Kapitalmarkt: Russland begibt wieder lokale Anleihen nach sechsmonatiger Pause
Infolge westlicher Sanktionen geriet Russlands Geldpolitik stark unter Druck.
Foto: imago images/ITAR-TASSRussland wird die Emission lokaler Anleihen bereits im nächsten Monat wieder aufnehmen. Zudem möchte die Regierung des sanktionierten Landes eine stärkere Ausrichtung auf Schuldtitel, die in der chinesischen Währung Yuan denominiert sind.
Die Ausgabe von Rubelanleihen, den so genannten OFZ, könnte nach einer sechsmonatigen Unterbrechung in der zweiten Septemberhälfte mit kleineren Angeboten wieder aufgenommen werden. Das sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person.
Die Regierung hat die wöchentlichen Auktionen Anfang Februar eingefroren – nur zwei Wochen vor dem Einmarsch Russlands in der Ukraine. Daher hat das Land weniger als ein Fünftel seines Plans für die Kreditaufnahme im ersten Quartal umgesetzt.
Gleichzeitig werde ein seit langem gehegter Plan, in chinesischer Währung denominierte Schuldtitel lokal anzubieten, mit neuem Elan vorangetrieben, sagte die Person. Der Prozess werde allerdings Zeit brauchen und nicht mehr in diesem Jahr beginnen, sagte die Person, die nicht namentlich genannt werden wollte.
Während Russlands Krieg weitergeht, nehmen die Importe aus China zu, und der Yuan-Handel ist an der Moskauer Börse seit Jahresbeginn um mehr als das 40-Fache gestiegen, so die Citigroup. Russlands größter Goldförderer Polyus PJSC und der Aluminiumriese United Co. Rusal International PJSC haben bereits lokale Yuan-Anleihen aufgelegt.
Gespräche mit China in Aussicht
Eine formelle Unterstützung der chinesischen Regierung für eine russische Yuan-Emission wäre die bevorzugte Option Moskaus. In den nächsten Monaten könnte es Möglichkeiten für Gespräche dazu geben, sagte die Person.
Wahrscheinlicher sei jedoch, dass das Finanzministerium kleinere Emissionen anstrebe. Sie würden sich ausschließlich an lokale Akteure richteten, die einen Platz zum Parken ihrer wachsenden Yuan-Bestände suchten, so die Person.
Da täglich Hunderte von Millionen Dollar aus den Energieeinnahmen in die Staatskasse fließen, muss die Regierung jetzt keine Schulden machen. Die Begebung von Yuan-Schuldtiteln würde lediglich als Benchmark für Unternehmen dienen, die an den Markt gehen wollen, sagte die Person.
Nach einem ersten Verkauf von Rubel-Anleihen im September werde die Regierung ihren Plan für die kommenden Auktionen bekannt geben, so die Person. Zuvor hatte das Ministerium gesagt, dass es mit einem ersten Verkauf von 10 bis 30 Milliarden Rubel beginnen könnte.
„Die Ausgabe von Yuan-Schuldtiteln würde für das Finanzministerium gleich zwei Probleme lösen“, sagt Russland-Ökonom Alexander Isakov. „Sie würde die Inanspruchnahme des Staatsfonds verlangsamen, und wenn die Yuan auf dem Inlandsmarkt aufgenommen werden, würde dies einen Teil des überschüssigen Devisenangebots absorbieren und den Rubel schwächen.“ Die jüngste Rusal-Emission zeige, dass die Nachfrage nach Yuan-Instrumenten in Russland groß sei.
Der Anteil des OFZ-Marktes, der von Ausländern gehalten wird, ist stabil geblieben, nachdem er nach der Invasion gesunken war. Nach Angaben der russischen Zentralbank betrug er am 1. Juli 17,6 Prozent oder 2,8 Billionen Rubel (umgerechnet 47 Milliarden Euro).
Ausländer schreiben ihre Schuldtitel ab
Gleichzeitig wechseln die Schuldtitel im Ausland zu massiven Abschlägen den Besitzer. Einige ausländische Investoren, die aufgrund lokaler Verkaufsbeschränkungen nicht in der Lage waren, ihre Positionen abzustoßen, haben sie auf Null abgeschrieben. Die Abkehr vom Dollar und Euro – Währungen, die von den russischen Behörden als „toxisch“ bezeichnet werden – und die Hinwendung zum Yuan sind ein weiteres Zeichen dafür, wie sich der größte Energieexporteur der Welt mit den Sanktionen arrangiert.
Die Idee, Staatsanleihen in Yuan zu begeben, stammt aus dem Jahr 2015. In dem Jahr nach der Annexion der Krim wurden einige der größten Unternehmen des Landes mit Sanktionen belegt, die sie von den internationalen Anleihemärkten ausschlossen.
Die russische Zeitung „Wedomosti“ hatte am Dienstag unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Personen zuerst berichtet, dass Russland die Idee der Emission von Staatsanleihen wieder aufgegriffen habe. Das Finanzministerium reagierte nicht auf eine Anfrage von Bloomberg.