Quantencomputing: Von Airbus lernen: Europa kann, wenn Europa will!
In Zeiten geopolitischer und wirtschaftlicher Spannungen wird es immer offensichtlicher: Wenn Europa nicht schnell handelt, droht uns wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit und der Verlust technologischer Souveränität. Deshalb gilt es, jetzt mutig voranzugehen, um an der Spitze mitwirken zu können. Eine entscheidende Rolle spielen dabei kritische Technologien wie Künstliche Intelligenz, Supercomputing und Quantentechnologien.
Das Potenzial der Quantentechnologie ist hierbei besonders groß: Ganze Branchen wie Pharma, Chemie, Automobil und Finanzen stehen kurz vor einem tiefgreifenden Wandel. McKinsey prognostiziert für den Quantencomputing-Markt ein wirtschaftliches Potential von rund 131 Milliarden Dollar bis 2040. Andere Experten sprechen sogar von bis zu 850 Milliarden US-Dollar. So oder so, das Spektrum zeigt eindrucksvoll, welche wirtschaftliche Dimension Quantencomputing erreichen kann.
Die gute Nachricht: Deutschland und Europa sind bei Forschung und Wissenschaft gut aufgestellt. Aber die Konkurrenz schläft nicht. In den USA und China wird bereits massiv investiert. Deshalb braucht es jetzt eine Weichenstellung. Das 500-Millionen-Euro-Paket der Europäischen Kommission, um Spitzenforscher aus den USA nach Europa zu holen, ist hier ein guter erster Ansatz.
Blaupause aus der Vergangenheit
Aber auch der Blick in die Geschichte der europäischen Luftfahrtindustrie lohnt: Mit Airbus wurde die frühere US-Dominanz von Boeing gebrochen. Ein Erfolg, der zeigt, was Europa leisten kann, wenn Kräfte gebündelt werden. Genau solche europäischen Champions brauchen wir, um bei Zukunftstechnologien international wettbewerbsfähig zu bleiben.
Deutschland kann und sollte hier als Innovationsmotor agieren und die Koordination zwischen europäischen Staaten vorantreiben. Fragmentierte nationale Strategien führen unweigerlich in eine Sackgasse.
Fünf entscheidende Maßnahmen für Europas Quantenstrategie:
- Eine paneuropäische Quantenstrategie: Die Bundesregierung sollte eine Führungsrolle bei der Koordination und Ausführung der neuen EU-Quantenstrategie einnehmen, die die Kommission am 2. Juli vorstellt. Pan-europäische Leuchtturmprojekte müssen gezielt gefördert und unterstützt werden, um internationale Talente und Kapital anzuziehen.
- Der Staat als Ankerkunde: Öffentliche Einrichtungen und Behörden müssen frühzeitig als Nutzer auftreten. Dies schafft Vertrauen, Marktsicherheit und hilft Unternehmen, Innovationen schneller marktreif zu machen.
- Souveräne Quantenrechenzentren: Europas digitale Souveränität darf nicht länger von amerikanischen Grafikprozessoren abhängen. Eigene, quantenbasierte Rechenzentren müssen entstehen, um eine starke europäische Alternative zu schaffen. Das stärkt strategische Autonomie und Wettbewerbsfähigkeit.
- Anreize für Endnutzer schaffen: Unternehmen in Schlüsselbranchen wie Automobil, Pharma und Finanzwirtschaft müssen Anreize erhalten, aktiv in Quantenanwendungen zu investieren.
- Wachstumsfonds: Staatliche Wachstumsfonds und private Pensionsfonds brauchen endlich die notwendigen Rahmenbedingungen, damit sie in europäische Quantentechnologie-Startups und Scale-ups investieren können. Das aktuelle Anreizsystem ist nicht ausreichend.
Europa steht an einem historischen Wendepunkt: Lassen wir zu, dass andere Staaten die technologische Zukunft bestimmen, oder nutzen wir die Chance, unsere technologische Souveränität zu sichern und neue Abhängigkeiten zu vermeiden?
Jetzt ist entschlossenes Handeln gefragt. Es ist an der Zeit, eine starke, gemeinsame Quantenstrategie erfolgreich umzusetzen. Wenn Europa diesen Schritt wagt, stärken wir nicht nur unsere Wettbewerbsfähigkeit und technologische Unabhängigkeit, sondern auch entscheidend unsere geopolitische Position. Deshalb: Europa – jetzt erst recht!
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