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Nordholz als Weltraumbahnhof? „Das Space Shuttle hätte bei uns landen können“

Der Flughafen Nordholz bei Cuxhaven: klein und abgelegen, aber genau deshalb ein möglicher Kandidat für einen Weltraumbahnhof. Quelle: Presse

BDI-Chef Kempf wirbt für einen deutschen Weltraumbahnhof – und nennt den bisher kaum bekannten Flughafen Nordholz als möglichen Standort. Ein realistischer Vorschlag? Ein Anruf bei Thomas Lötsch, Chef des Flughafens und der Wirtschaftsförderung Cuxhaven.

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WirtschaftsWoche: Herr Lötsch, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, hat sich heute für einen Weltraumbahnhof in Deutschland stark gemacht - und Ihren Flughafen als möglichen Standort genannt. Wären Sie dafür bereit?
Thomas Lötsch: Grundsätzlich hat Herr Kempf Recht – im Thema Raumfahrt ist Musik. Ein Weltraumbahnhof am Standort Nordholz – völlig neu ist mir das Thema nicht. Das müsste man sich einmal genauer anschauen, ich möchte da nicht vorgreifen. Aber unser Motto ist: Geht nicht, gibt’s nicht.

Können Sie sich vorstellen, warum Ihr Flughafen für die Raumfahrt ins Gespräch gebracht wird?
Klar, wir sind natürlich ein Flugplatz mit Potential.

Da spricht der Wirtschaftsförderer Lötsch. Was sind die Stärken von Nordholz?
Wir liegen dezentral, direkt an der Nordseeküste, das hilft natürlich im Zusammenhang mit der Raumfahrt. Und die fliegerische Ausstattung ist top: Das ILS-System, das Flugzeugen beim Landen hilft, Präzisionsradar, Feuerlöschausrüstung in einer hohen Kategorie. Nordholz ist ein unerkanntes Juwel.

Wie kommt das?
Der größte Teil ist ein Militärflughafen, wir vom zivilen Bereich sind im Grunde nur Mitbenutzer. Die Bundeswehr hat in Nordholz sämtliche deutsche Marinehubschrauber stationiert. Außerdem die großen Seefernaufklärer vom Typ P3-Orion – die größten Waffenträger der Bundeswehr. Und zwei Ölüberwachungsflugzeuge, die über Nordsee, Elbe und Weser nach Umweltsündern suchen.

Käme ein Raketenstartplatz dem Flugverkehr nicht in die Quere? 
Wir haben sehr viel Fläche. Aber eines ist mir sehr wichtig: Wir sind ein Flughafen für unsere Region und nehmen die Verantwortung für die Region sehr ernst. Der Schutz der Bevölkerung und der Natur sind uns besonders wichtig. Wir haben hier den Nationalpark Wattenmeer vor der Tür – Unesco-Weltnaturerbe. Da muss man in der Tiefe darüber nachdenken, was ein Raumfahrtbahnhof konkret bedeuten würde.

Wie viele zivile Flugzeuge starten täglich in Nordholz?
Zwölf, 13 Maschinen am Tag – vor allem der Flugverkehr zu Nordseeinseln und kleine Business-Jets von Unternehmen. Ich selbst fliege in meiner Freizeit auch alles Mögliche – aktuell vor allem im Doppeldecker. Richtig wie in den 30er Jahren.

In ihrer Rolle als Wirtschaftsförderer wäre ein Raumfahrtbahnhof sicher eine attraktive Idee. Es gäbe bestimmt Bundesmittel für den Ausbau des Flughafens, neue Arbeitsplätze…
Wir werden alles unterstützen, was der Region dient. Aber es ist noch viel zu früh, um konkret darüber zu sprechen.

Wo steht der Landkreis Cuxhaven denn bisher wirtschaftlich stark da?
Ein großes Thema für uns ist natürlich die Offshore-Windenergie, neuerdings auch Wasserstoff-Technologien. Logistik und Häfen. Wir haben sehr starken Mittelstand. Und der Tourismus spielt eine sehr große Rolle.

Hat der Landkreis denn auch schon Bezug zur Raumfahrt?
Bislang noch nicht. Aber wir haben eine räumliche Nähe zu den großen Luft- und Raumfahrtclustern in Hamburg und Bremen. Und was viele nicht wissen: Nordholz war ein Notlandeplatz für das Space Shuttle der USA.

Wie kam es dazu?
Das Space Shuttle brauchte für eine Notlandung in erster Linie eine sehr lange Landebahn – und wir haben die zweitlängste Piste in ganz Niedersachsen, 3000 Meter.

Wenn Sie jetzt spontan einen Werbeslogan für den ersten deutschen Raketenbahnhof in Nordholz ausdenken müssten – wie würde der lauten?
Geht nicht gibt’s nicht. Und zweitens: Für die Region. Das ist immer das Wichtigste.

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