nach wie vor das Fürchten.“ Die Handelskonflikte, der ungelöste Brexit-Prozess und die Umstellung von den Verbrennungs- auf den Elektromotor setzten der deutschen Wirtschaft massiv zu, dazu komme die politisch heikle Situation im Nahen Osten.

Am Rohstoffmarkt rückten jedoch Spekulationen auf eine geringere Nachfrage angesichts der Konjunkturabkühlung wieder in den Mittelpunkt, die Sorgen über die saudischen Öllieferungen nach den Drohnenangriffen auf wichtige Anlagen gerieten in den Hintergrund. Der Ölpreis gab nach. Ein Barrel Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich um 58 Cent oder 0,9 Prozent auf 64,19 Dollar, leichtes US-Öl kostete mit 58,15 Dollar 49 Cent oder 0,9 Prozent weniger als am Montag.

Zu den Gewinnern gehörten defensive Werte etwa aus der Gesundheitssparte oder dem Nahrungsmittelbereich mit einem Plus von 0,7 beziehungsweise 0,6 Prozent. Diese Sparten gelten als stabil, auch wenn sich die Konjunktur abkühlt. „Anleger müssen angesichts des Niedrigzinsumfelds investieren, aber die besten Sektoren sind derzeit die defensiven Werte“, sagte Christian Stocker, Stratege bei UniCredit.

Einen Tag nach dem Zusammenbruch des britischen Reisekonzerns Thomas Cook gehörten Reise- und Luftfahrtunternehmen zu den Gewinnern. Die Rivalen hoffen, sich einen Anteil des Thomas-Cook-Geschäfts sichern zu können; zudem setzen Börsianer auf einen nachlassenden Preisdruck bei Pauschalreisen und Flügen. Die Papiere der Lufthansa gewannen zeitweise 2,4 Prozent, die Aktien von Ryanair legten 2,1 Prozent zu, die Tui-Titel notierten 2,6 Prozent höher.

Eine Forschungskooperation zwischen dem Biotechunternehmen Evotec mit dem japanischen Pharmakonzern Takeda kam bei den Anlegern gut an. Mit einem Plus von bis zu 6,9 Prozent standen sie an der Spitze des Mittelwerteindex MDax. Zusammen wollen die beiden Firmen mindestens fünf Wirkstoffforschungsprogramme aufsetzen.

Die Aktien des Lkw-Zulieferers SAF Holland brachen dagegen um mehr als 23 Prozent ein und fielen auf den tiefsten Stand seit mehr als sechs Jahren. Das fränkische Unternehmen rechnet für das laufende Jahr nun mit einem Umsatz- und Gewinnrückgang. Es war bereits die zweite Prognosesenkung in diesem Jahr.

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