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Rewinside „Es gibt nicht den einen typischen Arbeitstag“

Internet-Star Sebastian Meyer, alias „Rewinside“ Quelle: Presse

YouTube- oder Twitch-Star als Beruf, das ist der Traum vieler Jugendlicher. Für Sebastian Meyer, alias „Rewinside“, ist er Realität geworden. Innerhalb weniger Jahre wurde er zu einem der bekanntesten Gamer Deutschlands.

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Sebastian Meyer läuft durch die Hallen der weltgrößten Videospielmesse Gamescom. Sportliche Statur, weiße Sneaker, schwarzes Shirt, schwarze Hose und Sonnenbrille. Um ihn herum bildet sich eine Menschentraube, Jugendliche, die aufgeregt ihr Handy aus der Tasche kramen und Fotos schießen, Eltern, die gerade nicht so richtig zu verstehen scheinen, was plötzlich los ist. Eine Entourage großgebauter Securities schirmt den 26-Jährigen ab, er hat es eilig. Auf der Gamescom ist Meyer ein Star, im Internet nennt er sich „Rewinside“, oder kurz, „Rewi“. Der gebürtige Kölner produziert Videos auf YouTube, macht Livestreams auf Twitch – überwiegend geht es um Gaming.
Anderen Menschen beim Computerspielen zuzuschauen ist längst Hauptprogramm vieler Jugendlicher. Rewis Reichweite: Rund drei Millionen Abonnenten. Damit ist er einer der bekanntesten Gamer Deutschlands. Der WirtschaftsWoche hat Rewi erzählt, wie das Leben und der Beruf eines sogenannten „Content-Creators“ aussieht.

WirtschaftsWoche: Wie sind Sie zum YouTuber geworden?
Sebastian Meyer: 2012 hatte ich an einem Abend extreme Langeweile, da hab ich mich durch YouTube geklickt. Ich bin auf ein Minecraft-Video von Gronkh gestoßen...

…mit 4,8 Millionen Abonnenten der größte Gaming-YouTuber Deutschlands.
Vorher hatte ich weder von Gronkh gehört, noch wusste ich, was Minecraft ist. Das Spiel hat mich sofort angefixt. Früher habe ich unglaublich gerne mit Lego gespielt, deswegen fand ich das Bauklotz-Prinzip von Minecraft super. Meine Freunde und ich hatten immer so viel Spaß beim Spielen, dass wir dachten, dass das auch andere Leute witzig finden könnten. Also haben wir uns beim Zocken aufgenommen und das Ganze bei YouTube hochgeladen. Am Anfang war das also einfach ein Hobby, wir haben uns nicht gesagt: In zwei Monaten wollen wir damit Geld verdienen.

Wie schnell hatten Sie Erfolg mit Ihrem Content?
Am Anfang hatte ich ein recht moderates Wachstum. Bis ich dann ein paar andere YouTuber kennengelernt habe; zusammen sind wir in ein Haus in der Kölner Innenstadt gezogen und haben jede Menge Content produziert. Das war der Wendepunkt, an dem ich sagen konnte: Das wird eine Sache, die ich auch langfristig machen könnte. Vorher habe ich aber meine Ausbildung als Immobilienkaufmann beendet. Das war mir und meinen Eltern wichtig. Danach habe ich mich voll auf YouTube konzentriert.

Könnten Sie sich vorstellen, wieder als Immobilienkaufmann zu arbeiten?
Auf jeden Fall. Ich habe mich trotzdem immer weiter mit dem Thema beschäftigt, im Immobiliensektor umgeschaut und Immobilien gekauft. Das ist ein spannendes und cooles Geschäftsfeld. Das ist natürlich auch eine gute Sache, um mein Geld jetzt langfristig anzulegen. Der Erfolg auf YouTube und Twitch kann eben auch schnell wieder vorbei sein.

Was haben Ihre Freunde gesagt, als Sie mit YouTube angefangen haben?
Meine Freunde fanden das von Anfang an lustig, aber irgendwie auch doof, was ich mache (lacht). Anfangs haben die sich halt gefragt, warum ich ständig am Rechner sitze, anstatt mit ihnen rauszugehen, was zu trinken, Kart zu fahren oder sowas. Mittlerweile haben sie das aber verstanden.

Und wie sah es bei der Familie aus?
Natürlich hatten meine Eltern anfangs Probleme, das zu verstehen. Mein Vater hat sich gefragt, warum ich ständig um 23 Uhr noch auf der Tastatur rumgehämmert habe. Aber das hat sich dann relativ schnell gelegt. Sie haben gemerkt, dass ich passioniert dabei bin und vielleicht irgendwann auch Geld damit verdienen kann.

Jetzt sind Ihre Eltern auch Fans?
Teilweise schon – mein Vater ist der erste, der mir schreibt, wenn ein Video mal wieder zu spät erscheint. Oder er schaut auf meine Statistiken und sagt dann ‚starker Tag‘, ‚tolle Woche‘ oder ‚super Monat‘. Das ist natürlich immer ein Gesprächsthema, wenn man dann bei der Familie zu Hause ist.

Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?
Es ist schwierig, einen Tag so genau abzustecken. Ich versuche, immer so früh wie möglich aufzustehen, meistens so um 8 Uhr, dann geht es zum Sport. Danach kommt es immer darauf an, was gerade ansteht: Video-Drehs, Meetings mit dem Management oder Livestreams auf Twitch. Außerdem mache ich Musik als DJ. Es gibt nicht den einen typischen Arbeitstag. Feierabend ist oft erst zwischen 22 und 24 Uhr.

Sie machen auch Livestreams auf der Internetplattform Twitch. Haben Sie sowas wie einen Sendeplan?
Ich hatte mal einen festen Zeitplan. Momentan ist es aber eher so, dass ich spontan anfange zu streamen, wenn ich gerade Zeit habe. Das finde ich gerade ganz gut so, aber ich merke auch, dass ein regelmäßiger Streamingplan Vorteile haben kann. Jetzt, nach der Gamescom-Woche, werde ich vermutlich wieder merken, dass deutlich weniger Zuschauer da sind als zuvor. Die wandern dann erstmal zu anderen Streamern ab, die regelmäßiger gestreamt haben.

Wie geht man damit um?
Das ist dann halt so, man kann nicht alles machen und muss sehen, seine Kräfte auch gut einzuteilen. YouTube ist da deutlich konsistenter. Da können wir Content vorproduzieren, der regelmäßig erscheint.

Die Gaming-Branche boomt. Wie merken Sie das in Ihrer Arbeit?
Die Zuschauerzahlen sind mit dem Wachsen der Gaming-Industrie angestiegen. Auf der Gamescom kann man das immer ganz gut sehen. Es sind nicht mehr nur junge Leute, die einen erkennen und ansprechen, das sind jetzt auch Leute die schon 35 oder 40 Jahre alt sind und sagen, dass sie den Content super gut finden. Die schauen sich halt mittlerweile auch ganz normal abends Gaming-Streams an, um runterzukommen, statt Fußball. Für viele ist das zum Ersatzprogramm geworden.

Birgt die Kommerzialisierung, die mit dem Boom einhergeht, auch Risiken?
Klar, leider Gottes tummeln sich auch zwielichtige Charaktere in dem Business rum und versuchen, kurzfristigen Profit zu machen. Das sieht man gerade besonders gut im E-Sport. Viele der Spieler sind extrem jung, gerade mal 13 Jahre alt. Dann kommen da Organisationen und geben denen Verträge, die manchmal relativ gering bezahlt sind. Letztendlich ist das Pokern: Sie hoffen, dass die Jungs dann mal das große Preisgeld holen. Die Teams bekommen natürlich einen Anteil. Das gehört leider dazu. Überall, wo junge Menschen relativ schnell zu Erfolg und Geld kommen, gibt es Leute, die sich als Trittbrettfahrer reinhängen wollen.

Worauf sollten besonders die jungen Einsteiger achtgeben?
Man sollte immer genau überlegen, wo man gerade steht. Brauche ich direkt am Anfang ein Management und unterschreibe irgendwelche Drei-Jahres-Verträge, oder bekomme ich das auch erstmal selbst hin? Da sollten vor allem die Eltern ein Auge drauf haben und alles genau prüfen.

Wie beeinflusst der E-Sport-Boom Livestreaming und YouTube?
E-Sport ist natürlich ein riesiger Trend, das merken auch wir Content-Creator. Ein E-Sport-Titel muss nicht zwangsläufig total ernst im Wettbewerb gespielt werden. Mir als Streamer kommt es am Ende auf die Unterhaltung an. Die großen Streamer in Deutschland sind alle nicht außerordentlich gut in den Spielen. Ich würde mich selbst als soliden bis guten Fortnite-Spieler bezeichnen. Allerdings bin ich Welten von den professionellen E-Sportlern entfernt.

Würden Sie sich auch als eine Art Influencer bezeichnen?
Ich mag das Wort Influencer nicht, das impliziert ja, ich wäre ein Meinungsmacher. Ich bin keine Schaufensterpuppe, die irgendeinen Hut präsentiert, an dem ein Preisschild hängt.

Wie würden Sie sich selbst bezeichnen?
Ich würde sagen, wir Content-Creator sind einfach Entertainer. Klar haben wir auch Kooperationen mit Marken, aber bei Fußballern oder Moderatoren ist das nicht anders. Unser Hauptding ist und bleibt die Content-Creation, und das soll auch so bleiben.

Wie hat sich YouTube und Livestreaming seit Ihren Anfangszeiten verändert?
Durch den Boom sind einfach mehr Leute dazugekommen, die Content machen. Von Zeichenkunst bis Politikshows, die ganze Szene ist unglaublich breit aufgestellt. Ich glaube, wenn ich will, finde ich auf Twitch nachts um zwei Uhr bestimmt auch noch einen Stream, wo jemand Lego-Männchen anmalt. Das ist irgendwie cool.

Konkurrieren Sie mit den traditionellen Medien?
Anfangs sah es ein wenig nach Frontenbildung zwischen den beiden Welten aus. Wir merken aber, dass mittlerweile sehr viel Interesse auch seitens der traditionellen Medien besteht. Die sehen unsere kreative Spontanität und wollen davon lernen. Auf der anderen Seite können wir auch noch was abschauen, was die Professionalität in der Produktion angeht. Ich finde es cool, dass sich das mittlerweile annähert. Ich habe auch Bock drauf, häufiger bei TV-Produktionen mitzuwirken.

Twitch, 2014 für 970 Millionen Dollar von Amazon gekauft, dominiert den Streaming-Markt seit Jahren. Jetzt möchte Microsoft mit einem eigenen Dienst namens Mixer Konkurrenz schaffen. Kann das gelingen?
Mixer hat glaube ich einfach eine Menge Geld, das hat man jetzt mit dem Ninja-Deal gesehen...

... der 28-jährige Amerikaner Richard Tyler Blevins, alias Ninja, ist mit knapp 14,5 Millionen Followern der weltweit größte Streamer. Kürzlich ist Ninja von Twitch zum Konkurrenten Mixer gewechselt. Ablöse unbekannt ...

... ganz egal, welche Summe da jetzt wirklich gezahlt wurde, von 60 Millionen Dollar für zwei Jahre bis 2,3 Millionen Dollar pro Monat habe ich alles gehört. Sicher ist, dass da ein großer Betrag geflossen ist. Dass Streamer jetzt wie Fußballer gehandelt werden, setzt ein starkes Signal für die Stellung der Branche. Konkurrenz belebt das Geschäft; neue Plattformen bringen auch wieder neue Features.

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