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Inflation und Negativzins Das neue Zinsexperiment der Notenbanken

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Vom Regen in die Traufe

Treibt die Zentralbank die Inflation auf vier Prozent, und ist die Rendite für langlaufende Staatsanleihen bei zwei Prozent fixiert, fällt der Realzins auf minus zwei Prozent. Die Inflation besorgt die Schuldenentwertung. Gleichzeitig können Schuldner neue Kredite zu Konditionen aufnehmen, die ihren Schuldendienst verringern.

Sorgt die Zentralbank auch dafür, dass der Langfristzins über dem Kurzfristzins liegt, können sich die Banken im Zuge der „Fristentransformation“ „gesunden“: Sie refinanzieren langfristige Kredite mit kürzerlaufenden Mitteln und machen dadurch Gewinn. Auch dürfte die Marge im Kreditgeschäft ansteigen, und auch das ist vorteilhaft für die Banken.

Sparer hingegen geraten vom Regen in die Traufe. Der Realzins bleibt schließlich negativ. Die, die sich auf das Versprechen verlassen, dass Geld bleibe wertbeständig, werden ärmer. Doch lässt sich diese Politik dauerhaft durchführen? Sie setzt darauf, dass sich die Menschen täuschen lassen – dass sie eine „Geldillusion“ haben – und stillhalten.

Durchschauen sie jedoch den Plan, das Geld nach und nach, zeitlich gestreckt zu entwerten, setzt eine Flucht aus dem Geld und den Schuldpapieren ein. Will die Zentralbank dann verhindern, dass der Verkaufsdruck die Zinsen steigen lässt, muss sie die auf den Markt geworfenen Schuldpapiere in kurzer Zeit und in großem Stil aufkaufen.

Der Instrumentenkasten der EZB

In der Folge steigt die Geldmenge kräftig, was die Ausverkaufsstimmung auf den Rentenmärkten weiter anheizt. Das Spiel mit der höheren Inflation, verbunden mit einer Zinskontrollpolitik, kann sich als ein geradezu explosives Gemisch erweisen – kann sogar, im Extremfall, zur Hoch- oder gar Hyperinflation führen.  

Was Anleger tun können

Trotz dieser Gefahr werden die Zentralbanken die Marktzinsen wohl leicht oberhalb der Nulllinie fixieren und die Inflation so weit erhöhen, dass der Realzins negativ wird. Zumindest für eine gewisse Zeit. Es ist im Grunde die einzige Option, die im ungedeckten Papiergeldsystem wurzelnden Schulden zu entwerten und das System in Gang zu halten.

Mit festverzinslichen Papieren lassen sich also weiterhin keine Renditen mehr erzielen, die nach Abzug der Inflation positiv sind. Viele Investmentberater empfehlen ihren Kunden daher, auf Aktien auszuweichen. Aktien versprechen Kursgewinne und Dividendenzahlungen. Die wichtige Frage lautet dann aber: Wie soll man in Aktien investieren?
Das Investieren in einen breiten Aktienmarktindex schützt nicht notwendigerweise vor Inflation. Beispielsweise fiel in den USA in der Zeit 1973 bis 1982 – einer wirtschaftlich turbulenten Phase – die Inflation im Durchschnitt höher aus als die Kurszuwächse der Aktien. Der Grund: Die Inflation beeinträchtigte die Rentabilität vieler Unternehmen.


Die Alternative ist, sehr wählerisch zu sein und nur in Aktien von Unternehmen zu investieren, die langfristig hohe Renditen auf das eingesetzte Kapital erzielen können, und die langfristig ihre Gewinne pro Aktie steigern können – und das auch in wirtschaftlich schwierigen Phasen.

Damit haben gute "Value Investoren", die sich ausgiebig mit der Bewertung einzelner Unternehmen beschäftigen, die besten Voraussetzungen, langfristig positive reale Renditen für Anleger erzielen zu können – und das auch in einem Umfeld, in dem die abenteuerlichen Zinsexperimente der Zentralbanken weitergehen.

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