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Digitale Revolution Das zweite Maschinenzeitalter bricht an

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Erstaunlicher Fortschritt

Jahrelang haben wir uns mit den Auswirkungen digitaler Technik wie Rechnern, Software und Kommunikationsnetzen in der Überzeugung beschäftigt, ihre Möglichkeiten und Grenzen einigermaßen zu durchblicken. Doch in den letzten Jahren sind wir immer wieder überrascht worden.

Die ersten Computer stellten Diagnosen für Krankheiten, hörten und sprachen und verfassten lesbare Prosa, während Roboter durch Lagerhäuser schwirrten und Autos mit minimaler oder ganz ohne Einmischung des Fahrers unterwegs waren.

Die digitale Technik war in vielen dieser Disziplinen lange Zeit geradezu lachhaft unzulänglich gewesen – und plötzlich war sie richtig gut. Wie kam das? Und was bedeutete dieser so erstaunliche Fortschritt, der gleichzeitig als so selbstverständlich aufgefasst wurde?

Wir beschlossen, gemeinsam zu versuchen, diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Wir fingen so an, wie es die meisten Wirtschaftswissenschaftler tun: Wir lasen jede Menge Abhandlungen und Bücher, analysierten Daten und diskutierten Ideen und Hypothesen.

Das war notwendig und sinnvoll, doch dazugelernt haben wir erst, als wir unseren Elfenbeinturm verließen – und da wurde es richtig spannend. Wir sprachen mit Erfindern, Investoren, Unternehmern, Ingenieuren, Wissenschaftlern und vielen anderen, die Technologien entwickeln und einsetzen.

PC war 1982 "Maschine des Jahres"

Ihrer Offenheit und Großzügigkeit verdanken wir diverse futuristische Erfahrungen im unglaublichen Umfeld der digitalen Innovation von heute. Wir sind in einem fahrerlosen Auto gefahren, haben zugeschaut, wie ein Computer Mannschaften aus Harvard- und MIT-Studenten bei "Jeopardy!" schlug, haben einen Industrieroboter trainiert, indem wir ihn buchstäblich bei der Hand nahmen und durch eine Reihe von Schritten führten, hatten eine wunderschöne Metallschale in der Hand, die von einem 3D-Drucker hergestellt worden war, und erlebten zahllose weitere atemberaubende Begegnungen mit Technologie.

3D-Drucker für den Hausgebrauch
Ein 3D-Drucker für 220 Euro: Der Micro 3D Printer wurde bereits im Februar 2014 vorgestellt, nun bietet das US-Unternehmen den M3D auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter an. Das Finanzierungsziel des kleinen, würfelförmigen 3D-Druckers lag bei 50.000 US-Dollar - es wurde innerhalb von elf Minuten erreicht. Mittlerweile wurden über 840.000 US-Dollar zugesagt. Die Finanzierungskampagne läuft noch bis zum 7. Mai 2014. Der 3D-Drucker wiegt rund 1 Kilogramm und kann per USB mit dem Computer verbunden werden. Er verarbeitet ABS, Nylon und PLA. Im Schmelzschichtungsverfahren und bei einem Bauraum von 11 x 11 x 12 cm wird nur der Druck von sehr kleinen Gegenständen ermöglicht. M3D will dabei unterschiedliche Kunststofffarben anbieten. Der Kunststoffdraht hat einen Durchmesser von 1,75 mm und wird von einer kleinen Spindel abgerollt, die sich im Gerät befindet. Eine Rolle mit 225 Gramm Druckmaterial soll etwa 12 US-Dollar kosten. Voraussichtlich wird der erste Druckerwürfel im November 2014 ausgeliefert. Quelle: Golem Quelle: Screenshot
140 Euro soll dieser winzige Freihand-3-D-Drucker in der Form eines Stiftes kosten. Damit können besonders feine Strukturen aus erhitztem Kunststoffdraht gemalt werden, dessen Ausgabe-Geschwindigkeit über zwei Tasten gesteuert werden kann. Die Herausforderung für die Entwicklung: Der Lix Pen soll über Kickstarter finanziert werden. Der Stift ist 16,4 Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von 1,4 Zentimeter - er wiegt 35 Gramm. Gefüllt wird der Stift mit einem Filament, also Fasern, die rund zehn Zentimeter lang ist und für zwei Minuten zeichnen ausreichen. Die Stromversorgung läuft über USB. Quelle: Golem.de Quelle: PR
Fertig montiert und flott einsatzbereit ist das Modell FreeSculpt von Pearl. Der Drucker kostet 800 Euro. Kompakte Formen lassen sich mit dem Gerät gut erstellen, bei feineren Gegenständen franst das Ergebnis häufig aus. Außerdem sind die einzelnen Schichten deutlich zu erkennen. Für den Preis verdient der Drucker trotzdem das Prädikat CHIP-Preistipp. Quelle: Presse
Ab 1000 Euro ist der iRapid zu haben. Das Modell produziert sämtliche Druckaufträge bis zu einem Volumen von 25 Zentimeter Breite, 15 Zentimeter Tiefe und 12 Zentimeter Höhe. Laut Hersteller ist das Gerät nahezu pannen- und wartungsfrei und hat ein nettes Extra eingebaut: Beim Drucken ist das Innenleben des Geräts beleuchtet, so dass man den Vorgang gut beobachten kann. Quelle: Presse
Für den Fabbster der Firma Sintermask blättern Käufer rund 1500 Euro hin. Dafür können Kunden das Gerät leicht in Betrieb nehmen. Die Grundfläche, auf der das Objekt entsteht, lässt sich leicht justieren. Allerdings ist das Druckmaterial komplizierter einzulegen als bei den Konkurrenzmodellen. Quelle: Presse
Der Ultimaker kostet etwas mehr als 2000 Euro und wirkt mit seiner Holzoptik rustikal. Wer Spaß daran hat, kann sich seinen Drucker selbst zusammenbauen. Ein CHIP-Redakteur braucht dafür etwa 16 Stunden. Für andere Bausätze braucht man schon mal 24 Stunden. Wer darauf keine Lust hat, kann sich seinen Drucker auch vormontiert bestellen. Im Test zeigten sich zwei Nachteile des Ultimaker: Zum Einen muss die Grundfläche häufig justiert werden. Zum anderen sind die Führungsstangen ein wenig zu lang. Foto: Mirko Tobias Schaefer/ Flickr Quelle: Presse
Testsieger ist der Replicator 2 der Firma Makerbot. Er kostet zwar 2350 Euro. Laut CHIP lohnt sich das Geld allerdings. Zwar wackelt die Kontrolleinheit, das Druckergebnis leidet aber nicht darunter. Besonders praktisch: Die Kalibrierung fällt leicht, weil das Gerät nicht mehr als die drei nötigen Einstellschrauben hat. Außerdem fährt der Druckkopf automatisch in die richtige Position. Ein Display zeigt an, welcher Schritt als nächstes folgt. Quelle: Presse

Durch diese Aktivitäten gelangten wir zu drei übergreifenden Schlussfolgerungen.

Erstens leben wir in einer Zeit des verblüffenden Fortschritts digitaler Technologien – also solcher, die im Kern auf Hardware, Software und Netzwerken beruhen. Diese Technologien sind keinesfalls neu. Unternehmen kaufen bereits seit über 50 Jahren Computer, und die Zeitschrift Time erklärte den PC schon 1982 zur „Maschine des Jahres“.

Doch ebenso wie die Dampfmaschine erst nach Generationen so weit war, dass sie die industrielle Revolution auslösen konnte, brauchten auch unsere digitalen Maschinen Zeit, um sich weiterzuentwickeln.

Die Geschichte von Apple
24.02.1955Steve Jobs wird in San Francisco geboren und von seiner Mutter Joanne Simpson zur Adoption freigegeben. Paul und Clara Jobs adoptieren das Baby. Quelle: dpa
1972Steve Jobs entdeckt am liberalen Reed College in Portland seine Liebe zu Design. Quelle: reuters
1974Der 19jährige Jobs heuert bei der Computerfirma Atari an, um Geld für eine Reise nach Indien zu verdienen. Auf seiner späteren Reise wird er zum Buddhisten und Veganer. Quelle: dpa
Steve Jobs (rechts) und Steve Wozniak Quelle: dpa
Apple II Quelle: AP
Jobs Quelle: AP
1982 - 19841982 holt Jobs den deutschen Designer Hartmut Esslinger und sein Team nach Kalifornien, um das Aussehen der Apple Computer neu zu definieren. Der Apple Macintosh von 1984 ist seitdem ein Stück Designgeschichte. Quelle: dpa

Eine neue Ära bricht an

Zweitens sind wir überzeugt, dass der von der Digitaltechnik herbeigeführte Wandel durch und durch positiv ist. Für uns bricht eine Ära an, die nicht nur anders wird: Sie wird besser, weil wir neben der Vielfalt auch das Volumen unseres Konsums steigern können.

So formuliert – im spröden Jargon der Wirtschaftswissenschaftler – klingt das wenig einladend. Wer will denn schon immer mehr konsumieren? Dabei „konsumieren“ wir ja auch Informationen aus Büchern und von Freunden, Unterhaltung durch Superstars und Amateure, Erkenntnisse von Lehrern und Akademikern und zahllose andere immaterielle Dinge. Technik kann uns diesbezüglich größere Auswahl und mehr Freiheit bringen.

Werden diese Dinge digitalisiert – in Bits verwandelt, die auf einem Rechner gespeichert und über ein Netz versendet werden können –, erhalten sie diverse eigenartige und wundersame Eigenschaften. Sie unterliegen anderen wirtschaftlichen Grundsätzen, unter denen der Überfluss die Norm ist, nicht der Mangel.

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