Digitalisierung So sieht die Beratung der Zukunft aus

Die digitale Transformation verändert auch das Geschäftsmodell der Unternehmensberatungen. Worauf sie sich einstellen müssen.

Unternehmensberatung Quelle: Fotolia

Große Unternehmen bezeichnen sich gerne als Tanker, die dringend nach Schnellbooten suchen, um ihre Innovations- und Veränderungsgeschwindigkeit zu erhöhen. Mit der Suche betrauen sie gerne große Unternehmensberatungen. Doch auch deren Arbeitsweise und Geschäftsmodell wird durch die digitale Transformation in Frage gestellt. 

Die Digitalisierung zwingt alle Branchen zum Wandel. Um ihre Zukunftsfähigkeit zu sichern, müssen Unternehmen Geschäftsmodelle überdenken, Personalressorts aufrüsten, IT-Infrastrukturen verbessern, die physische und virtuelle Arbeitsplatzgestaltung flexibilisieren, mit Start-ups kooperieren sowie digitale Talente für sich gewinnen und an sich binden. Unternehmen, die nicht adäquat oder schnell genug auf die Digitalisierung reagieren, riskieren ihre Zukunftsfähigkeit. 

Diese Entwicklung steht im Widerspruch zur Arbeitsweise vieler klassischer Beratungen, die gerade nicht auf offenen Strukturen und agilen Arbeitsweisen aufgebaut sind, sondern streng hierarchisch und strukturiert abarbeiten. Laut einer Marktstudie des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater erwarten 84 Prozent der Berater, dass sich im Zuge der Digitalisierung das Portfolio, die Geschäftsmodelle und die Prozesse ihrer Unternehmen verändern werden.

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Wie sieht also die Beratung der Zukunft aus? Was wollen die Kunden? Was brauchen sie? Was muss eine Beraterpersönlichkeit heutzutage mitbringen? Wie müssen Unternehmensberatungen sich verändern? Und worauf kommt es bei der Beratung wirklich an?

Die klassische Beratung nimmt den Kunden oft aus der Verantwortung. Sobald die Berater da sind, wird schnell Verantwortung abgegeben. Bei vielen typischen Beratungsprojekten beeinflusst diese Verhaltensweise den Erfolg bereits negativ. Doch gerade beim Thema Digitale Transformation ergibt dieses Vorgehen schlicht keinen Sinn mehr. 

Unternehmen, die die Digitale Transformation erfolgreich meistern, setzen auf mehr Selbstverantwortung bei Führungskräften und Mitarbeitern. Sie dürfen sich bei dauerhaften Veränderungen nicht alleine auf externe Beratung verlassen. Sie brauchen zwar Expertenunterstützung, jedoch in Form von Impulsen für Veränderungen. Sie brauchen keine verlängerte Werkbank für Routinearbeiten und keine dauerhafte Anwesenheit von Beratern, sondern punktuellen Support. 

Deutschlands beste Unternehmensberater
So sah der Preis aus, den die Preisträger in Empfang nahmen. Die Boston Consulting Group konnte sich erneut als Gesamtsieger behaupten. Bewertet wurde sowohl der Ruf als auch die Leistung der Berater – und zwar aus Kundensicht. Die beiden Branchenexperten Frank Höselbarth von der auf Unternehmensberatungen spezialisierten People und Brand Agentur und der Frankfurter BWL-Professor Lars Wellejus ermittelten in einem dreiteiligen Verfahren die Markenstärke und die Fähigkeit zur Wertsteigerung. Als Grundlage diente ihnen eine Erhebung, für die 1500 deutsche Unternehmen nach ihrer Meinung zu 40 großen und mittleren Beratungshäusern befragt wurden. Zusätzlich konnten sich die Beratungen auch mit einzelnen Projekten bewerben, die anschließend von einem Fachbeirat und einer Jury bewertet wurden. Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Durch den Abend führten WirtschaftsWoche-Redakteur Daniel Rettig und Sabine Stamm Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
BWL-Professur Lars Wellejus ermittelte zusammen mit Frank Höselbarth den Gewinner des Wettbewerbs. Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Branchenexperte Frank Höselbarth von der People und Brand Agentur. Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
In der Kategorie Restrukturierung belegte PricewaterhouseCoopers den ersten Platz. Im Bild: Nicolas Reinhart (Mitte), Apcoa, Daniel Judenhahn (2. v. r.), PwC Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Den ersten Platz in der Kategorie Supply-Chain-Management sicherte sich Ernst & Young. Im Bild von links nach rechts: Alexander Warmulla, Ernst & Young , Dr. Achim Gerstlauer, BASF, Dr. Frank Jenner, Ernst & Young, Stephan Heidemann, BASF Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Roll & Pastuch belegten Platz eins in der Kategorie Marketing und Vertrieb. Im Bild (v.l.n.r.): Prof. Dr. Oliver Roll, Robert Hartung, LR Health & Beauty Systems, Steffen Kampmann, Roll & Pastuch Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche

Heute werden erfahrene, umsetzende Experten statt folienmalende Absolventen gebraucht. Gebraucht werden keine Einserabsolventen mit glattpoliertem Lebenslauf, sondern Beratertalente mit Expertenwissen.

Erfolgreich ist ein Berater heute, wenn er die Ausgangslage und die Probleme des Unternehmens kennt, das Vertrauen des Managements genießt und in der Lage ist, individuell-passende Lösungen zu finden, die den Wettbewerbsunterschied ausmachen. Er darf nicht nur Konzepte von der Stange anbieten. 

Die Digitalisierung und die Folgen für den Arbeitsmarkt wirken sich unausweichlich auf das Recruiting der Beratungen aus. Digitale Talente fordern Freiheit und Flexibilität statt starre 60-Stunden-Wochen. Durch Beraternetzwerke und die Nutzung IT-gestützter Tools zur virtuellen Zusammenarbeit lassen sich physische und virtuelle Arbeitsplätze frei gestalten.

Außerdem gilt das Motto: Transparente Zusammenarbeit statt Buzzword-Voodoo. Anerkennung muss immer wieder neu verdient werden, sonst verliert man Gefolgschaft. Was bezüglich des zunehmenden Kundenfokus für andere Branchen gilt, gilt auch in der Beraterbranche. Die Kunden werden kritischer und selbstständiger. Sie fordern Transparenz und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Deshalb sind Ehrlichkeit und Direktheit unabdingbar. 

Nur wer heute den Mut hat, sein Geschäft kritisch zu hinterfragen, kann von den Chancen der Digitalen Disruption auch wirklich profitieren.

Der Wandel der Branche ist erfreulich, denn durch die Digitalisierung wird die Beraterlandschaft kreativer, bunter und vielfältiger. Mit der Transformation der Arbeitswelt und den neuen technischen Möglichkeiten verändert sich das typische Beraterprofil radikal. Vielleicht gelingt es der Branche sogar, am Thema Familienfreundlichkeit zu arbeiten und somit endlich den Frauenanteil zu steigern. Die Digitalisierung birgt hier viel Potenzial - und die lebhafte Diskussion dazu ist ein erster wichtiger Schritt.

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