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Millionen für die digitale Lehre Warum das Förderprogramm für Schul-Computer zum Kraftakt wird

Exklusiv
Bundesbildungsministerin Karliczek hat ein „500-Millionen-Euro-Programm zur Sofortausstattung von Schulen sowie Schülerinnen und Schülern“ angekündigt, um den Zugang zum digitalen Lernen zu erleichtern. Quelle: dpa

Mit 500 Millionen Euro will Bildungsministerin Karliczek bundesweit Schulen mit Computern ausstatten, um die digitale Lehre zu erleichtern. Nur die logistische Umsetzung des Plans stellt Computerhersteller vor Probleme.

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Das milliardenschwere Förderprogramm, mit dessen Hilfe Schulen bundesweit Computer für Schülerinnen und Schüler beschaffen sollen, dürfte sich zu einem organisatorischen und logistischen Kraftakt entwickeln. Das zeichnet sich nach einer Umfrage der WirtschaftsWoche unter den führenden Computerherstellern ab. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hatte Anfang dieser Woche ein „500-Millionen-Euro-Programm zur Sofortausstattung von Schulen sowie Schülerinnen und Schülern“ angekündigt, um diesen in Zeiten von Corona den Zugang zum digitalen Lernen zu erleichtern. Einzelne Bundesländer, wie etwa Baden-Württemberg zogen bereits nach und erklärten, die auf sie entfallenden Fördermittel aus dem eigenen Etat nochmal zu verdoppeln.

Das läuft auf einen erheblichen zusätzlichen Bedarf an Rechnern hinaus, der die derzeit ohnehin schon strapazierten Lieferketten bei Computern noch weiter belasten dürfte. Denn bei einem Durchschnittspreis pro Rechner von rund 400 Euro für Computer mit mittlerer Ausstattung bedeutete die verfügbare Fördersumme, dass kurzfristig mindestens 1,2 Millionen Geräte beschafft werden müssen. Das alleine wäre rund ein Fünftel des üblichen Jahresabsatzes an Notebooks in der Bundesrepublik.

Mirco Krebs, Chef des Computergeschäfts in Deutschland beim chinesischen Computerhersteller Lenovo. Quelle: Lenovo

Dabei trifft dieser Zusatzbedarf auf eine Computerbranche, die als Folge von zwei außerordentlichen Sonderkonjunkturen in diesem Jahr ohnehin schon zeitweise an der Kapazitätsgrenze arbeitet. Erst hatten – nachdem Microsoft den Support für sein Windows-7-Betriebssystem eingestellt hatte – massenhaft Beschaffungen neuer Windows-10-Computer im Februar und März zeitweise für 30 bis 50 Prozent Absatzzuwachs verglichen mit den Vorjahreswerten gesorgt. Direkt anschließend löste im März und April der Zusatzbedarf durch zigtausende für die coronabedingten Umzüge ins Homeoffice beschaffte Notebooks für einen weiteren Absatzschub um rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus - und erzeugte weitere Knappheit in den Lieferketten.

Laptops mit Charterfliegern nach Deutschland geholt

Zeitweise, so heißt es aus der deutschen Computerbranche, flogen die Hersteller alle verfügbaren Rechner aus den chinesischen Fabriken mit extra gecharterten Transportmaschinen nach Europa, um zumindest teilweise lieferfähig zu bleiben. Zumal die verlängerte Schließung vieler Fabriken in China zur Bekämpfung der Corona-Pandemie die Liefersituation vorübergehend noch verschärfte. „Dadurch kam es bei einzelnen Rechnertypen und -konfigurationen zu Engpässen in der Verfügbarkeit,“ bestätigen mehrere großen Hersteller.

Inzwischen habe sich die Situation zwar wieder entspannt, doch nun rollt – dank Karliczeks Millionen – die schon nächste Beschaffungswelle an. Und die Branche diskutiert, wie sie organisatorisch und logistisch bewältigt werden kann. „Als Industrie sind wir gefordert, zusammen mit der Politik Lösungen für unsere Schulen zu entwickeln, damit die zur Verfügung gestellten Mittel so eingesetzt werden, dass Deutschland auch führend im digitalen Lernen wird“, sagt etwa Mirco Krebs, der Chef des Computergeschäfts in Deutschland beim chinesischen Computerhersteller Lenovo.

Denkbar sei etwa der Aufbau einer sowohl bundesländer- als auch herstellerübergreifenden Beschaffungsplattform, so heißt es aus dem Kreis der Computer-Hersteller in Deutschland. Dort könnten zum einen die Länder ihren Bedarf für verschiedene standardisierte Notebook-Typen für unterschiedliche Altersklassen und Schultypen anmelden. Umgekehrt könnten die Hersteller auf der Plattform ihre verfügbaren Kapazitäten für die definierten Konfigurationen eingeben. Einzelne Kommunen oder Schulträger könnten dann die gewünschten Rechner entsprechend der ihnen zugewiesenen Budgets ohne komplizierte Ausschreibungsprozesse direkt abrufen.

Eine Option sei, eine entsprechende Plattform mithilfe des IT-Branchenverbandes Bitkom zu betreiben oder diese bei einem der zentralen Beschaffungsämter des Bundes anzudocken, um Wettbewerbsprobleme zu vermeiden. Über die Ideen wolle man sich kurzfristig in der Branche abstimmen, heißt es bei den Herstellern.

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