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Corona-Warn-Apps SAP und Deutsche Telekom ergattern EU-Auftrag

Exklusiv
Bisher verbreiten die nationalen Corona-Apps der EU-Staaten Infektionswarnungen nur innerhalb der jeweiligen Länder. Quelle: dpa

Corona-Apps aus mehreren EU-Staaten sollen künftig auch grenzüberschreitend vor möglichen Infektionen warnen. Die dafür nötige Software-Plattform liefern die deutschen Dax-Konzerne SAP und Telekom.

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SAP und die Deutsche Telekom, die Entwickler der deutschen Corona-Warn-App, werden auch für die EU-Kommission eine Software-Plattform für den länderübergreifenden Austausch von Corona-Warnungen aufbauen und betreiben. "Der Vertrag für die Entwicklung ist unterzeichnet, die Unternehmen werden das Gateway nun gemeinsam aufbauen", bestätigte Kommissionssprecher Johannes Bahrke am Freitagnachmittag in Brüssel eine entsprechende Exklusivmeldung der WirtschaftsWoche. 

Der Auftrag wird im Rahmen bestehender Verträge mit den beiden deutschen Unternehmen vergeben, heißt es in EU-Kreisen. Auch die EU-Kommission bestätigt die Pläne für das „Interoperability Gateway“ genannte System. „Die technische Lösung ist gefunden und der gesetzliche Rahmen geschaffen“, so ein Kommissionssprecher. 

Im Juni hatte de EU-Kommission die entsprechenden Pläne zum Aufbau einer Austauschplattform für die App-Warnungen im Rahmen des eHealth-Networks verabschiedet. Experten unter Federführung von SAP und der Telekom hatten das Konzept verfasst, das nun den Zuschlag aus Brüssel erhalten wird. Die von beiden Unternehmen entwickelte deutsche Warn-App wurde inzwischen mehr als 16 Millionen Mal auf Handys installiert. Die Zahl der Nutzer in Deutschland ist damit größer als die Nutzerzahlen aller übrigen nationalen Warn-Apps in der EU.

Bisher funktionieren die Warn-Apps in der EU nicht grenzüberschreitend. Die jeweiligen nationalen Apps zeichnen zwar auch bei Auslandsreisen die Bluetooth-Codes anderer Corona-Apps auf. Aber für einen Austausch der Warnungen über Ländergrenzen fehlt bisher eine Schnittstelle zwischen den nationalen Server-Systemen. 

Die sollen nun die beiden Konzerne in den kommenden Wochen schaffen. Dann sollen Reisende auch nach der Rückkehr in ihre Heimatländer eine Warnung erhalten, sobald Kontaktpersonen aus dem Ausland über ihre nationalen Apps eine Infektion mit Corona melden. 

Österreich: Ja! Frankreich: Nein!

Im ersten Schritt sollen Apps aus rund einem Dutzend EU-Staaten Warnungen austauschen können. Im Gespräch sind unter anderem die Niederlande, Österreich, Dänemark und Polen. Zudem sei geplant, auch die Warn-Apps aus der Schweiz und Großbritannien an das System anzubinden. 



Ein Datenaustausch mit Apps aus EU-Ländern wie Frankreich, bei denen – anders als Deutschland – die Analyse des Infektionsrisikos auf zentralen Servern erfolgt und nicht auf dem Smartphone, wird über die neue EU-Plattform vorerst nicht möglich sein. Läuft alles nach Plan, soll auch die deutsche Warn-App ab Spätsommer für den europäischen Datentausch fit sein. 

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Die Bundesregierung plant eine große Werbekampagne, damit die Corona-Warn-App schnell zum Erfolg wird. Der Markenberater Peter Pirck, Chef der renommierten Agentur Brandmeyer, sagt, warum ausgerechnet der heftige Streit um die Technik dabei helfen könnte und was die Warn-App mit der Deutschen Mark verbindet.

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