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118000-Vorstand prüft Insolvenz Deutsche Telefon-Auskünfte kämpfen um Anrufer

Schlechte Nachrichten aus dem Hause der Telefon-Auskunft 118000. Der Vorstand des Unternehmens unterstützt derzeit die „positive Fortbestandsprognose“ nicht mehr. Das Unternehmen ist nicht allein, die Branche schrumpft immer mehr. Nur die Marktführer behaupten sich.

Eine Mitarbeiterin in einem Call Center spricht mit einem Anrufer. Die Telefon-Auskünfte in Deutschland kämpfen mit einem starken Rückgang der Anfragen. Quelle: dpa

Einst bot die Deutsche Bundespost genau zwei Auskünfte an: Die Inlands- und die Auslandsauskunft mit den Nummern 118 und 01188. Mit der Privatisierung ließ die Bundesnetzagentur auch Konkurrenten zu, denen die Nummern 118XX reserviert wurden. Ende 2003 zählte die Regulierungsbehörde 38 Anbieter für innerdeutsche Anfragen und sechs für Auslandsanfragen. Die bekannteste Nummer ist die 11833 der Deutschen Telekom, die auch heute noch über Rufnummern und Adressen Auskunft gibt.

Andere sind im hart umkämpften Markt längst auf der Strecke geblieben. Auf der 11818, 11828 oder der 11867 ist keine freundliche Servicemitarbeiterin mehr zu erreichen. Laut Medienberichten steht auch die Auskunft 118000 vor der Pleite. Der derzeitige für die Finanzen zuständige Vorstand Alexander Löschhorn äußerte sich im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online dahingehend, "dass die Adhoc-Meldung aus rechtlichen Gründen herausgegeben werden musste. Jetzt wird geprüft. Wie die Überschuldungsbilanz aussieht, wird sich zeigen. Zahlungsunfähig ist die 118000 AG aktuell nicht.“ Mit einem Ergebnis, ob das Unternehmen in die Insolvenz muss, wird bis Mitte nächster Woche gerechnet.

Stärken und Schwächen der Telekom
Schwäche1: Bereinigte Kennzahlen verzerren das BildWie fast kein anderes Unternehmen ist die Deutsche Telekom dafür bekannt, in ihren Zahlen ständig irgendwelche Sondereinflüsse auszuweisen. Berichtete und bereinigte Kennzahlen weichen regelmäßig meilenweit voneinander ab. Der Konzern hat zwar immer zahlreiche Begründungen für die Bereinigungen parat. Gleichwohl ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese die Berichterstattung komplexer und schwerer verständlich machen. Allein im Geschäftsjahr 2011 liegen berichtetes und bereinigtes Konzernergebnis 2,3 Milliarden Euro auseinander. Aufwendungen, die der Konzern als Sondereffekte deklarierte und somit auch bereinigte, waren unter anderem Ausgaben für den Konzernumbau wie etwa Personalmaßnahmen sowie Firmenwertabschreibungen auf die Tochtergesellschaften T-Mobile in den USA und OTE in Griechenland. Quelle: AP
Als positiven Sondereffekt bereinigte die Telekom die Ausgleichszahlung, die der Konzern vom US-Konkurrenten AT&T für das Platzen des T-Mobile USA-Deals erhielt. Zunächst sind alle diese Bereinigungen verständlich. Experten kritisieren aber, dass manche Sondereffekte seit Jahren auftreten - wie etwa die Aufwendungen für den Stellenabbau. Aus Konzernkreisen heißt es dazu, dass die Sondereffekte, die den Konzernumbau betreffen, in der Zukunft abnehmen werden. Einmaleffekte aus Unternehmenstransaktionen (M&A) will die Telekom aber weiterhin bereinigen, um sich innerhalb der Branche vergleichbar zu machen. Quelle: dapd
Schwäche 2: Schuldenberg drückt auf die BilanzEin Trostpflaster gibt es für die Telekom-Aktionäre. Die US-Tochter T-Mobile ist der Bonner Konzern im vergangenen Jahr zwar nicht losgeworden. Die Ausgleichszahlung für das Platzen des Deals von AT&T in Höhe von umgerechnet 2,3 Milliarden Euro half dem Konzern aber an anderer Stelle: Die Telekom konnte ihre Nettofinanzschulden - also die Differenz aus Bruttofinanzschulden und Zahlungsmitteln - um 2,2 Milliarden Euro oder 5,1 Prozent senken. Gleichwohl bleiben die Nettofinanzschulden mit 40,1 Milliarden Euro weiterhin hoch. Im Verhältnis zum Eigenkapital machen die Nettofinanzschulden 100 Prozent aus. Zudem betragen sie das 2,1-Fache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Quelle: dapd
Damit bleibt die Telekom zwar innerhalb ihres eigenen Zielkorridors. Von den Ratingagenturen wird der Konzern aber - unter anderem wegen der hohen Verschuldung - nur mit BBB+ (S&P, Fitch) beziehungsweise Baa1 (Moody's) bewertet. Damit liegt die Telekom nur drei Stufen über Ramschniveau. Ratingagenturen ziehen bei ihrer Bonitätsbeurteilung auch die Pensionsverpflichtungen hinzu. In ihrer Bilanz weist die Telekom 6,1 Milliarden Euro an Rückstellungen für die Altersversorgung ihrer Mitarbeiter aus. Ihre Nettoschulden erhöhen sich aus Sicht der Ratingagenturen entsprechend. Der geplante Verkauf der Tochter T-Mobile USA an den US-Konkurrenten AT&T für 39 Milliarden Dollar hätte die Schulden auf einen Schlag reduziert. Nun, da der Deal geplatzt ist, muss der Bonner Konzern Alternativen finden. Quelle: dpa
Schwäche 3: Das Auslandsgeschäft bleibt mühevollUm das schrumpfende Geschäft im Heimatmarkt zu kompensieren, hat die Telekom in zahlreiche Auslandsmärkte investiert - mit gemischtem Erfolg. In den USA fällt es der Telekom-Tochter T-Mobile zunehmend schwer, mit starken nationalen Konkurrenten wie Verizon und AT&T zu konkurrieren. Der geplante Verkauf der Sparte an AT&T hatte daher Begeisterung bei den Investoren ausgelöst. Seit der Deal wegen kartellrechtlicher Bedenken der US-Behörden scheiterte, warten die Aktionäre auf eine Alternative von Konzernchef René Obermann. In Griechenland ist die Telekom mit 40 Prozent an OTE beteiligt. Neben der Schuldenkrise machen dem Konzern dort vor allem die immer strengere Regulierung und die höheren Steuern zu schaffen. Quelle: dpa
Die Telekom spielt daher auch schon die Konsequenzen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone durch. Es heißt, der Konzern sei dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass die griechische Tochter OTE danach auch ohne Hilfen der deutschen Mutter überlebensfähig sei. OTE muss auch im Falle eines Währungswechsels und einer spürbaren Abwertung der Drachme die finanziellen Verpflichtungen erfüllen können. Denn noch laufen Kredite und Anleihen in Euro, der Kapitaldienst würde sich drastisch verteuern. Weil OTE mit dem Mobilfunk momentan gutes Geld verdient und sich vor allem im ersten Quartal positive Trends zeigten, könne die OTE ihre Finanzierung allein stemmen, so die Hoffnungen der Telekom. Quelle: dpa
Stärke 1: Anleger werden bei Laune gehaltenAls Wachstumswert kann die Telekom ihre Aktie den Investoren nicht verkaufen, dafür aber als Dividendenpapier. Bis einschließlich nächstes Jahr garantiert der Konzern die Ausschüttung sogar. Wie im Vorjahr sollen die Aktionäre für das abgelaufene Geschäftsjahr daher 70 Cent je Aktie erhalten. Das entspricht einer Ausschüttungssumme von drei Milliarden Euro. Bei einem Konzernüberschuss von nur 557 Millionen Euro im Jahr 2011 erscheint der Betrag zunächst riesig. Doch da das Nettoergebnis durch zahlreiche Sondereinflüsse belastet ist, misst die Telekom ihre Ausschüttungsquote lieber am Free Cash-Flow. Das sind die freien Mittel, die nach Abzug der Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte von den Zuflüssen aus dem operativen Geschäft noch übrig bleiben. Diese Relation liegt 2011 mit 43 Prozent unter dem Vorjahreswert von 59 Prozent. Quelle: dpa

Bekannt geworden ist die Nummer vor allem dank weiblicher Unterstützung. Die Blondinen Paris Hilton und Daniela Katzenberger („Mit drei Nullen, wie drei Stullen“) standen beide für das Unternehmen zu Werbezwecken vor der Kamera. Doch der Versuch, an die 11880-Erfolgswerbung von Verona Pooth, ehemals Feldbusch ("11 Fußballspieler, 88 die Oma und 0 Ahnung“) anzuknüpfen, kann man auch schon vor Ausgang der Bilanz als gescheitert ansehen. Schon die letzten Umsatzzahlen waren alles andere als vielversprechend. 2010 lag der Umsatz bei 13,5 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2012 waren es nur noch 0,7 Millionen Euro. Derzeit beschäftigt das Unternehmen noch 50 Mitarbeiter.

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