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  4. Tesla und X: Elon Musks hochriskantes Spiel mit den Finanzen geht auf

Nach der HauptversammlungDie Tesla-Aktionäre sind die Leidtragenden

Die mehr als 50 Milliarden Dollar schwere Entlohnung für den Tesla-CEO, der die Aktionäre jetzt zugestimmt haben, ist vor allem für ein Unternehmen eine gute Nachricht: den hoch verschuldeten Kurznachrichtendienst X.Thomas Stölzel 14.06.2024 - 09:38 Uhr

Tesla-Chef Elon Musk hat sich wieder einmal durchgesetzt.

Foto: REUTERS

Elon Musk könnte der Befreiungsschlag aus einer gewaltigen finanziellen Zwickmühle gelungen sein. Auf der Tesla-Hauptversammlung haben die Aktionäre nun einer Vergütung ihres CEO zugestimmt, die selbst die üblichen ausufernden Managementbezüge in US-Konzernen in den Schatten stellt – und die indirekt womöglich den Kurznachrichtendienst X vor der Pleite rettet. Musk soll für seine Leistung seit 2018 demnach in Form von Aktien abgefunden werden, die nach aktuellem Kurs mehr als 50 Milliarden Dollar wert sind.

Der Tesla-Chef hatte 2018 mit seinem Verwaltungsrat ausgehandelt, dass er diese Rekordbezahlung erhalten würde, wenn es ihm gelänge, den Börsenwert des E-Autobauers binnen zehn Jahren auf mehr als 650 Milliarden Dollar zu steigern. Damals war der Konzern etwa 50 Milliarden wert. Dennoch erreichte er sein Ziel bereits zwei Jahre später. Eine Richterin im US-Bundesstaat allerdings gab einer Aktionärsklage Anfang dieses Jahres Recht, der zufolge die Anteilseigner 2018 nicht gründlich genug informiert worden sind. Musk rief gestern also die Aktionäre erneut zur Stimmenabgabe auf – drohte, das Unternehmen zu verlassen, sollte er verlieren. Seine Chancen, dass er die Aktienoptionen tatsächlich erhält, sind nun stark gestiegen. Allerdings müssen die Gerichte dem jetzt zustimmen. Dafür will er etwa den Firmensitz von Delaware nach Texas verlegen.

Für den Milliardär steht dabei deutlich mehr auf dem Spiel als ein weiterer Zugewinn an persönlichem Vermögen. Seine Finanzen sind seit der Übernahme des Kurznachrichtendienstes Twitter angespannt. So sind seine bisherigen zwölf Prozent an Tesla aktuell etwa 68 Milliarden Dollar wert. Den größten Teil dieser Aktien hat Musk SEC-Unterlagen zufolge allerdings als Sicherheit bei den Banken eingebracht, um Kredite aufzunehmen, mit denen er die Twitter-Aktien bei der mehr oder weniger feindlichen Übernahmen bezahlt hat. 

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Heikle Lage

Mit der Übernahme hat er sich jedoch in eine heikle finanzielle Lage begeben. Denn dieser Kredit an ihn persönlich reichte bei weitem nicht aus, um Twitter komplett zu schlucken und von der Börse zu nehmen. Dafür brauchte er weitere Kredite von einem Bankenkonsortium um Morgan Stanley. Diese wurden direkt an X vergeben, und mit Vermögenswerten des Unternehmens besichert. Weil der Wert von X in den vergangenen zwei Jahren aber massiv gesunken ist, erhoffte Milliardeneinnahmen ausbleiben, besteht nun die große Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen diese Kredite bei ihrer Fälligkeit 2027 und 2029 nicht zurückzahlen kann. X droht dann pleite zu gehen. 

Verhindern kann das Musk, indem er diese Kredite im Wert von 13 Milliarden Dollar entweder aufkauft oder verlängert und dieses Geschäft mit den nun neu gewonnen Tesla-Aktien absichert. Das würde ihm Zeit kaufen, das sozialen Netzwerk in die Gewinnzone zu manövrieren. Gelten ähnlich Konditionen wie für seinen Privatkredit, bräuchte er dafür Tesla-Papiere im Wert von 65 Milliarden Dollar als Sicherheit.

Die direkt an Twitter/X vergebenen Kredite hatten sich in den vergangenen Monaten zu einer echten Last für das involvierte Bankenkonsortium entwickelt. Das wollte sie schon Ende 2022 verbriefen, um sie an Hedgefonds und anderen Investoren zu verkaufen. Die boten laut „Financial Times“ damals aber nur 62 Cent für den Dollar. Inzwischen sind diese Papiere Kreditexperten zufolge gar nichts mehr wert. 

73 Prozent an Wert verloren

Fidelity Investments, ein Investor, der zusammen mit Musk bei Twitter eingestiegen war, hatte seine Anteile an dem Netzwerk mehrfach abwerten müssen. Zwischendurch betrug das Minus 73 Prozent. Inzwischen hat Fidelity die Beteiligung wieder leicht, aber nicht nennenswert, aufgewertet.

Für die Tesla-Aktionäre, die nun einen guten Teil ihres Aktienwertes an Musk abtreten, ist es derweil eine Wette darauf, dass der Ausnahmeunternehmer wieder mehr seiner Zeit und Mühe dem kriselnden E-Autobauer widmet. Der hatte zuletzt mit jeder Menge Sicherheitsbedenken beim Autopiloten und mit einem massiv schwächelnden Absatz Schlagzeilen gemacht. So droht etwa der Cybertruck, ein riesiger elektrischer Geländewagen aus Edelstahl, zum Flop zu werden. Alles andere als rosig sieht es zudem auf dem chinesischen Markt aus, wo Tesla immer mehr die Konkurrenz inländischer E-Autobauer zu spüren bekommt. 

Die Tesla-Aktionäre sind nun die Leidtragenden von Musks persönlicher Prioritätensetzung. Er hätte die Twitter-Kredite auch mit Anteilen seines Weltraum-Start-ups SpaceX absichern können. Das aber scheint für ihn unantastbar zu sein, dient es doch seinem ganz großen Ziel, den Mars zu erobern. 

Lesen Sie auch: E-Autos aus China: So hoch sind die Strafzölle, von BMW iX3 bis Tesla Model 3

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