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Forschungsförderung Wohin die Forschungsgelder für Covid-19 fließen

Virologe Christian Drosten ist einer von vielen, die vom Bundesforschungsministerium Fördergelder erhalten, um Covid-19 zu bekämpfen. Quelle: AP

Insgesamt hat das Bundesforschungsministerium bereits 420 Millionen Euro ausgegeben, um gegen Covid-19 vorzugehen. Doch das Geld reicht zurzeit bei weitem nicht aus, meldet ein Empfänger.

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Fast eine halbe Milliarde Euro steckt das Bundesforschungsministerium (BMBF) in die Erforschung von Covid-19 und die Entwicklung eines Impfstoffes. Das geht aus Zahlen des Ministeriums hervor, die der WirtschaftsWoche vorliegen.

Der größte Teil des Geldes fließt dabei an die gemeinnützige Koalition für Innovationen in der Epidemievorbeugung (CEPI), die 2016 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos gegründet wurde. Hinter CEPI stehen die Weltgesundheitsorganisation, Staaten wie Indien, Deutschland und Norwegen sowie die Bill & Melinda Gates Foundation. Ziel der Organisation ist es, weltweit neuartige Impfstoffe gegen potenzielle Pandemien zu finanzieren. Für den Zeitraum zwischen 2017 und 2021 investiert das Forschungsministerium regulär 90 Millionen Euro in CEPI. Von da aus geht das Geld wiederum an Impfstoffentwickler wie das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac. Im Rahmen der Bekämpfung von Covid-19 schoss das BMBF nun noch einmal 140 Millionen Euro nach.

Ausreichend ist das laut den Experten allerdings nicht. So richtete CEPI vor etwa einer Woche einen dringenden Appell an Regierungen und Spender weltweit, dass es zusätzliche zwei Milliarden Dollar benötige, um die Entwicklung von Impfstoffen gegen das neuartige Coronavirus zu finanzieren. Die Organisation wolle möglichst viele Impfstoffkandidaten in klinischen Studien testen, um die Chance zu steigern, dass ein Mittel dabei ist, das auch sicher ist und wirkt.

Im ersten Schritt will es deshalb weltweit acht Kandidaten bei ersten klinischen Studien an Menschen unterstützen. Dafür seien rund 100 Millionen Dollar notwendig, heißt es aus der Organisation. Vier bis sechs Impfstoffkandidaten sollen dann in ausreichenden Mengen produziert werden, um sie in weiterführenden klinischen Studien testen zu können. Diese Vorbereitung koste bis Ende März weitere 375 Millionen Dollar. Bis Ende Juni seien dann 400 Millionen Dollar nötig, um die klinischen Studien durchzuführen und die Massenproduktion vorzubereiten. Und um am Ende bis zu drei verschiedene Impfstoffe weltweit zuzulassen und die Technologie zur Herstellung auf allen Kontinenten verfügbar zu machen, brauche CEPI 2021 weitere 500 bis 750 Millionen Dollar. 

Zentrale Rolle der Berliner Charité

Das Bundesforschungsministerium fördert aber nicht nur CEPI, sondern auch Projekte in drei deutschen Instituten, die sich mit Coronaviren sowie den von ihnen ausgelösten Erkrankungen befassen. Das sind Projekte am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung, am Deutschen Zentrum für Lungenforschung und am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung.

Ein seit 2016 mit zwei Millionen Euro gefördertes Vorhaben ist die Forschungsgruppe „Viruserkennung und Vorbereitung“ um den Charité-Virologen Christian Drosten. Drosten ist in der aktuellen Krise zum wohl prominentesten Experten hierzulande aufgestiegen, auch weil er auf Basis seiner Forschung den ersten Test entwickelt hat, der Covid-19-Erreger erkennt. Von den insgesamt 28 Millionen Euro, die das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung erhält, flossen zwischen 2016 und 2019 zudem 1,3 Millionen Euro in Entwicklung und Tests eines experimentellen Impfstoffes gegen MERS, einer Krankheit, die von einem mit SARS-CoV-2 verwandten Coronavirus ausgelöst wird. Dieses Mittel wurde erfolgreich an Dromedaren getestet, die ein Träger des MERS-Erregers sind, und später Mithilfe des BMBF-Geldes auch an Menschen. Erkenntnisse wie die dabei gesammelten helfen nun bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2.

An das Deutsche Zentrum für Lungenforschung gingen 13 Millionen Euro, mit denen Forscher unter anderem Wege untersucht haben, wie sich ein Lungenversagen verhindern und Spätfolgen abmildern lassen. Das Helmholtz-Zentrum erhielt rund 1,9 Millionen Euro, etwa für die Entwicklung neuartiger Medikamente gegen Viruserkrankungen und, um die potenziellen Ausbreitungsrouten von Coronaviren durch internationale Flüge zu ermitteln.

Am Donnerstag stellten der Charité-Virologe Drosten und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) zudem ein neues nationales Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin vor. Es soll neue Ideen und Rezepte entwickeln, um Patienten bestmöglich zu schützen. Auch ist eine Datenbank mit den Informationen aller Covid-19-Patienten geplant. Sie soll einen Gesamtüberblick über deren Krankengeschichte und Verfassung geben. Neben dem Bundesforschungsministerium sind mehrere wissenschaftliche Netzwerke und die Unikliniken an dem Vorhaben beteiligt. Das Ministerium fördert dieses Netzwerk mit immerhin 150 Millionen Euro.

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