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Der Spion, den wir lieben Warum die Deutschen Google und Amazon ins Wohnzimmer lassen

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Autos können gegen ihre Besitzer aussagen

Es gibt aber auch Haushalte, in denen mehrere Menschen auf die App zugreifen und sich so gegenseitig kontrollieren könnten. In einem Mordfall in den USA wurde Alexa von der Polizei bereits als Zeugin herangezogen. Genauso könnten eines Tages Autos gegen ihre Besitzer aussagen, zum Beispiel verraten, dass der Fahrer vor einem Unfall das Gaspedal extra stark durchgedrückt hat.

Klar, Alexas Mikrofone lassen sich taub schalten – was die Box aber nutzlos macht, denn dann nimmt sie keinerlei Aufträge mehr an. Biermann stöpselt sie nur aus, wenn sie die Steckdose braucht. Wenn sie bügelt, zum Beispiel. Auch sie hat sich gefragt, ob sie nicht zu viel von sich preisgibt. Allerdings erst im zweiten Moment. Zunächst einmal war da die Frage: Brauche ich das? Und schon die Antwort darauf, sagt sie, hätte sie eigentlich davon abhalten müssen, sich die Box zum Geburtstag zu wünschen. Getan hat sie dies aus Neugierde, weil es Spaß macht, aus Bequemlichkeit.

Sieht sich Netzkritiker Leberecht in seinem privaten Umfeld um, sieht er diverse Studien bestätigt: Junge Menschen, die mit dem Internet groß geworden sind, kennen sich besser als ihre Eltern mit den kniffligen Datenschutzeinstellungen aus. Sie wissen, dass sie ein intimes Foto eher auf Snapchat, wo es wieder verschwindet, posten sollten als auf Facebook. „Freiheit bedeutet für mich, nie auf nur eine digitale Identität reduziert zu werden. Wir alle sollten uns dafür einsetzen, dass wir mehrere, teils eben auch widersprüchliche Identitäten im Digitalen kultivieren können“, sagt Leberecht. Das mache „schließlich einen guten Teil unseres Menschseins aus“.

Diese Befreiung aus der selbst verschuldeten digitalen Unmündigkeit aber kollidiert mit den Ansprüchen der Webkonzerne. Deren Wettrüsten um den perfekten digitalen Sprachassistenten ist der Versuch, die Kunden nicht nur an sich zu binden, sondern sie regelrecht anzuketten. Die Logik dahinter: Alexa nach dem Wetter zu fragen, ein Taxi zu bestellen oder gleich den Einkauf für die nächste Woche, das ist bequemer, als all dies über Tastatur oder Touchscreen zu erledigen. Und die Echo-Box, wie sie etwa bei Biermann zwischen Kuckucksuhr und gerahmten Fotos von Freunden steht, ist nur der Anfang. Auf lange Sicht will Amazon Alexa zur zentralen Schnittstelle zwischen den Menschen und all den Geräten in ihrem immer vernetzteren Leben machen. Bald soll die Software auch in den Smartphones von Lenovo und Huawei stecken, in einigen Autos von Ford und in allen 4748 Zimmern der Türme des Starhoteliers Steve Wynn in Las Vegas. Und Amazon profitiert: Biermann etwa kann nicht mehr einfach ihre Musiksammlung abspielen, die sie bei dem Streamingdienst Deezer angelegt hat. Amazon bietet bislang nur den Zugriff auf den eigenen Dienst sowie auf den Deezer-Rivalen Spotify. Sie muss sich nun also eine neue Musiksammlung anlegen. Und dafür wieder etwas zahlen.

Resignierte Datenschützer

Amazon ist bei dieser totalen Umarmung seiner Kunden am weitesten, aber nicht allein. Gerade erst hat Apple seinen HomePod vorgestellt. Google und Microsoft haben ähnliche Produkte am Start. Die Konzerne werden das Wissen, das die Sprachassistenten aufsaugen, wohl mit dem zusammenführen, was sie auf anderen Wegen schon über ihre Kunden gelernt haben. Unter den als hochsensibel geltenden deutschen Datenschützern macht sich Resignation breit: Man könne kaum etwas machen, wenn die Verbraucher so sorglos ihre Rechte abtreten, sagt einer.

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